Hollywooddrama

OLYMPUS DIGITAL CAMERAEs ist Freitag, der letzte Abend meines Strohwitwerdaseins naht. Für dessen Gestaltung kam mir spontan die Idee, nach Ewigkeiten mal wieder einen kleinen Filmabend zu veranstalten. Doch meiner einer wäre nicht meiner einer, wenn es da nicht wieder einen Haken bei der Sache gäbe. Ein echtes Drama, sozusagen.

Ich möchte nämlich einen ganz bestimmten Film schauen, einen Western, um genau zu sein. Aber ich weiß nicht, wie er heißt!!! Es ist etwa schon zwanzig Jahre her, seit ich diese Zelluloid-Perle der gepflegten Unterhaltung zuletzt gesehen habe, darum kann mich auch nicht mehr ganz auf den Plot besinnen und auf die Darsteller schon gar nicht, aber ich würde den Streifen wirklich gerne mal wieder sehen. Denn eins weiß ich noch genau: Ich fand den Film damals richtig toll!

Hauptsächlich geht um ein Pokerspiel, bei dem einer der Spieler stirbt. Keine Ahnung, ob er „nur“ an einem Herzanfall eingeht oder ob ihm eine Portion blaue Bohnen nicht bekommt. Jedenfalls ist besagter Spieler irgendwann perdu. Seine Frau erbt darum das Blatt, das er zuletzt auf der Hand hatte, was den übrigen Herren der Tafelrunde gar nicht in den Kram passt. Denn es geht um eine Menge Geld (Òder eine Farm? Oder lukrative Goldschürfrechte?). Die Gute hat natürlich vom Pokern nicht die geringste Ahnung, doch selbstverständlich gewinnt sie, weil ihr Mann ihr das ultimative Gewinnerblatt hinterlassen hat.

Tja, aber wie komme ich nun an diesen Film? Eventuell können mir ja die Leser hier im Wortgepüttscher mit Titel und Darstellern auf die Sprünge helfen – vielleicht schaffe ich es dann ja noch, den Film vor Ladenschluss beim DVD-Höker meines Vertrauens käuflich zu erwerben. Ansonsten gibt’s halt doch Marlene Dietrich in Witness For the Prosecution.

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Herzrhythmusstörungen

Musik_abspielenEs ist etwa so, als würde man versuchen, die berühmte Liebe auf den ersten Blick zu erklären: Es geht nicht, weil es einfach Dinge im Leben gibt, die sich jeder Erklärung entziehen. Darum habe ich auch heute noch arge Nöte, die Frage „Was soll das?“ zu beantworten, die mir vor geraumer Zeit schon von meinem Mann gestellt wurde, als ich eines Tages in unsere Küche stürmte und die Lautstärke der Stereoanlage so energisch auf null drehte, dass ich den Knopf dabei fast abbrach. Ich wusste ja selber nicht, wieso, weshalb und warum ich plötzlich so auf hundertachtzig war, denn drei Minuten später war der Spuk auch schon wieder vorbei. Vielleicht war es nur der übliche Blues zum Wochenbeginn, denn es war eigentlich ein ganz normaler Montag wie jeder andere.

Doch am nächsten Tag wiederholte sich das Ganze, und dann auch noch gleich zweimal. Bis ich allmählich dahinterkam: Es passierte immer bei dem Lied Heart Skips a Beat von Olly Murs. Irgendetwas in oder an diesem Lied macht mich rasend, doch ich kann beim besten Willen nicht ermitteln, was und weshalb. Wenn man ihn auf Fotos sieht, scheint Herr Murs ein liebes kleines Ding zu sein, und seine anderen Lieder sind zwar keine große Sangeskunst, aber sie stören auch nicht weiter, das ein oder andere finde ich sogar ganz nett. Doch jedes Mal, wenn dieses Lied über die Kardio-Arrhythmie läuft, stehe ich binnen Zehntelsekunden unter Strom und möchte am liebsten die komplette Stereoanlage aus dem Fenster werfen.

Falls jemand unter den Lesern des Wortgepüttscher dieses seltsame Phänomen (ggf. mit einem anderen Lied) auch kennt und eine Erklärung dafür liefern kann – nur her damit!

Murphy kann mich mal!

Auch so genannte Markenware hat irgendwann mal das Ende ihrer Haltbarkeit erreicht. Aber warum, verflixt nochmal, muss sowas immer im unpassendsten Moment passieren? „Das Nutellabrot fällt immer auf die Marmeladenseite“ oder wie auch immer der Spruch von diesem Herrn Murphy lauten mag. Jedenfalls hat nach langen treuen Diensten dieser Brausekopf am Schlauch (den fachlich korrekten Namen könnte mein Mann als versierter Handwerker hier beiläufig einstreuen, aber der ist gerade für ein paar Tage verreist) in der Küche seinen Geist aufgegeben. Statt ganz normal ins Spülbecken zu laufen, spritzte das Wasser wild in der Gegend rum und ersparte mir fast die Dusche an dem dafür üblicherweise vorgesehenen Ort.

Das war gestern. Und was war gestern? Weiterlesen „Murphy kann mich mal!“

Lass das mal die Oma machen…

Manchmal wird die ältere Generation zu Unrecht als rückständig gescholten. Als meine Eltern endlich von s/w-Fernsehern auf Farbe umstiegen, hatten meine Großeltern schon mindestens zehn Jahre einen. Auch einen Videorecorder, Satelliten-TV und eine Stereoanlage mit CD-Player besaßen sie lange vorher.

© 2014 by Gerrit Jan Appel
© 2014 by Gerrit Jan Appel

Selbst in der Küche war meine Oma Trendsetterin. Nun sind Großmütter ohnehin die unangefochtenen Meister, wenn es um gutes Essen geht. Es gehört zu den unergründlichen Mysterien, wie das zustande kommt, aber Omas Gerichte sind immer besser als die von jedem anderen in der Familie. In diesem speziellen Fall hatte meine Oma die Nase ganz besonders weit vorn. Irgendwann in den 70ern kam sie von einem Besuch bei Verwandten in Wormerveer bei Amsterdam mit einem ziemlich eigentümlich aussehenden Gerät zurück, das niemand sonst in der Nachbarschaft hatte. Doch was sie damit zubereitete, gelang so gut, dass es Schule machte und ihr die halbe Nachbarschaft für den nächsten Besuch in Wormerveer Geld und Kaufaufträge zusteckte.

Ein paar Jahre später kam das Gerät auch nach Deutschland, geriet jedoch recht schnell außer Mode, weil Fertigprodukte auf den Markt kamen, welche das Gerät schlicht wieder überflüssig machten.

Auch Oma stellte das Gerät irgendwann in den „Stall“, wie die Abstellkammer im hinteren Bereich des Hauses genannt wurde, wo es dann fast zwanzig Jahre vor sich hin staubte. Eines Tages fand ich es dann bei einer Ist das noch gut oder kann das weg-Aktion und konnte es dank Omas Großzügigkeit dem eigenen Haushalt hinzufügen.

© 2014 by Gerrit Jan Appel

Was man damit zubereitet, ist eine Kalorienbombe ohne Ende, aber manchmal muss man sich einfach mal etwas gönnen. Da wir keine Fritteuse haben, schmeißen wir diese leckere Sünde zum Ausfrittieren in unseren Wok und konnten dadurch, dass wir dem Frittiergut die Möglichkeit zum „Freischwimmen“ geben, das Geschmackserlebnis noch einmal verfeinern. Darum kommt dieses ominöse Gerät nach wie vor bei uns immer wieder mal zum Einsatz. So wie heute. Es ist Freitag. Start ins Wochenende, und manchmal muss man sich… (siehe oben). Also holen wir ihn heute wieder mal raus – Omas Pommesschneider.

Stets behütet

Eine Hundertstelsekunde Unachtsamkeit und eine scharfe Windböe reichten, um meinem Mann den letzten Heiligabend ziemlich zu vermiesen. Denn trotz aller Zuneigung zu seinem Lieblingshut war er doch nicht so wahnsinnig, ihm nach dem Malheur zur Rettung ins Gleisbett des Bahnhofs hinterher zu hechten. Der Hut wurde dann auch alsbald von einem Zug überrollt. Dass es sich dabei nur um einen schnöden Regionalexpress gehandelt hat und nicht etwa eine Sonderfahrt eines alten TEE, war dabei unerheblich. Der Verlust, und das auch noch auf dem Weg zu den freudig erwarteten Weihnachtsfeierlichkeiten bei der Familie, schmerzte.

Nachdem das Thema jetzt aus gegebenem Anlass eine ganze Weile tabu war, ist es gestern wieder ausgegraben worden. Mein Mann trägt gerne Hut, und er hätte gerne Ersatz für den vom Winde verwehten. Darum stand der Mittwoch im Zeichen der Suche nach einem Hut. Gar nicht so einfach, denn das gute alte Fachgeschäft für Herrenhüte scheint ausgestorben zu sein – sämtliche Anlaufstellen zwischen Dortmund und Duisburg, bei denen mein Mann früher Stammkunde war, haben inzwischen dichtgemacht. Aber es gibt ja noch Brendler, und das schon seit 1879. Mein Mann liebäugelt eh schon seit Ewigkeiten mit einem echten Tropenhelm als Nice-To-Have für seine Hutsammlung, und wenn wir beim nächsten Hamburg-Trip schon mal am Großen Burstah sind, können wir dann auch gleich nach einem normalen Hut für den Alltagsbedarf Ausschau halten…

Fünf kleine Schweinchen

Es gibt Bücher, die kann man wieder und wieder lesen, weil sie einen, obwohl man die Story inzwischen beinahe auswendig kennt, jedesmal aufs Neue begeistern. Bei mir ist das u. a. Five Little Pigs (deutsch: Das unvollendete Bildnis) von Agatha Christie.

Worum geht’s? Carla Lemarchant bittet Hercule Poirot um Hilfe: Ihre Mutter Caroline wurde, als Carla noch ein Kleinkind war, wegen Mord an ihrem Mann Amyas schuldig gesprochen und starb bald darauf im Gefängnis. Ein Brief, den Carla zur Volljährigkeit erhält, lässt diese an der Schuld zweifeln. Poirot soll alles daran setzen, diese Zweifel zu beseitigen und definitiv beweisen, ob Caroline nun schuldig oder nicht schuldig war, damit Carla die Sache für sich abschließen kann. Doch wie klärt man einen fast zwanzig Jahre alten Mord auf, der bereits als aufgeklärt gilt? Die vermeintliche Täterin ist tot, alle Asservate vernichtet. Poirot bleibt nur, die fünf Zeugen von damals zu befragen.

Was macht den Reiz dieses Buchs aus? Der Mordfall an sich mag konventionell sein: Der untreue Ehemann, zwei rivalisierende Frauen, die Freunde und Familienmitglieder zwischen allen Stühlen. Man kennt das. Aber die Umsetzung hat es in sich: Agatha Christie lässt Poirot die Hinweise über nichts als Worte zukommen. Keine umgeknickten Grashalme, kein Zigarettenstummel am Boden, und Worte können bestenfalls ungenaue Erinnerungen, schlimmstenfalls faustdicke Lügen sein. Zunächst befragt Poirot die fünf Zeugen persönlich, anschließend lässt er sich schriftliche Aussagen anfertigen. Das heißt, als Leser bekommt man 2x fünf Mal, also insgesamt zehn Mal die Mordumstände beschrieben, doch es wird zu keiner Zeit langweilig. Agatha Christie ist es gelungen, fünf sehr differenzierte Figuren zu zeichnen, die über individuelle Ausdrucksweisen, Meinungen, eigene Geheimnisse und vor allem über ihre ganz eigene Interpretation der Ereignisse zunächst einmal mehr Widersprüche schaffen als sie beseitigen können. Das Dénouement dürfte für den, der Five Little Pigs erstmals liest, eine Riesenüberraschung sein und ihm dennoch ein „Klar, es kann gar nicht anders gewesen ein“ entlocken. Ein echtes Lehrstück zum Thema „Variationen (und Interpretationsmöglichkeiten) desselben Themas“.

Doch noch etwas anderes macht Five Little Pigs für mich so mitreißend: Für das Anwesen der Familie Crale stand Agatha Christies eigener Landsitz Greenway in Dittisham am Dart in der Grafschaft Devon Pate. Die Atmosphäre und besondere Geographie von Greenway mit dem Haupthaus, dem Fußpfad von dorthin zum Aussichtspunkt mit Blick auf den Dart (wo der Mord geschieht), dem Gewächshaus, der Flora & Fauna und einigen anderen Details hat sie so stimmungsvoll eingefangen und eingewoben, dass der Ort der Handlung so lebendig vor meinem innneren Auge entstanden ist, wie es kaum ein anderer Schriftsteller bei mir je geschafft hat. Und als ich viele Jahre nach dem ersten Lesen erstmals Fotos von Greenway gesehen habe, gab es da einen riesigen „Wow!“-Effekt, denn die Bilder deckten sich genau mit denen meines Kopfkinos. Seitdem steht Greenway (das von der Denkmalbehörde National Trust übrigens auf dem Einrichtungstand jener Zeit gehalten wird, als Agatha Christie dort gewohnt und Five Little Pigs geschrieben hat) auf meiner ganz persönlichen 1,000 Places to see before I die-Liste…

My funny Valentine

Valentinstag_3Geht es nur mir so, oder nimmt die Amerikanisierung der Feiertage wirklich inzwischen eher ab als zu? Letztes Jahr an Halloween hat es zum Beispiel nicht ein einziges Mal an unserer Tür geläutet. Entweder haben die Kinder wirklich keine Lust mehr auf „Süßes oder Saures“, oder ich habe es bereits im Jahr davor selber versaubeutelt. Da hatte ich nämlich gleich nach dem ersten Läuten die etwa 30 Sekunden lange mp3-Schleife über die Stereoanlage gestartet, die ich aus diversen „Hui Buh! Hui Buuuuuuuuuuh hä-ä-ä-ä-ä-ä-ä-ä-ä huhuhuhuuu!“-Heulern des unvergessenen Hans Clarin mit viel Geklapper der rostigen Rasselkette zusammengeschnitten hatte. Danach hatte ich die Tür geöffnet, doch es war niemand mehr dagewesen. Bis heute weiß ich nicht, ob meine Idee viel zu gruselig gewesen ist, oder ob ich mit besagten 30 Sekunden einfach nur die Aufmerksamkeitsspanne von Schulkindern überschätzt habe. Jedenfalls sind vorletztes Jahr die angeblich gesunden Nasch-Vitamine nicht in den Sammeltüten von verkleideten Halloween-Kindern gelandet, sondern im Magen von meinem Mann, und letztes Jahr habe ich erst gar keine gekauft.

Die Adventszeit und Weihnachten bleiben bisher noch unangetastet; die Konsummaschinerie brummt wie eh und je. Trotzdem habe ich 2013 das Fest der rieselnden Tannennadeln wirklich zum fünften Mal in Folge erleben können, ohne ein einziges Mal Last Christmas hören zu müssen. Geht ganz einfach: Ab dem 1. Advent verzichte ich stets auf meinen eigentlichen Radiosender R.SH (Radio Schleswig-Holstein) und höre bis Altjahrsabend einen Jazzkanal von Danmarks Radio. Denn auch wenn ich nicht gerade ein Fan deutschen Weihnachtsliedgutes bin (ich vertrete die unumstößliche Theorie, dass Eine Muh, eine Mäh, eine Täterätätääää bei einem Horrortrip nach der Einnahme bewusstseinserweiternder Substanzen entstanden sein muss), tut es auch nicht nötig, jedes Jahr immer wieder die schmalztriefende Stimme von George Michael ertragen zu müssen.

Nächster Jubeltag im Jahresreigen ist der Valentinstag, so wie heute. Ich weiß nicht recht…  Fast sechzehn Lenze bin ich nun mit meinem Mann zusammen, und wir haben diesen Tag noch nie gefeiert. Okay, ich habe ihm mal zum 14. Februar einen Besuch auf dem Fernsehturm geschenkt, was insofern außergewöhnlich war, weil ich die Aussichtsplattform wegen meiner Höhenangst mehr tot als lebendig erreichte. Aber das hatte nichts mit St. Valentin zu tun, sondern damit, dass wir an diesem Tag einfach nichts Besseres vorhatten. Wir haben unsere eigenen, viel wichtigeren Daten – der erste Spaziergang, der erste Kuss, der erste… nun ja, es dürfte klar sein, worauf ich hinaus will. Jedenfalls sind solche individuellen Tage doch viel schöner, als sich das Zelebrieren der Liebe von außen aufdiktieren und regelrecht normen zu lassen.  Blumen kann man seinem/seiner Liebsten auch an anderen Tagen als nur dem 14. Februar kaufen – der Florist eures Vertrauens wird es euch danken!

Blumen- und Süßwarenhändler haben sich an unserer Verweigerungshaltung jedoch nie gestört, weil sie genügend andere Zielobjekte fanden, welche nur zu gerne ihr Geld für Schokoherzen und Blumengebinde ausgegeben haben, weil ihnen die Werbung das so eingetrichtert hat. Dieses Jahr scheint sie aber nicht so viel Lust zum Eintrichtern gehabt haben. Im Radio habe ich keinen einzigen Werbespot mitbekommen, und auch die wenigen Reklameblöcke die ich en passant im Fernsehen aufgeschnappt habe, sind vollkommen valentinsfrei gewesen. Auch gerade im Supermarkt hat mich kein Jingle zum Last Minute-Ankauf von zarten Versuchungen oder zu gebenden Küsschen animieren wollen. Dabei war ich wirklich lange unterwegs, weil viel auf meinem Zettel stand. Aber da kam nichts. Nothing. Nada. Rien. Niente. Zilch.

Auf dem Weg zur Kasse musste ich allerdings einem Supermarktangestellten mit einem Riesenhubwagen voller Europaletten ausweichen. Unglücklicherweise wurde ich in den Gang mit den Süßigkeiten gedrückt, wo ich ganz automatisch zur Lieblingsschokolade meines Göttergatten griff. Zuhause überreichte ich ihm die Schachtel dann mit: „Alles Liebe zum Valentinstag.“

Verflixt, wie ist das nun wieder passiert?