Spukgeschichte

Eigentlich bin ich das, was man „Hart im Nehmen“ nennt. Also, wenn es um Gruselfilme/-bücher/-hörspiele geht. Splatterfilme finde ich zum Beispiel verdammt langweilig. Da, wo andere Leute kotzen gehen, wenn auf der Leinwand oder im Glotzkasten mal wieder ein Bauch aufgeschlitzt wird, greife ich erst recht nochmal in die Tüte mit dem Naschzeug. Denn eins ist ja wohl klar:

Das ist kein Blut, sondern bloß Himbeersaft, in den ein bisschen Kartoffelmehl reingekippt wurde, damit es dicker aussieht. Und den Schauspieler XY habe ich erst gestern noch im Live-Interview bei The One Show auf BBC One gesehen. Der kann also gar nicht tot sein.

Es gibt im Grunde nur einen einzigen Film, bei dem mir so richtig die Tangenten schlottern. Das ist Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens von Friedrich Wilhelm Murnau. Das ist ein Stummfilm. Von neunzehnhundertzweiundzwanzig! Der ist bloß so gut in schwarz-weiß gefilmt und spielt so toll mit dem psychologischen Horror von Licht und Schatten, dass ich den bis heute nicht alleine zu Ende schauen kann.

Wenn also jemand will, dass ich mich so richtig erschrecke, muss er sich ganz was Besonderes einfallen lassen.

Oder schlicht auf den Zufall vertrauen.

Einer unserer Nachbarn hat eine Eule in den Garten gestellt. Natürlich keine echte – wir sind ja nicht bei Harry Potter. Nee, so ein Dekoding aus Plastik, das angemalt worden ist, damit es wie aus Stein gemacht aussieht. Das Ding hat aber keine Augen, sondern lediglich kleine Reflektorstrahler mit ziemlich grellen LED-Leuchten. Ach, ja – und einen Bewegungssensor hat das Ding ebenfalls. Wenn die Lichter dann im Dunkeln auf einmal anspringen, wenn ein Eichhörnchen oder eine Maus vorbeihuscht, sieht diese Eule mit ihren weit aufgerissenen Leuchtaugen aus wie ein morphiumsüchtiges Nachtgespenst, dass sich just eine Sekunde vorher auch noch auf ein Stachelschwein gesetzt hat.

Nur mal so als Tipp, wenn ihr auch mal das erleben wollt, was mir neulich passiert ist: Sich beim Müll rausbringen in der Abenddämmerung fühlen wie auf dem Friedhof der Kuscheltiere.

Werbeanzeigen