Nicht vergessen…

… heute ist internationaler Indiebookday – eure Chance, spannende neue Bücherwelten kennenzulernen!

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Indiebookday

Morgen ist Sonnabend, und für die meisten wird es ein ganz normaler Sonnabend sein mit allem, was sie sonst so am Sonnabend anstellen. Wahrscheinlich gehört auch ein ausgedehnter Einkaufsbummel dazu, sei es virtuell am datenverarbeitenden Endgerät des Vertrauens, sei es „live“ in der Fußgänerzone der Wahl.

Ein Vorschlag an die Leser des Wortgepüttscher – und gleichzeitig eine Bitte: Gebt diesem Einkauf an diesem Sonnabend (Samstag), den 22. März 2014 doch eine besondere Note, in dem ihr der Veranstaltung des Indiebookday etwas Beachtung schenkt. Mit diesem Tag soll die Aufmerksamkeit für den Literaturbetrieb im Bereich Independent gestärkt werden, also für jene unabhängigen Autoren und Verlage, hinter denen nicht die geballte Marktmacht von Großkonzernen steht, in denen Controller und sonstige Finanzjongleure den Ton angeben.

OLYMPUS DIGITAL CAMERANatürlich wollen auch wir Indie-Autoren und unsere Verlage unsere Werke verkaufen, dennoch steht bei uns die Leidenschaft für das geschriebene Wort im absoluten Vordergrund, nicht die BWL. Wir brennen für das, was wir tun, und es beflügelt uns, wenn sich andere von diesem besonderen Feuer mitreißen lassen. Leider werden wir oft von einem rein pekuniär agierenden System überrannt, und welche unschönen Folgen das auch für euch als Lesefreunde oder auch die Freunde anderer Kunst haben kann, hat der Stilpirat in wunderbare Worte gefasst.

Darum die Bitte: Nehmt am Indiebookday teil – in vielen Buchhandlungen gibt es längst eigene Ecken; die Online-Händler haben „Indie“ (oder auch „Independent“) in ihre Suchfilter eingebaut. Lasst euch beraten, stöbert nach Lust und Laune. Überschüttet das Indiebook-Segment mit eurer Aufmerksamkeit und seid neugierig auf das, was die Literatur abseits der Modeströmungen zu bieten hat. Und dann lasst es alle wissen, z. B. so, wie es die Buchstabenfängerin vorschlägt. In den Social Networks findet ihr unter dem Hashtag #indiebookday ganz viel zum Thema.

Indie-Literatur bietet für jeden etwas – ob nun bspw. humoristische Belletristik, wie ich sie mit meinen eigenen Büchern schreibe, Krimis, Fantasy oder etwa auch ein Drama aus den schottischen Highlands, wie es Stefan Radoi mit „Susannah“ erzählt. Es gibt keine Limits.

Gebt Indie eine Chance, lasst euch in andere Lesewelten entführen. Es lohnt sich.

Opulentes Mahl

SouvenirGestern beim Kramen in der Kiste mit Urlaubssouvenirs gefunden – eine Banknote im Wert von 50 thailändischen Baht. Könnte man ja mal in ein schickes Frühstück umsetzen. Mit einem Umrechnungswert von 1.11 € hätt’s glatt für zwei Kürbiskernbrötchen gereicht.

Zeitenwende

Soziale Kälte. Manchmal erlebt man sie am eigenen Leib oder wird sogar gezwungen, unfreiwillig zu ihrem Handlanger zu werden.

Es wurde wieder mal Zeit, eine Kiste mit Büchern und ähnlichem nach altbewährtem Muster vor die Tür zu stellen. Nach einer Viertelstunde war die Kiste halb leer. Nach einer halben Stunde klingelte ein Mitarbeiter unserer Wohnungsbaugesellschaft und verlangte sowohl die Entfernung der Kiste und verbot künftige Spenden nach diesem Muster.

Aus die Maus nach sechzehn Jahren, weil unsere angeblich gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft nicht mehr wünscht, dass ihre Mieter sich sozial verhalten und das, was sie zuviel haben, mit denen teilen, die nicht so viel haben. Wieder ist die Stadt ein Stück kälter geworden.

„Ich kann gar nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte.“ (Max Liebermann)

Geschmack? Wo?

Feinkost_2bGestern nach Feierabend war ich mit meinem Mann einkaufen. Wir hatten eine Kleinigkeit zu feiern und waren deswegen in einem der alteingesessenen Feinkostläden der Stadt.

Wir haben uns richtig Zeit gelassen und die hausgemachten Delikatessen mit Sorgfalt ausgesucht, denn es ist dort wirklich nicht billig, und die große Auswahl kann einen schon in Entscheidungsnot bringen. Aber am Ende hatten wir fünf tolle, sündhaft teure Sachen, auf die wir uns richtig freuten und natürlich auch zuhause nett anrichteten.

Dann kam die feierliche Verkostung.

Ich wehre mich immer, wenn jemand bei einer Speise sagt „Das schmeckt nach nix.“ Alles hat einen Geschmack, selbst Wasser reizt einige Rezeptoren auf der Zunge. Doch diesmal schwieg ich, als mein Mann ganz enttäuscht zu mir sagte: „Das schmeckt ja alles nach gar nix!“

Denn er hatte recht. Ich hatte gerade selber eine herrliche, tiefrote Scheibe eingelegter Paprika auf meine Zunge gelegt und stellte fest, dass ich da zwar Paprika spürte, aber eben nichts… rein gar nichts schmeckte. Kein Paprikageschmack an sich, keine Spuren der Marinade. Ganz ehrlich: 08/15-Kantinenfutter schmeckt besser als diese angebliche Feinkost.

Dasselbe bei den Salaten, die angeblich so intensive Ingredienzien wie Chili und Knoblauch beinhalten sollten; Betonung auf sollten. Da war zwar eine ölig-schleimige Textur, aber oben genannte Rezeptoren fühlten sich nach Strich und Faden verarscht.

Betrübt gelangten wir zu der Ansicht, dass manche Läden irgendwann nur noch von ihrem alten Namen leben, aber nicht mehr von dem, was man heute als „Kernkompetenz“ bezeichnet.

Memo an die Küche: Feinkost heißt u. a. deswegen so, weil man die feinen Zutaten fein herausschmeckt – nicht, weil ihre Dosierung unterhalb der Nachweisbarkeitsgrenze liegt.

„Meine berühmten Freundinnen“

Alkohol und Frauen aus den Pyrenäen haben mich vor kurzem noch davon abgehalten, doch an diesem Wochenende bin ich – neben reichlich Outdoor-Zeit –  endlich dazu gekommen, Meine berühmten Freundinnen des Schauspielers Hubert von Meyerinck aus dem Jahr 1967 zu lesen.

Das Wort „reizend“ als ehrliches Kompliment zu gebrauchen, ist weitgehend aus der Mode geraten. Doch auf die Autobiographie von Hubert von Meyerinck trifft es zu, darum sollte es auch benutzt werden.

„Autobiographie“ ist in diesem Zusammenhang nicht ganz das richtige Wort. „Memoiren“ trifft es eher, denn Hubert von Meyerinck erzählt nicht wirklich viel von sich selbst, wenn man von einigen harmlosen Episoden absieht. Es wäre Ende der 60er Jahre wohl auch etwas gefährlich gewesen, zuviel von sich preiszugeben – der § 175 war schließlich immer noch ein fester Bestandteil des Strafgesetzbuches. Trotzdem klammert er das Thema Homosexualität nicht völlig aus. Wenn er von seiner Zeit im Berlin der 1920er Jahre erählt, lässt er die verruchten alten Lokale, Bars und Spelunken wie die Schnurrbartdiele, das Ciro und das Scherbini wiederauferstehen. Er berichtet von miteinander Walzer tanzenden Männern, von singenden Damen, die eigentlich auch Herren sind, von der Selbstverständlichkeit, mit der einer in einem gediegenen Restaurant plötzlich splitterfasernackt dasitzenden Anita Berber begegnet wurde, und davon, dass das, was später als lasterhaft betrachtet wurde, zur Zeit, als es passierte, gar nicht lasterhaft war. Denn jeder, der es sich finanziell leisten oder sich geschickt aushalten lassen konnte, hat in diesen Lokalen verkehrt, auch der Adel und die Politik. Zwar liegt in der Art, wie Hubert von Meyerinck davon erzählt, eine Beseeltheit, es erlebt zu haben, und ein Bedauern, dass es vorbei ist – dennoch ist da eine gewisse Distanz, als wolle er nicht zu stark zugeben, selber Teil des ganzen Geschehens gewesen zu sein.

Umso ausgiebiger spricht Hubert von Meyerinck über seine rein platonischen Freundschaften zu den großen Kolleginnen seiner Zeit, u. a. Friedel Schuster, Elsa Wagner, Käthe Dorsch, Grethe Weiser und Adele Sandrock. Sie alle haben „Hupsi“, wie er von Freunden genannt wurde, ein Stück auf dem Lebensweg begleitet, und er zollt ihnen als eben diese loyalen Wegkameradinnen seine ganze Anerkennung. Seine Erzählung schwankt dabei zwischen lockerer Plauderei und der typischen Sentimentalität eines am Ende des Lebensweges stehenden Künstlers aus flammender Leidenschaft, wobei er sich für beides eines aus heutiger Sicht eigentümlich antiquierten, bisweilen theatralischen Tonfalls bedient. Doch dabei büßt er nie an Sympathiepunkten ein, denn man merkt jeder Zeile an, wie grundehrlich er es meint und wie sehr jedes Wort aus einem Herzen kommt, das ein sehr großes gewesen zu sein scheint. Kurzum: Es macht Freude, dieses Buch zu lesen.

Hubert von Meyerinck (* 1896, † 1971) war einer der meistbeschäftigten und beliebtesten deutschen Schauspieler seiner Zeit auf Bühne und Leinwand. Im Film war er oft auf die Rolle des komischen Kauzes abonniert (z. B. als inkognito auftretender Reisebürobetreiber in Ferien auf Immenhof oder als verarmter und daher öffentliche Toiletten reinigender Adeliger in Billy Wilders Eins, zwei, drei), doch auf der Bühne konnte er auch mit ernsthafteren Rollen wie etwa in Ferenc Molnárs Liliom oder Molières Tartuffe große Erfolge feiern.

Auch als Schriftsteller war er nicht untalentiert. Meine berühmten Freundinnen mag keine großen Einblicke in Hubert von Meyerincks eigenes Leben bringen und das, was auf den ersten Blick als leicht indiskrete Pikanterien daherkommt, war schon damals aus anderen Biographien und Illustrierten bekannt, doch mit Esprit, Witz und Zuneigung bringt er die Persönlichkeiten hinter großen Namen vergangener Tage noch einmal genauso zum Leben wie den damaligen Zeitgeist. Durch all das ist dieses reizende Büchlein die ideale Unterhaltung für die gepflegte Teestunde am Sonntagnachmittag.

Sonntag im Park

ParkSo ein herrlicher Sonntag! Erst Anfang März und so warm, dass man morgens um sechs schon in den kurzen Plünnen auf die Joggingpiste kann! Den Rest des Tages habe ich dann auch draußen verbracht, im Westpark ein paar hundert Meter weiter längs, einem echten Nachbarschaftstreffpunkt für jung und alt. Zwischen den Bäumen gespannte Slackline-Bänder, Badminton ohne Netz, Boulebahnen, und es gibt sogar eine Ecke, auf der Tanzfreunde jeglicher Couleur sich zum Tango Argentino treffen.

Und dann ist da noch der Biergarten Café Erdmann, eine echte Institution im Quartier. Hier ist man nie lange alleine. Auch heute nicht – schon nach ein paar Minuten saßen zwei Freunde bei meinem Mann und mir am Tisch. Bei Kaffee und Kaltgetränken plauderten wir über alles Mögliche; irgendwann erwähnten sie, dass Weiterlesen „Sonntag im Park“