Gewürzgurken, Mörder und Mysterien

Gefunden haben wir ihn nie. Aber wir waren unverdrossen und haben es jeden Sommer aufs Neue versucht. Wir haben mit Hilfe von kleinen Hämmern aus dem Heimwerkerkasten für Jugendliche und einem Spielzeugstethoskop nach Hohlräumen gesucht. Während unsere Väter bei der Gartenarbeit nach ihren Spaten und Spitzhacken gesucht haben, waren wir mit diesen Gerätschaften auf Expedition, weil wir nach einem neuen Hinweis an einer anderen Stelle als beim letzten Mal graben wollten. Dabei wussten wir nicht mal, ob es ihn wirklich gegeben hat. Weiterlesen „Gewürzgurken, Mörder und Mysterien“

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Bella Italia!

Sonntag: Der Tag der Ruhe und der Entspannung. Zumindest in jeder normalen Familie. Aber was ist schon normal?

Keine Antworten auf rhetorische Fragen, bitte.

Ich behaupte ja gerne, das homosexuelle Paare im Allgemeinen und mein Mann und ich im Besonderen sich in nichts von der so genannten „normalen“ (oder wie ich gerne sage: handelsüblichen) Familie unterscheiden. Bisweilen gibt es dann aber doch Situationen, die mich arg daran zweifeln lassen.

Am gestrigen Sonntag war es mal wieder soweit. Weiterlesen „Bella Italia!“

Ring Ring – telefonier‘, es ist frei!

Ja, auch ABBA haben sich im deutschen Idiom versucht. Nicht lange, und ich glaube, auch nicht sehr erfolgreich. Jedenfalls haben sie auch ihren ersten Versuch, beim Eurovision Song Contest anzutreten, in unserer Sprache aufgenommen. Neben der o. g. Aufforderung wurde auch eine Telefonnummer genannt, derer man sich dafür bedienen sollte.

Es ist hinlänglich bekannt, was für kuriose Blüten die Medienwelt treiben kann: Weiterlesen „Ring Ring – telefonier‘, es ist frei!“

Zwickmühle

O-haue-ha…

Nur noch 13 Tage bis Heiligabend.

Langsam wird es wirklich Zeit.

Sonst brauche ich mich auf dem Friedhof bei Oma selig gar nicht erst blicken zu lassen.

Dann fegt nämlich ein Sturm schlimmer als das, was die Sahara hinbekommt, durch ihre Urne.

Zu Recht.

Ich bin ja auch sonst so gewissenhaft damit und habe es – genau wie früher Oma – kurz vor Weihnachten noch ein letztes Mal fürs Jahr getan. Weiterlesen „Zwickmühle“

Weihnachtsgeld

„Guten Morgen, der Herr! Ich sehe, Sie sind Brillenträger! Darf ich Sie vielleicht mit unserem neuen Brillenreiniger Glotzenglanz bekannt machen?“

Eigentlich sollte ich stumm vorbeigehen, aber die preußische Erziehung verbietet das. Also grüße ich, lehne höflich dankend ab und stelle mich auf das Unvermeidliche ein: Prompt prasselt ein Schwall wohlgedrechselter und perfekt auswendig gelernter Phrasen auf mich ein, mit denen der Propagandist (ich weiß, dieser Job trägt heute einen klangvolleren, wichtigeren und natürlich englischen Namen, vermutlich sowas wie „Crap-That-Nobody-Needs Sales Manager“, aber ich habe nun mal ein Faible für diese altmodischen Vokabeln) mich davon zu überzeugen versucht, dass nur sein Produkt meine Brille sauber hält.

Ich bedanke mich für die Information, lehne noch einmal dankend ab und will weitergehen. Doch dieser Mr. Brillenrein denkt gar nicht daran, mich in Ruhe zu lassen, versucht sogar, mich am Arm festzuhalten. Da werde ich doch langsam füünsch: Weiterlesen „Weihnachtsgeld“

Hemdsärmelig

oder: O tempora, o mores

 

1987

Meine Mutter brauchte für einen festlichen Anlass eine neue Bluse. Also hat sie sich eine im Katalog des Versandhauses ihres Vertrauens ausgesucht. Nur sechs Häuser weiter von uns gab es ein Reisebüro, das auch eine Agentur des Versandhauses beherbergte. Auf dem Weg zum täglichen Einkauf gab sie dort en passant den Bestellzettel ab: Bestellnummer, Artikelbezeichnung, Größe, Preis.

Vier Tage später rief Frau Müller-Meier-Schulze-Schmidt (Name von der Redaktion geändert), die Besitzerin der Agentur, bei uns an: Weiterlesen „Hemdsärmelig“