Mit Familienanschluss…

… oder Wie meine Familie die DDR-Behörden austrickste.

Wie viele Familien hatte auch die meine Verwandte in der DDR, als diese noch existierte. Als die Mauer fiel, war ich gerade sechzehn, und es war ziemlich aufregend, wie einfach sich plötzlich die Familienbande pflegen ließen. Zuvor hatte man sich nur selten gesehen. Im Westen scheute man die Reise; zuviel hatte man über Autos gehört, die bei der Kontrolle von den Grenzern zwar auseinander-, aber nicht wieder zusammengebaut worden waren, und die pekuniäre Angelegenheit mit dem Zwangsumtausch war auch irgendwie blöde.

Die Verwandten von “drüben” wären gerne öfter zu Besuch gekommen, aber dafür musste es einen besonderen Anlass geben, wie etwa den runden Geburtstag eines sehr nahen Westverwandten, damit dem Wunsch auf Familienzusammenführung von staatlicher Seite stattgegeben worden wäre.

Aber es wurden viele Briefe geschickt und natürlich Pakete: Klamotten, Westlebensmittel, Spielzeug, Schallplatten und so weiter. Bücher von Westautoren waren auch beliebt. Natürlich musste der Lesestoff besonders sorgfältig ausgewählt werden, wurden Pakete doch regelmäßig darauf gefilzt, ob deren Inhalt auch keine Gefahr für den real existierenden Sozialismus darstellte. Es gab zum Glück einige Bücher, die eigentlich immer durchgingen. Weiterlesen

Sommermucke

Sommerhits zeichnen sich nur selten dadurch aus, besondere Perlen im Schmuckkasten der Poesie zu sein. Macarena  – The Ketchup Song – Mambo No. 5 – Coco Jambo… Die Beispiele sind hinlänglich bekannt. Aber immerhin sind sie eigens für den ihnen zugedachten Zweck komponiert worden: Wer möglichst anspruchslos abtanzen will, braucht keine tiefschürfenden Texte. Da reicht es vollkommen, wenn sich „nackte Friseusen“ auf „feuchte Haare“ reimt.

Es gibt auch Beispiele, bei denen bestehende Melodien mit einem neuen Text versehen werden. Weiterlesen

Sei vorsichtig, was du dir wünschst…

… es könnte in Erfüllung gehen.

Kalendersprüche sind – ähnlich wie Gerüchte – wohl deswegen so verpönt, weil in ihnen immer ein Kern Wahrheit steckt. Gerade erst durfte ich wieder mal genau diese Erfahrung machen. Weiterlesen

Jubiläum mit Hindernissen (hochdeutsch)

Zwanzig Jahre… Das ist dieser Tage so oder so eine Seltenheit geworden, dass zwei Menschenkinder so lange zusammen bleiben, aber bei zwei Mannsleuten ist das beinahe schon ein Fall für das Museum.

Tja, mein Mann und ich sind zwar nicht ins Museum gegangen, als wir neulich unser zwanzigstes Jubiläum gefeiert haben, aber wir sind an jenem sonnigen Sonntagmittag fein essen gegangen. Weiterlesen

Jubiläum mit Hinnernissens (op Platt)

Twintig Johrn… Dat is düsser Dogen so ode so ’n Seltenheit worrn, datt twee Minschenkinners so lang tosomen blieven, ober bi twee Mannslüüd is dat binoh schon ’n Fall föör’t Museum.

Tscha, mien Mann un ik sünd twors nich in’t Museum gangen, as wi annerendogs uns twintigstes Jubiläum fiert hebben, ober wi sünd an düssen sünnigen Sünndogmiddag fein eten gangen. Weiterlesen

Strandgut

Moin!

Im Moment hält mich das Manuskript zu meinem nächten Roman so sehr auf Trab, dass ich kaum dazu komme, hier längere Blogbeiträge einzustellen. Für ein paar kleine Beobachtungen, die ich wie bei einem Strandspaziergang aufgesammelt habe, reicht es aber immer noch: Weiterlesen

Dinge gibt’s, die gibt’s gar nicht

… und wenn es sie doch gibt, dann hast du sie garantiert im Ruhrpott erlebt.

Irgendwie steckt ja in fast allem Traurigen auch ein kleines bisschen Humoriges. Sogar in Friedhöfen. Zeitgenossen, die neben einem Friedhof wohnen, können über den Spruch „Na, da habt ihr ja ruhige Nachbarn, hahahahaha“ wahrscheinlich längst nicht  mehr lachen, weil er so uralt ist, aber irgendwann war er ja doch  mal originell. Genauso wie ein Evergreen aus der Sprüchekiste meines Vaters. Weiterlesen

Ruhrpottrififi

“Pass auf, dass dich keiner klaut.”

“Und selbst wenn – jeder Entführer zahlt doch höchstens dir noch Geld, damit er mich wieder bei dir abgeben darf.”

Eine der typischen Verabschiedungen zwischen meinem Mann und mir. Ernsthaft zu befürchten ist da eigentlich nichts, denn wir leben in einer Gegend, wo sich solche Aktionen einfach nicht lohnen. Ich bin sicher, schon die alten Raubritter haben schon einen Riesenbogen um das gemacht, was heute unser Quartier ist. Oder zumindest um unser Haus. Denn wenn es wirklich mal aufregend werden soll, können wir ganz gut selbst dafür sorgen. Weiterlesen

Falsche Verdächtigung

Es heißt immer, das ständige Starren auf Smartphones, Tablets und dergleichen lässt unsere Fähigkeiten zur realen Kommunikation verkümmern. So’n Tünkram. Einer der Hauptübeltäter hat schon viel eher Einzug in unsere Leben gehalten. Weiterlesen

Beuteljahre eines Hausmannes

Wenn ein Produkt mit dem Verkaufsargument der „neuen Rezeptur“ oder der „verbesserten Formel“ feilgeboten wird, bedeutet das oft nichts Gutes. Ganze TV- und Zeitschriftenredaktionen beschäftigen sich mit nichts anderem als der Nachforschung, wo wir von vorn bis hinten so richtig bes…tupst werden. Versteckte Preiserhöhungen, schlechtere Zutaten, Zuckerreduktion im Austausch zur Fettanteilerhöhung. Man kennt das.

Manchmal steckt hinter einer angekündigten Verbesserung aber tatsächlich eine solche. Ich kann mir nur nicht recht vorstellen, ob die wirklich jedesmal so neu ist, wie man uns weismachen will. Weiterlesen

Tusch des Schreckens

Wieder mal bin ich spät dran mit der Bloggerei. Wieder gibt es gute Gründe:

Erstens: Mein allsonnabendliches Samurai-Sudoku im Hamburger Abendblatt war heute so verflixt knifflig, dass ich nicht eher dazu gekommen bin.

Zweitens: Bis vor ein paar Minuten war ich drauf und dran, euch darüber zu informieren, dass es hier von mir nichts mehr zu lesen gibt und mich dann zu verabschieden.

Warum? Kann ich euch sagen! Weiterlesen

Wahre Liebe für die liebe Ware

Oder auch für die liebste Leidenschaft, aber damit funktioniert das Wortspiel nicht so gut.

Moin erstmal. Ich weiß, ich bin spät dran. Ist immerhin schon nach 22 Uhr. Dafür gibt es mildernde Umstände. Heute habe ich nämlich die Al-Fresco-Saison 2018 eröffnet. Sieben Sonnenstunden und geschmeidige neun Grad auf dem Balkon luden zum ersten Outdoor-Kaffee ein, und das schon am 14. Januar! Nun weiß selbst ich, der irgendwo einen Polarfuchs im Stammbaum sitzen haben muss, sonst wäre ich nicht so wenig kälteempfindlich, dass man bei solchen Temperaturen nicht nur rumsitzen kann. Also habe ich die Blumentöpfe abgeputzt, Spinnweben entfernt und zig andere kleinerere Aufräumarbeiten erledigt, bevor mir dann wirklich den besagten und sogar wohlverdienten Kaffee gegönnt habe. Mein Mann zog es übrigens vor, sich in der wohlgewärmten Küche aufzuhalten. Diese Rheinländer… nix Gutes gewohnt!

Wie dem auch sei – Sonntagskaffee rutscht ohne süße Begleitung immer so schlecht runter, also war ich kurz beim Bäcker ums Eck, etwas Backwerk besorgen. Als ich wieder zurückkam, schob sich gerade eine beachtliche Anzahl von Autos mit auswärtigen Kennzeichen in unser Viertel. Ach, ja – ich hatte es völlig vergessen: Weiterlesen

Jingle… Toooooooor! (Hochdeutsch)

Jetzt ist es passiert! Ich habe immer gewusst, dass da nichts Gutes bei herumkommt! Diese ganzen echten und ausgedachten Feiertage bringen unserer Kinder früher oder später völlig durcheinander!

Gestern an der Grundschule bei uns gegenüber. Große Pause. Die Kleinen jagen sich, spielen Seilspringen oder so etwas wie „Schere – Stein – Papier“.

Vor allem sind sie laut.

Sehr laut sogar. Weiterlesen

Jingle… Toooooooor! (op Platt)

Nu is dat passeert! Ik heff dat jümmers wusst, datt dor nix Gotet bi rümkummt! Düsse ganzen echten un utdachten Fierdogs bringt uns Kinners freuher oder loter ganz dööreenanner!

Gistern, an de Grundschool bi uns gegenööver. Groote Pause. De Buttschers joogt eenanner, speelt Reepjümpen ode sowat as „Scheer – Steen – Papeer“.

Vöör all’n ober sünd se luut.

Bannig luut sogoar. Weiterlesen

Es werde Buch!

In weniger als 48 Stunden ist es soweit: Das dritte Abenteuer mit meinen beiden norddeutschen Jungs Holger und Christoph, Ich will dich doch bloß heiraten!, hat seine Metamorphose von einer Sammlung unsortierter Gedankensplitter über ein lange bebrütetes Manuskript zum fertigen eBook und „richtigen“ Buch komplett hinter sich und geht in die Welt hinaus.

An anderer Stelle hatte ich schon mal berichtet, dass es beim Schreiben zu dieser Story gewisse Anlaufschwierigkeiten gab und wie ich diese sehr befriedigend abstellen konnte. Trotzdem war da noch eine kleine Baustelle übrig: Weiterlesen