30 Bücher, die einfach zum Leben gehören

Herbstzeit ist Lesezeit. Naja, eigentlich ist das ganze Jahr über Lesezeit. Im Sommer liest man bei einer kalten Limo im Strandkorb, im Herbst oder Winter kuschelt man sich halt in den Lieblingssessel nahe bei der Heizung und schlürft Tee.

Der Büchermarkt ist schier unüberschaubar, darum ist die „30 Day Book Challenge“, die man unter diesem genau diesem Suchbegriff auf hunderten von Seiten im Internet finden kann, eine gute Gelegenheit, sich selbst und auch andere zu inspirieren.

Denn men to:

1. Das beste Buch, das du im letzten Jahr gelesen hast

Das war ganz klar Dörte Hansens Mittagsstunde, der zweite Roman nach ihrem großartigen Debüt mit Altes Land. Mit Bestseller-Erstlingen ist das oft so eine Sache: Das zweite Buch wird oft unter Druck rasch zusammengeklöppelt, rausgebracht – und ist eine gewaltige Enttäuschung. Das trifft hier nicht zu. Dörte Hansen hat sich über drei Jahre Zeit gelassen. Resultat: Mittagsstunde hat mich mit seiner großartigen Erzählsprache ebenso eingefangen wie Altes Land.

2. Ein Buch, das du mehr als einmal gelesen hast.

Six of One (Jacke wie Hose) von Rita Mae Brown. Band 1 aus der Serie um die Hunsenmeir-Schwestern Julia Ellen und Louise  ist eine Art romanhaft erzählte fiktive Biographie, die dem Lebenslauf ihrer Protagonisten mit allen Glücksmomenten und dramatischen Einschnitten, die dazugehören. Das Ziel ist hier der Weg, der von zu Herzen gehenden Taschentuchmomenten genauso erzählt wie von brüllend komischen Eskapaden, nach denen man erstmal wieder Atem schöpfen muss, weil man sich beim Lachen völlig verausgabt hat. Es kleidet dunkle Stunden in Worte, die einem vielleicht manchmal selber fehlen, und macht sie dadurch etwas leichter, und es macht die hellen Stunden noch ein bisschen strahlender. Genau deswegen mag ich Six of One – und weil es eine mitreißende Hommage an das Leben, die Liebe, Loyalität und bedingungslose Freundschaft ist, die keine sozialen Grenzen kennt.

3. Deine Lieblingsserie

Die von Peter Robinson geschriebene Serie um den Polizisten Alan Banks. In mittlerweile 26 Romanen löst Banks nun Mordfälle in den Yorkshire Dales. Was mir an der Serie so gut gefällt, ist die nahezu in Echtzeit stattfindende Entwicklung der Hauptfigur. In Band 1 von 1987, Gallows View, war Banks um die dreißig, einfacher Inspector, verheiratet und hatte zwei Kinder. In Many Rivers To Cross von 2019 ist er in den späten Fünfzigern, längst zum Superintendent befördert und seit über zehn Jahren geschieden, seine Kinder sind erwachsen und haben eigene Karriere gemacht. Ähnlich ist es mit den Nebencharakteren. Junge Constables fangen in Banks‘ Revier an, verdienen sich ihre Sporen, werden befördert und bekommen schließlich neue Jobs, die sie an andere Stellen des Polizeiapparats und damit aus der Serie hinaus bringen. Hinzu kommt die Abwechslung, wie Peter Robinson seine Stories erzählt: Mal ist es eine moderne Variante des klassischen Whodunnit, mal wird der Täter gleich zu Anfang gestellt und der Fall muss quasi „nachbereitet“ werden, damit die Staatsanwalt aktiv werden kann. Es kommt keine Langeweile auf.

5. Dein Lieblingsbuch aus deiner Lieblingsserie

In A Dry Season (In einem heißen Sommer), Band 10 der Inspector Banks-Reihe von Peter Robinson. Im Sommer des Jahres 1998 trocknet ein um 1950 angelegter Stausee in den Yorkshire Dales aus und das ehemals dort gelegene Dorf Hobb’s End taucht wieder auf. In einer der gut erhaltenen Ruinen wird ein Skelett gefunden. Ein Mordopfer, und Mord verjährt nicht. Inspector Alan Banks und seine neue Kollegin Detective Inspector Annie Cabbot müssen in eine ihnen fremde Welt eintauchen, die aus Lebensmittelrationen, traumatisierten Soldaten sowie Amouren und kleinen Gefälligkeiten zwischen amerikanischen GIs und britischen Mädchen im besten Alter besteht. Lange bevor Banks und Annie es selber in der Hand halten, bekommt der Leser unterdessen Einblick in das Manuskript mit den Memoiren einer unmittelbar Beteiligten, welche die Vorgeschichte zu dem dramatischen Geschehen in Hobb’s End erzählt. Es wird klar, dass die Zeit drängt, denn der Mord an Gloria Shackleton könnte über vierzig Jahre später ein weiteres Opfer fordern.

5. Dein liebster Buchklassiker

Der Schimmelreiter von Theodor Storm. Die düstere Novelle um Hauke Haien braucht sich nicht hinter den Geistergeschichten der großen viktorianischen Schauerautoren wie M. R. James, Edith Nesbit oder Francis Marion Crawford zu verstecken.

6. Dein liebstes Buch in deiner Kindheit

Ferien auf Saltkrokan von Astrid Lindgren. Genau so habe ich mir immer die perfekten Ferien vorgestellt.

7. Ein Buch, das dich zum Lachen bringt

Muss ich denn schon wieder verreisen? von Evelyn Sanders. Ein mit spitzer Feder und zwinkerndem Auge geschriebener Roman zum Thema „Deutsche auf Auslandsreisen“.

8. Ein Sachbuch

Das Haus an der Elbchaussee von Gabriele Hoffmann. Der Titel klingt nach einer von Sex und Intrigen triefenden Roman-Saga, wie sie sich Sidney Sheldon in den 1970ern und 1980ern am Fließband ausgedacht hat; tatsächlich ist Das Haus an der Elbchaussee eine hervorragend recherchierte und geschriebene Dokumentation über Aufstieg und Fall der mächtigsten Hamburger Kaufmannsfamilie des 19. Jahrhunderts.

9. Dein Guilty Pleasure-Buch

Mit Familienanschluss von Heinz G. Konsalik. Warum es ausgerechnet das ist, habe ich an anderer Stelle schon mal beschrieben.

Heinz G. Konsalik: Mit Familienanschluss

10. Ein Buch, das dich an zuhause erinnert

Kartoffeln mit Stippe von Ilse Gräfin von Bredow. Es ist gar nicht mal so sehr die von ihr beschriebene Märkische Heide, die mich an zuhause denken lässt – ich bin nämlich ganz woanders augewachsen. Aber ich glaube, je älter man wird, desto mehr wird das Zuhause-Gefühl von bestimmten nostalgischen Stimmungen geprägt, die wiederum mit bestimmten prägnanten Erinnerungen verbunden sind. Genau diese Nostalgie entsteht, wenn ich dieses und andere Bücher von Ilse Gräfin von Bredow, wie etwa Ein Bernhardiner namens Möpschen lese.

11. Ein Buch, das du gehasst hast

Der Richter und sein Henker von Friedrich Dürrenmatt. Nicht wegen des Inhaltes und nicht wegen des Autors. Aber wir haben es in der Schule als Klassenlektüre gelesen. Der Lehrer hat es an einem Freitag ausgeteilt, ich habe es mit nach Hause genommen, gelesen, mir dabei Notizen gemacht, und in der ersten Deutschstunde nach dem Wochenende war ich bereit, darüber zu diskutieren. Was ich versäumte zu realisieren, war, dass wir dieses Buch das ganze Schuljahr über lesen und besprechen würden – quasi jedes Wort einzeln. Ein Jahr lang Deutschstunde für Deutschstunde dasselbe Buch. Da muss man ja irgendwann genug von dem Schmöker haben!

12. Ein Buch, das du früher geliebt hast, jetzt aber nicht mehr ertragen kannst

Dracula von Bram Stoker. Der erste Teil mit Jonathan Harker in Draculas Burg ist unheimlich spannend und an Horror kaum zu überbieten. Auch die unheimliche Bedrohung, als Dracula anfängt, sich in England über Lucy Westenra herzumachen – Grusel pur. Doch sobald Professor van Helsing auftaucht, fällt es mir inzwischen immer schwerer, weiterzulesen. Ich bin überzeugt davon, dass Dracula viel eher hätte gestellt werden können und die Bluthochzeit mit Mina Harker gar nicht erst passiert wäre, hätte dieser nervtötende holländische Prof. nicht ständig so endlos und salbungsvoll geschwafelt!

13. Ein (auto)biographisches Buch

An Autobiography von Agatha Christie. Eine beeindruckende Persönlichkeit, die viel mehr war als nur die Schöpferin von Miss Marple, Hercule Poirot und dem Agentenehepar Tommy & Tuppence Beresford.

14. Ein Buch außerhalb deiner Komfortzone

One Of Your Own von Carol Ann Lee. Ein Buch über die Moors Murders von Manchester, eine Mordserie, der zwischen 1963 und 1965 fünf Kinder zum Opfer gefallen sind. Es zwar schwer zu ertragen, was zwei erwachsene Menschen in der Lage waren, wehrlosen Kindern und ihren Hinterbliebenen anzutun – auch dann noch, als sie schon im Gefängnis saßen. Ich musste es zwischendurch immer wieder für längere Zeit aus der Hand legen, weil es einfach zu sehr an die Nerven ging.

15. Ein Buch, das den Literaturnobelpreis gewonnen hat

Doktor Schiwago von Boris Pasternak. Ein großartiges Buch, welches zeigt, dass sich alles auf der Welt niemals nur in Schwarz & Weiß, Yin & Yang oder A und B einteilen lässt.

Boris Pasternak: Doktor Schiwago

16. Ein Zitat aus einem Buch

Wenn meine Welt voll Kirchen ist, was tu‘ ich mit den Kernen? von Erma Bombeck. Das Zitat ist hier gleichzeitig ein Buchtitel – und eine Frage, die ich mir auch ständig stelle.

17. Ein Kochbuch

Das Hamburg Kochbuch von Claus Silvester Dörner und Ilse Sibylle Dörner. Eine große Auswahl an Rezepten aus der Hansestadt von volkstümlichen Klassikern wie „Birnen, Bohnen und Speck“ bis zur gehobenen Küche mit gefüllten Austern und Schaumspeise aus Krabben und Avocado. Dazu gibt es Anekdoten aus dem alten Hamburg und Einblicke in die Speisegewohnheiten der Hamburger Kaufleute.

18. Ein Buch, das verfilmt und dadurch regelrecht geschändet wurde

The Haunting of Hill House (Spuk in Hill House) von Shirley Jackson aus dem Jahr 1959 in der Verfilmung The Haunting (Das Spukschloss) von Jan de Bont aus dem Jahr 1999. Eine raffiniert erzählte, ihren Horror ausschließlich durch psychologische Effekte erreichende Gespenstergeschichte wurde zu einem langweiligen Special Effects-Feuerwerk degradiert.

19. Ein Buch, das gelungen verfilmt wurde

Evil Under The Sun (Das Böse unter der Sonne) von Agatha Christie. Der gleichnamige Film von 1982 verlegt die urspünglich an der englischen Küste spielende Story zwar auf eine Insel im Mittelmeer und nimmt sich noch andere Freiheiten heraus, aber dank der großartigen, spielfreudigen Besetzung (u. a. Peter Ustinov, Maggie Smith, Diana Rigg, Jane Birkin, Nicholas Clay und James Mason), der geschliffenen, espritvollen Dialoge und des großartigen, aus Cole-Porter-Melodien zusammengestellten Soundtracks bin ich jedesmal nur zu gerne bereit, meine sonstigen unverhandelbaren Ansprüche in punkto Werktreue über Bord zu werfen.

20. Ein Hörbuch, das dir besonders gut gefallen hat

Geliebter Lügner, ein von Jerome Kilty zusammengestellter Einblick in den langjährigen Schriftwechsel des Schriftstellers George Bernard Shaw (Pygmalion, Frau Warrens Gewerbe) mit der Bühnenschauspielerin Mrs. Stella Patrick Campbell. Gelesen von O. E. Hasse & Elisabeth Bergner und bereits in den frühen 1960ern auf Schallplatte erschienen.

Hörbuch: Geliebter Lügner

21. Der erste echte Roman, den du je gelesen hast

Das kann eigentlich nur The Mirror Crack’d From Side To Side (Mord im Spiegel) von Agatha Christie gewesen sein. Den habe ich nämlich schon mit zehn oder elf gelesen. Schuld daran waren meine Eltern. Dieser Roman gehört zur Miss Marple-Reihe, und weil meine Eltern nur die Krimikomödien mit Margaret Rutherford kannten, die zwar charmant sind, aber nichts mit den Romanen gemein haben (feierliche Ermahnung, wann immer die im Fernsehen liefen: „Das ist nicht echt, die tun nur so!“), hielten sie die Lektüre für ungefährlich und haben mich nicht aufgehalten, als das Buch im Quartalspaket vom Buchclub lag und ich es mir einfach genommen habe.

22. Die schönste Liebesgeschichte

A Many-Splendoured Thing (Alle Herrlichkeit auf Erden). Der semi-autobiographische Roman von Han Suyin erzählt von der Liebe eines amerikanischen Auslandskorrespondenten zur einer chinesischen Ärztin in den Wirren der letzten Stadien des chinesischen Bürgerkriegs in den späten 1940er Jahren.

23. Ein Buch, das du schon lange lesen wolltest, bei dem du aber immer noch nicht dazu gekommen bist

Erebus – The Story of a Ship von Michael Palin. Ein Buch über das Segelschiff Erebus, das zu zwei der ambitioniertesten Seepeditionen des 19. Jahrhunderts ausgesandt wurde. Bei der zweiten Expedition verschwand es spurlos und wurde erst 2014 wiederentdeckt. Seit meinem Sommerurlaub liegt das Buch auf meinem Nachtschrank, doch jedesmal, wenn ich mit dem Lesen beginnen wollte, kam bisher ein anderes Buch dazwischen.

24. Ein Reisebuch

Zwanzigtausend Reiseleiter von Markus Barth. Nur von den Tipps seiner Facebook-Follower geleitet, geht der Kabarettist Markus Barth samt Ehemann und Beagle-Hündin Bärbel im Wohnmobil auf große Reise: 17.000 Kilometer quer durch Europa. Spannende Erlebnisse, lustige Momente und Schrecksekunden – und vor allem eine großartige Liebeserklärung an ein gemeinsames Europa ohne Grenzen.

25. Ein Kurzgeschichten-/Erzählungenband

Collected Ghost Stories von M. R. James. Ein simpler Titel, aber die Geschichten darin stammen vom Großmeister der viktorianischen Schauergeschichte. Grusel vom Feinsten Besonders lesenswert sind die Stories The Tractate MiddothLost HeartsThe Haunted Dolls HouseWailing WellThe Ash Tree.

26. Ein Buch, das deine Meinung über etwas geändert hat

Maigret zögert von Georges Simenon. Trotz aller Liebe zu Skandinavien habe ich zu den ganzen skandinavischen Krimiautoren wie Jo Nesbø, Jussi Adler-Olsen, Niklas Dag och Natt oder Camilla Läckberg nie Zugang gefunden. Ich dachte, das würde mir mit frankophilen Autoren auch so ergehen, und habe einen Riesenbogen drum gemacht. Im Urlaub diesen Jahres habe ich meinen ersten Inspector Maigret gelesen, was bei mir zu der Frage führte: Ich bin seit 35 Jahren Krimileser – warum habe ich so lange gebracht, um Simenon für mich zu entdecken?

27. Der überraschendste Plottwist/das überraschendste Ende

The Shepherd (Ich bin die Nacht) von Ethan Cross. Nein, hier wird nicht gespoilert. Aber mit diesem Ende hätte ich echt nicht gerechnet.

28. Liebster Buchtitel

Sünnschien un goten Wind – 50 mol wat to’n Frein von Rudolf Kinau. Der Inhalt hält, was der Titel verspricht: 50x was zum Freuen – in Form von 50 Kurzgeschichten auf Plattdeutsch.

29. Ein Buch, das du nicht zu Ende gelesen hast

Der Graf von Monte Christo von Alexandre Dumas d. Ä. – mit 1.100 Seiten in der nun wirklich nicht großen Schriftgröße 8 habe ich meinen Augen schlichtweg zuviel zugemutet und musste nach ca. 100 Seiten schon aufgeben.

30. Welches Buch liest du aktuell?

Maigret und die Keller des Majestic von Georges Simenon. Inspector Maigret untersucht den Mord an einer Industriellengattin.