Zwickmühle

O-haue-ha…

Nur noch 13 Tage bis Heiligabend.

Langsam wird es wirklich Zeit.

Sonst brauche ich mich auf dem Friedhof bei Oma selig gar nicht erst blicken zu lassen.

Dann fegt nämlich ein Sturm schlimmer als das, was die Sahara hinbekommt, durch ihre Urne.

Zu Recht.

Ich bin ja auch sonst so gewissenhaft damit und habe es – genau wie früher Oma – kurz vor Weihnachten noch ein letztes Mal fürs Jahr getan. Weiterlesen „Zwickmühle“

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Weihnachtsgeld

„Guten Morgen, der Herr! Ich sehe, Sie sind Brillenträger! Darf ich Sie vielleicht mit unserem neuen Brillenreiniger Glotzenglanz bekannt machen?“

Eigentlich sollte ich stumm vorbeigehen, aber die preußische Erziehung verbietet das. Also grüße ich, lehne höflich dankend ab und stelle mich auf das Unvermeidliche ein: Prompt prasselt ein Schwall wohlgedrechselter und perfekt auswendig gelernter Phrasen auf mich ein, mit denen der Propagandist (ich weiß, dieser Job trägt heute einen klangvolleren, wichtigeren und natürlich englischen Namen, vermutlich sowas wie „Crap-That-Nobody-Needs Sales Manager“, aber ich habe nun mal ein Faible für diese altmodischen Vokabeln) mich davon zu überzeugen versucht, dass nur sein Produkt meine Brille sauber hält.

Ich bedanke mich für die Information, lehne noch einmal dankend ab und will weitergehen. Doch dieser Mr. Brillenrein denkt gar nicht daran, mich in Ruhe zu lassen, versucht sogar, mich am Arm festzuhalten. Da werde ich doch langsam füünsch: Weiterlesen „Weihnachtsgeld“

Hemdsärmelig

oder: O tempora, o mores

 

1987

Meine Mutter brauchte für einen festlichen Anlass eine neue Bluse. Also hat sie sich eine im Katalog des Versandhauses ihres Vertrauens ausgesucht. Nur sechs Häuser weiter von uns gab es ein Reisebüro, das auch eine Agentur des Versandhauses beherbergte. Auf dem Weg zum täglichen Einkauf gab sie dort en passant den Bestellzettel ab: Bestellnummer, Artikelbezeichnung, Größe, Preis.

Vier Tage später rief Frau Müller-Meier-Schulze-Schmidt (Name von der Redaktion geändert), die Besitzerin der Agentur, bei uns an: Weiterlesen „Hemdsärmelig“

Der wichtigste Tag des Jahres

Moin!

Vielleicht ist es einigen aufgefallen: Ich bin mit dem Bloggen ein bisschen aus dem Takt geraten. Laut meinem Rhythmus „Alle drei Tage was Neues“ hätte am vergangenen Donnerstag eben genau das kommen müssen: etwas Neues.

Aber mir war wirklich nicht danach, weil ich im Moment ziemlich marode bin. Kinners, ich sage euch eins: Du merkst, dass du älter wirst, wenn sich dein Körper nicht mehr nur mit Erkältungssymptomen zufriedengibt, sobald du dich verkühlt hast – nein, jetzt haut er dir auch noch eine Verspannung rein, als hättest du Hexenschuss nur im Nacken.

Das wird mich aber nicht davon abhalten, gleich vor die Tür zu gehen – dazu ist der Tag heute zu wichtig.

In einer guten Viertelstunde öffnen die Wahllokale, und selbstverständlich werde ich wählen gehen. Natürlich hätte ich auch auf den letzten Metern noch rasch Briefwahl beantragen können. Aber ich habe es schon einmal an anderer Stelle geschrieben, und ich bleibe unbeirrt dabei: In Zeiten, in denen so viele Menschen von dem wichtigen Geschenk der demokratischen Wahl keinen Gebrauch machen oder es gar mit Füßen treten, indem sie ihre Stimmen den rechten Parteien geben, werde ich den Teufel tun und wegen ein bisschen steifem Nacken, jeder Menge Rotznase und einer aktuellen körperlichen Durchschnittstemperatur von 37,8° zuhause zu bleiben. Ich will für alle Welt sichtbar von meinem Wahlrecht Gebrauch machen, und wenn man mich dorthin tragen muss oder ich auf den Brustwarzen ins Wahllokal krabbele.

Ich werde wählen.

Und definitiv keine von den rechten Parteien!

Denn ich möchte, dass unser Land trotz aller Probleme und allem was quer läuft eine bunte und lebendige Demokratie bleibt, in der ich frei und vielfältig leben kann – etwas, das die rechten Parteien, von denen es leider viel zu viele gibt, nicht im Sinn haben.

Außerdem hat mein britischer Großvater in den Kriegswirren, besonders in den letzte Monaten ’44/’45, bestimmt nicht alles gegeben, um Deutschland von der braunen Scheiße zu befreien, nur damit ich ihm jetzt auf diese Leistung draufspucke.

Wir alle haben eine große Verantwortung heute, im Hinblick auf unsere Zukunft, aber auch aufgrund unserer Vergangenheit. Wer meint, diese Vergangenheit vergessen zu können, müssen oder gar dürften, hat nicht alle Latten am Zaun, so einfach ist das. Erinnern wir uns an den wichtigen Satz, den die Journalistin Anja Reschke schon vor über zweieinhalb Jahren gesagt hat: „Dieser Teil unserer Geschichte ist in seiner Abartigkeit so einzigartig, dass er gar nicht vergessen werden kann.“ 

Dieser Verantwortung müssen wir uns bewusst sein. Ewigkeiten haben wir unsere Eltern, Großeltern und manchmal sogar auch noch Urgroßeltern gefragt, wie das ’33 passieren konnte, und wir haben ihnen vorgeworfen, es nicht anders gemacht zu haben. Wir können es heute anders machen.

Darum gibt es keinen Grund, heute nicht wählen zu gehen und es gibt erst recht keinen einizgen Grund, den rechten Parteien  auch nur eine einzige Stimme zu geben!

Bitte geht wählen.

Und bitte wählt weise.

Es kommt mehr denn je darauf an.


Mehr zum Thema:

An die Urne gehen – Über die Wichtigkeit von Wahlen

No de Urne hin – Der gleiche Artikel nochmal auf Plattdeutsch

In the Year 2087 – Vielleicht müssen wir eines Tages Rede und Antwort stehen, warum wir das Grauen nicht verhindert haben.

Nur ein Satz – Warum ich  meine Urgroßeltern nie kennengelernt habe und genau das ein Grund ist, Flüchtlinge willkommen zu heißen.

Nicht mit uns – Die Blogparade Schreiben gegen Rechts


Hinweis: Die Titelgraphik dieses Beitrags stammt aus dem Pool frei verwendbarer Bilder von Pixabay und befindet sich unter dem Vermerk CC0 der Creative Commons in der Public Domain.

Brüjanadams

In kaum etwas machen sich Generationenunterschiede so sehr bemerkbar wie in der Sprache. Wo Oma Klara Krawuttke davon spricht, an einem Sommertag nur eine Schüssel Salat auf den Tisch bringen zu wollen, weil es für Sauerbraten viel zu warm ist, spricht Enkelin Kira-Madeleine Krawuttke davon, dass es heute bei ihr nur ein Bowl-Gericht oder gar ein Bowl Dish gibt. Beide meinen im Grunde genommen dasselbe: Etwas, das in einer Schüssel serviert wird.

Ich will mich jetzt nicht wieder über vermeintliche und echte Anglizismen auslassen, das hatten wir schon mal. Aber mitunter treibt das babylonische Sprachgewirr der Generationen Blüten, die einfach niedlich sind. Weiterlesen „Brüjanadams“