Sonntagsfrühstück

Der Sonntag ist der einzige Tag in der Woche, an dem mein Mann und ich es schaffen, gemeinsam zu frühstücken. An den übrigen sechs stehen uns meist die Verpflichtungen des Alltags im Weg. Darum lassen wir es uns am Sonntag auch richtig gut gehen. Da kommt dann für meinen Mann die nuss-nougatige Kalorienbombe auf den Tisch, und ich kippe mir einen dicken Schuss Vollmilch mit 3,5 % Fett in den Kaffee. Wir schwelgen in Frühstückseiern, in Müsli mit Mandeln, Bananen und Nüssen (also sehr kalorienarm) und selbstgemachten Marmeladen. Fehlen darf natürlich auch nicht die Gutebutter, was im Ruhrpott bekanntlich ein einziges untrennbares Wort ist.

Ähnlich leger ist auch die Kleiderordnung. Jegliche Schüchternheit haben wir bereits vor einundzwanzig Jahren abgelegt, als wir uns zum ersten Mal den Flammen der Leidenschaft hingaben (klingt das nicht schön poetisch?). Folglich sitzen wir dann auch nicht bis zur Halskrause in sittsamen Flanell gekleidet am Tisch. Der bequeme Schlabberlook reicht völlig.

Je wärmer es wird, desto koketter präsentiert sich dieser Schlabberlook. An Beinen und Armen klettern die Säume parallel zum Thermometer nach oben, bis wir dann irgendwann unser Frühstück in Badehose und Tank Top genießen. Im Sommer tut’s sogar lediglich ein dünner Baumwollbademantel, den wir beim dann stattfindenden Balkonfrühstück auch nur tragen, um unseren ebenfalls al fresco speisenden Nachbarn nicht einen Lebensvorrat an unerwünschten Erinnerungen zu bescheren.

Nun haben mein Mann und ich völlig verschiedene Vorstellungen davon, wann kalt in warm umschlägt. Wenn er sich Anfang Februar gleich beim Aufstehen die dicken Wollsocken und obendrein die Filzpantoffeln anzieht, laufe ich meist schon wieder komplett barfuß durch die Bude.  Er hängt beim zwiebelmäßigen Entblättern also immer ein paar Lagen hinterher.

Heute morgen habe ich es allerdings etwas übertrieben. Da saß ich nämlich schon im Tank Top am Tisch. Fehlentscheidung Nr. 1. Nicht von der Temperatur her – das Thermometer zeigte 11 Grad, also auch die Temperatur, bei der ich auch in kurzen Sportplünnen zum Joggen gehe. Die Behauptung, mir wäre kalt gewesen, hätte also eine glatte Lüge dargestellt.

Trotzdem ist mein Körper innerlich noch ziemlich auf Winter eingestellt – meine Reflexe sind noch nicht wieder vollständig auf warme Temperaturen eingerichtet. Dementsprechend langsam war meine Reaktion, als mir ein dicker Tropfen Honig vom Löffel tropfte und mir auf den Arm fiel. Ich ignorierte es und aß erst in Ruhe mein Brötchen. Fehlentscheidung Nr. 2.

Denn als ich die Reinigung zu einem späteren Zeitpunkt in Angriff nahm, schreckte ich meinen Mann mit einem unüberhörbaren „AUAUAUAUAUAAAAAAAVERDAMMTNOCHEINS!!!“ auf. Wenn man nämlich angetrockneten Honig von einem gut behaarten Männerarm entfernt, ist Brazilian Waxing ein verdammter Scheißdreck dagegen!

 

 

 


Hinweis: Die Titelgraphik dieses Beitrags stammt aus dem Pool frei verwendbarer Bilder von Pixabay und kann im Rahmen der Pixabay-Lizenz frei verwendet werden.

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