Veränderung

Veränderung gehört zum Leben wie das trashige zum Eurovision Song Contest. Man mag das nicht immer leiden, aber es ist immer dabei, ob du das nun willst oder nicht. Kann man nicht gegen machen.

Dieser Tage ist mein Mann ziemlich missgelaunt. Für seinen geschmack ändert sich im Moment ein bisschen zuviel. Unser Supermarkt macht zum Beispiel an Altjahrsabend für mindestens ein halbes Jahr dicht. Der Laden wird nicht bloß renoviert und komplett umgebaut, es kommt auch ein neuer Pächter rein. Die meisten Angestellten des alten Pächters kennen wir so um die zwanzig Jahre, die kommen nun allmählich ins Rentenalter und kehren nach der großen Neueröffnung nicht zurück. Wir müssen uns also an neue Gesichter gewöhnen.

Nun steht auch Weihnachten vor der tür. Hier in Dortmund blinkt seit ein paar Tagen das größte Adventsgesteckt der Welt (ich weigere mich, dieses Flickwerk als Baum zu bezeichnen) vor sich hin. Im Radio hörst du immer öfter Bing Croby mit seinem White Christmas, und ich kann es gar nicht abwarten, heute, am 1. Advent, zum ersten Mal meine Lieblingsplatte aufzulegen, The Doris Day Christmas Album von 1964. Das habe ich mir nämlich bei einer Plattenbörse endlich auf Vinyl gekauft. Nun muss ich es nicht mehr als kalte, unpersönliche mp3-Datei hören.

Natürlich spielen sie im Radio auch wider das meist gehasste und geliebte Weihnachtslied zugleich, Last Christmas. Was habe ich um diesen Schmalzfetzen früher einen großen Bogen gemacht! Am liebsten hätte ich das Radio aus dem Fenster geschmisen, wann immer es gespielt wurde. Nur – so ein Radioapparat kann ja nichts dafür, was er über den Äther aufschnappt, nicht wahr? Also habe ich ihn immer bloß leise gedreht oder bin ich ein anderes Zimmer gegangen – auch wenn mein Mann und ich gerade essen wollten, oder so. Das ist meinem Mann ziemlich auf die Nerven gegangen. Darum ist er auch so durcheinander gewesne, als ich gestern einfach sitzen geblieben bin, als der Song im Radio gekommen ist. Je älter du wirst, desto relaxter wirst du -ich habe einfach gemerkt, dass ich Last Christmas nicht gut, aber auch nicht schlecht finde. Das Lied ist mir einfach pottegal geworden. Damit musste mein Mann erstmal klarkommen.

Aber das ist alles nichts gegen die neuen Mitarbeiter bei seiner Bank. Ist das bei euch auch so, dass ihr immer einen anderen Kundenberater vor die Nase gesetzt bekommt? Machst du einen Sparvertrag klar, wirst du von Kollege A bedient. Willst du zwei Monate später ein Schließfach haben, macht das Kollege B, weil Kollege A nun in einer anderen Filiale it. Und wenn du nochmal hingehst, weil du eine neue Plastikkarte brauchst, macht das Kollege C, denn Kollege B kümmert sich nur noch um Geschäftskunden. Die Zeiten, in denen du über Jahre hinweg zum selben Sachbearbeiter gegangen bist, sind vorbei.

Vor ein paar Tagen hat ein Schreiben im Briefkasten gelegen, dass er schon wieder einen neuen Sachbearbeiter bekommt. Mann, hat er da geschimpft. Der wichtigste Satz in seiner Tirade war: „Hoffentlich kriege ich nicht wieder so einen jungen Schnösel!“

Manchmal ist mein Mund schneller als mein Gehirn, deshalb habe geantwortet: „Hase, du bist jetzt in einem Alter, in dem du es immer öfter mit jungen Schöseln zu tun kriegst. Bei deinem nächsten Geburtstag wirst du nämlich fünfzig!“

O-haue-ha! Sein giftiger Blick geht mir jetzt  noch eiskalt den Buckel rauf und runter.

Soll ich euch was sagen? Ich glaube, sein Alter ist die Veränderung, die  meinem Mann am wenigsten behagt!