Der wichtigste Tag des Jahres

Moin!

Vielleicht ist es einigen aufgefallen: Ich bin mit dem Bloggen ein bisschen aus dem Takt geraten. Laut meinem Rhythmus „Alle drei Tage was Neues“ hätte am vergangenen Donnerstag eben genau das kommen müssen: etwas Neues.

Aber mir war wirklich nicht danach, weil ich im Moment ziemlich marode bin. Kinners, ich sage euch eins: Du merkst, dass du älter wirst, wenn sich dein Körper nicht mehr nur mit Erkältungssymptomen zufriedengibt, sobald du dich verkühlt hast – nein, jetzt haut er dir auch noch eine Verspannung rein, als hättest du Hexenschuss nur im Nacken.

Das wird mich aber nicht davon abhalten, gleich vor die Tür zu gehen – dazu ist der Tag heute zu wichtig.

In einer guten Viertelstunde öffnen die Wahllokale, und selbstverständlich werde ich wählen gehen. Natürlich hätte ich auch auf den letzten Metern noch rasch Briefwahl beantragen können. Aber ich habe es schon einmal an anderer Stelle geschrieben, und ich bleibe unbeirrt dabei: In Zeiten, in denen so viele Menschen von dem wichtigen Geschenk der demokratischen Wahl keinen Gebrauch machen oder es gar mit Füßen treten, indem sie ihre Stimmen den rechten Parteien geben, werde ich den Teufel tun und wegen ein bisschen steifem Nacken, jeder Menge Rotznase und einer aktuellen körperlichen Durchschnittstemperatur von 37,8° zuhause zu bleiben. Ich will für alle Welt sichtbar von meinem Wahlrecht Gebrauch machen, und wenn man mich dorthin tragen muss oder ich auf den Brustwarzen ins Wahllokal krabbele.

Ich werde wählen.

Und definitiv keine von den rechten Parteien!

Denn ich möchte, dass unser Land trotz aller Probleme und allem was quer läuft eine bunte und lebendige Demokratie bleibt, in der ich frei und vielfältig leben kann – etwas, das die rechten Parteien, von denen es leider viel zu viele gibt, nicht im Sinn haben.

Außerdem hat mein britischer Großvater in den Kriegswirren, besonders in den letzte Monaten ’44/’45, bestimmt nicht alles gegeben, um Deutschland von der braunen Scheiße zu befreien, nur damit ich ihm jetzt auf diese Leistung draufspucke.

Wir alle haben eine große Verantwortung heute, im Hinblick auf unsere Zukunft, aber auch aufgrund unserer Vergangenheit. Wer meint, diese Vergangenheit vergessen zu können, müssen oder gar dürften, hat nicht alle Latten am Zaun, so einfach ist das. Erinnern wir uns an den wichtigen Satz, den die Journalistin Anja Reschke schon vor über zweieinhalb Jahren gesagt hat: „Dieser Teil unserer Geschichte ist in seiner Abartigkeit so einzigartig, dass er gar nicht vergessen werden kann.“ 

Dieser Verantwortung müssen wir uns bewusst sein. Ewigkeiten haben wir unsere Eltern, Großeltern und manchmal sogar auch noch Urgroßeltern gefragt, wie das ’33 passieren konnte, und wir haben ihnen vorgeworfen, es nicht anders gemacht zu haben. Wir können es heute anders machen.

Darum gibt es keinen Grund, heute nicht wählen zu gehen und es gibt erst recht keinen einizgen Grund, den rechten Parteien  auch nur eine einzige Stimme zu geben!

Bitte geht wählen.

Und bitte wählt weise.

Es kommt mehr denn je darauf an.


Mehr zum Thema:

An die Urne gehen – Über die Wichtigkeit von Wahlen

No de Urne hin – Der gleiche Artikel nochmal auf Plattdeutsch

In the Year 2087 – Vielleicht müssen wir eines Tages Rede und Antwort stehen, warum wir das Grauen nicht verhindert haben.

Nur ein Satz – Warum ich  meine Urgroßeltern nie kennengelernt habe und genau das ein Grund ist, Flüchtlinge willkommen zu heißen.

Nicht mit uns – Die Blogparade Schreiben gegen Rechts


Hinweis: Die Titelgraphik dieses Beitrags stammt aus dem Pool frei verwendbarer Bilder von Pixabay und befindet sich unter dem Vermerk CC0 der Creative Commons in der Public Domain.

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Brüjanadams

In kaum etwas machen sich Generationenunterschiede so sehr bemerkbar wie in der Sprache. Wo Oma Klara Krawuttke davon spricht, an einem Sommertag nur eine Schüssel Salat auf den Tisch bringen zu wollen, weil es für Sauerbraten viel zu warm ist, spricht Enkelin Kira-Madeleine Krawuttke davon, dass es heute bei ihr nur ein Bowl-Gericht oder gar ein Bowl Dish gibt. Beide meinen im Grunde genommen dasselbe: Etwas, das in einer Schüssel serviert wird.

Ich will mich jetzt nicht wieder über vermeintliche und echte Anglizismen auslassen, das hatten wir schon mal. Aber mitunter treibt das babylonische Sprachgewirr der Generationen Blüten, die einfach niedlich sind. Weiterlesen „Brüjanadams“

Sag mal, wo leben wir denn eigentlich?!

Das neben der Tagesschau zweite große Fernsehhochamt an jedem Abend zieht mindestens genau so viele Zuschauer  und wird wahrscheinlich auch noch oftmals als das wichtigere empfunden, denn nicht umsonst wird außer zum festen Sendeplatz wenige Minuten vor dem 20-Uhr-Klassiker auch noch von nahezu jeder Regionalsendung in den Dritten während der zwei Stunden davor zelebriert: Ein elegant gekleideter Herr oder eine eben solche Dame tritt mit gewinnendem Versicherungsvertreterlächeln vor die Kamera und faselt mit gewichtiger Attitüde von Isobaren und Stratus nebulosus. Reichlich nebulös, das Ganze… Weiterlesen „Sag mal, wo leben wir denn eigentlich?!“

Muttertag

Moin!

Wie in jedem Jahr steht auch dieser zweite Sonntag im Mai wieder einmal im Zeichen einer ganz besonderen Person.

Die erfahrenen Mütter freuen sich z. B. darüber, dass ihre erwachsenen Kinder sie in ihr Lieblingsrestaurant eingeladen haben, während die jungen Mütter vielleicht in diesem Jahr erstmals in den Genuss des von ihren Kindern zubereiteten Frühstücks kommen – und auf diesem Weg auch mit der goldenen Regel Wo es verbrannt riecht, ist oft einfach nur ebensolcher Toast zu finden Bekanntschaft machen. Aber keine Sorge – aus zuverlässiger Quelle habe ich erfahren, dass nie wieder ein Toast besser schmecken wird. Weiterlesen „Muttertag“

Das Leben ist am schwersten…

… drei Tage vor dem Ersten.

Sagt der Volksmund.

Diesem sei an dieser Stelle erwidert: Von wegen! Denn an den besagten drei Tagen mag das Portemonnaie zwar in der Tat ziemlich leer sein. Das hat allerdings zur Folge, dass sich der schwerste Tag im allmonatlichen Kreislauf verschoben hat,  nämlich direkt auf den Ersten.

Zu den unbestreitbaren Vorteilen, sein privates Habitat in einem so genannten Szene- oder In-Viertel verorten zu können, gehört zweifellos die entsprechend ausgebaute Infrastruktur. In unserem Quartier sind wir in der Tat auch bestens versorgt. Fünfzehn Gehminuten sind es bis zum Hauptbahnhof, zehn bis zur Fußgängerzone der Innenstadt bzw. zum städtischen Theater nebst Opernhaus, und im Umkreis von nur fünf Minuten haben wir Zugang zu fünf Bushaltestellen, einer S-Bahn-Station sowie zu drei Stationen der der Stadtbahn. Weiterlesen „Das Leben ist am schwersten…“