Mit Familienanschluss…

… oder Wie meine Familie die DDR-Behörden austrickste.

Wie viele Familien hatte auch die meine Verwandte in der DDR, als diese noch existierte. Als die Mauer fiel, war ich gerade sechzehn, und es war ziemlich aufregend, wie einfach sich plötzlich die Familienbande pflegen ließen. Zuvor hatte man sich nur selten gesehen. Im Westen scheute man die Reise; zuviel hatte man über Autos gehört, die bei der Kontrolle von den Grenzern zwar auseinander-, aber nicht wieder zusammengebaut worden waren, und die pekuniäre Angelegenheit mit dem Zwangsumtausch war auch irgendwie blöde.

Die Verwandten von “drüben” wären gerne öfter zu Besuch gekommen, aber dafür musste es einen besonderen Anlass geben, wie etwa den runden Geburtstag eines sehr nahen Westverwandten, damit dem Wunsch auf Familienzusammenführung von staatlicher Seite stattgegeben worden wäre.

Aber es wurden viele Briefe geschickt und natürlich Pakete: Klamotten, Westlebensmittel, Spielzeug, Schallplatten und so weiter. Bücher von Westautoren waren auch beliebt. Natürlich musste der Lesestoff besonders sorgfältig ausgewählt werden, wurden Pakete doch regelmäßig darauf gefilzt, ob deren Inhalt auch keine Gefahr für den real existierenden Sozialismus darstellte. Es gab zum Glück einige Bücher, die eigentlich immer durchgingen. Weiterlesen

Zwischenbilanz

OLYMPUS DIGITAL CAMERAKinder, wie die Zeit vergeht. Merkt man oft dann, wenn man mal Ordnung in seinen Unterlagen schafft. Eine alte Gehaltsabrechnung noch in D-Mark – klar, ist ja auch von 2001! Ein altes HVV-Ticket von 2005 – was, so günstig war das Tagesticket für den Großbereich Hamburg mal? Die Rechnung für eine geliebte, aber als Japan-Import auch sehr teure CD – vierundsechzig Mark plus Porto und Zollgebühr für gerade mal zwölf Lieder. Oh… Da ist ja auch der erste Buchvertrag von 2009.

Fünf Jahre und drei weitere Bücher plus ein reines eBook sind also seit der Veröffentlichung meines Erstlings Strandkorb mit Rüschengardinen vergangen. Gelegenheit, mal einen Blick in die „olle Kamelle“ zu werfen. schauen, was ich damals verzapft habe.

Vor allem sehe ich Anfängerfehler über Anfängerfehler. Zuviel Vorgeschichte. Ein bisschen zu sehr Idylle. Zudem bin ich voller Sendungsbewusstsein in meiner Absicht, das schwule Leben als ganz normal darzustellen, manchmal viel zu weit übers Ziel hinausgeschossen und habe durch Überbetonung das Gegenteil bewirkt: Das Normale zur Außergewöhnlichkeit verkehrt.

Und dann der riesige Tippfehler, den sowohl ich als auch das Lektorat bei allen Besprechungen übersehen haben… An den ein oder zwei Stellen, wo der Ich-Erzähler einmal bei seinem Namen genannt wird, prangt nicht das eigentlich vorgesehene fiktive Tim Hansen, sondern mein eigener Name. Ja, natürlich sind einige Dinge autobiographisch eingeflossen, doch insgesamt ist vieles, vieles, vieles ist reine Fiktion. Eigene Erfahrungen teilen, gerne – aber nur bis zu einem gewissen Grad. Also mussten reale Erlebnisse durch vollkommen neu ersponnene ersetzt werden. Von den Namen ganz zu schweigen… da stimmt nicht ein einziger.

Bei der 2. und 3. Auflage ist der Tippfehler auch drin geblieben. Ich hab’s als Mahnung genommen, was passieren kann, wenn man als Erstling eine Ich-Erzählung schreibt und man sich zu sehr an seinen Lieblingsautoren orientiert. Aber damit stehe ich nicht alleine – selbst um Myriaden größere Autorengeister als ich es bin haben diese Absolute Beginner-Erfahrung gemacht. Agatha Christie etwa hat sinngemäß geäußert, dass ihre ersten drei, vier Romane genausogut Abenteuer von Sherlock Holmes und Arsène Lupin hätten sein können, weil sie sich zu sehr von von ihren Autorenidolen Sir Arthur Conan Doyle und Maurice Leblanc hat beeinflussen lassen. Warum sollte es mir kleinem Licht da anders gehen?

Ich weiß – im Nachhinein findet man bei allem stets etwas, das man heute anders machen würde. Bleibt doch nicht aus, denn man hat Erfahrungen gesammelt, die eigene Schreibe entwickelt und verfeinert sowie den Blick geschärft.

Trotzdem: Anders als einige Musiker, die schamhaft ihre ersten großen Hits verleugnen und sich teilweise sogar weigern, überhaupt drüber zu sprechen, stehe ich weiterhin zu diesem Buch. Mit allen Fehlern, die da drin sind. Jeder von uns hat mal seine erste Zeit irgendwo gehabt, sei es im Beruf, sei es ehrenamtlich, sei es als Ehemann – sonstwas. Jede Erwartung einer perfekten Leistung an diesem Punkt ist Unfug. Wir tasten uns ran, tapern herum, haben kleine Einbrüche auf dem dünnen Eis bis wir die tragenden Stellen gefunden haben. Rückblickend kann/soll/darf man dann auch stolz auf den ganzen Weg sein – inklusive der nassen Füße, die man sich geholt hat. Und auf den ersten Schritt erst recht.

Das letzte Kapitel

Seit fast drei Wochen ist Frag doch das Vanilleeis auf dem Markt, und nachdem ich mich (abgesehen von der Bloggerei) ein bisschen auf den Lorbeeren ausgeruht habe, geht’s nun langsam mit neuen Projekten weiter. Für gleich drei Stories (plus eine neue Gespensterstory, die zu Weihnachten erscheinen soll) sind die ersten groben Planungen gelaufen. Eine davon wird sich auch wieder um Holger und Christoph drehen.

Eigentlich sollte ausschließlich Wodka für die Königin von diesen zwei leicht durchgeknallten Jungs erzählen, aber die sind bei den Lesern so gut angekommen, dass nur sie als Hauptfiguren in Frage kamen, als die Idee für Frag doch das Vanilleeis langsam Gestalt annahm. Auch die derzeit noch ganz profan als #3 betitelte Story kann nur von den beiden handeln. Es scheint sich da eine richtige Saga um die beiden zu entwickeln, was so nie geplant war, mich aber trotzdem freut. Denn irgendwas Positives scheinen die Jungs ja bei den Lesern auszulösen.

Trotzdem habe ich letzte Nacht das allerletzte Kapitel geschrieben, das besagte Holger & Christoph Saga irgendwann mal zum endgültigen Abschluss bringen wird.

Nein, weder plane ich a priori sieben Bände wie die Kollegin J. K. Rowling noch fürchte ich das Schicksal von Agatha Christie, die ihren Hercule Poirot schon nach dem dritten Roman so gründlich satt hatte, dass sie ihn da am liebsten selbst abgemurkst hätte, aber by popular demand für weitere dreißig Romane mit ihm gestraft war. Mein Größenwahn hält sich – hoffe ich zumindest – in Grenzen.

Trotzdem kam mir gestern Abend nach zwei Gläsern meines Lieblingsbiers („rotblond“, obergärig, Kenner werden den richtigen Schluss ziehen) dieser Gedanke: Wenn Holger und Christoph als „meine literarischen Kinder“ nun scheinbar noch eine ganze Weile in meiner Obhut bleiben, dann möchte ich größeres Bild dessen haben, was den beiden noch alles so passieren kann und wird. Zumindest erst einmal nur für mich.

Ich stelle es mir wie eine Sonntagspartie im Traumcabrio vor: Mal geht es in die eine Richtung, mal in die andere, manchmal nimmt man absichtlich einen Umweg und manchmal verfährt man sich unabsichtlich, aber dafür ganz gewaltig. Aber es macht unheimlichen Spaß, wieder auf den rechten Weg zurückzufinden. Und irgendwann ist die Fahrt von A nach B dann zu Ende.

Genauso soll es Holger und Christoph ergehen. Der Wodka und das Vanilleeis ergeben zusammengenommen quasi den Ausgangspunkt A, das in der vergangenen Nacht geschriebene letzte Kapitel wird das Ziel, Punkt B sein. Was dazwischen kommt? Bleiben sie in Norddeutschland? Verschlägt es sie woanders hin? Welche Typen kreuzen noch ihren Lebensweg? Irgendwann wird die Reise von A nach B jedenfalls zu Ende sein. Was in der Zwischenzeit passiert? Ich habe da schon ein paar vage Ahnungen, aber insgesamt muss ich mich im Moment noch genau so überraschen lassen wie die Leser…

Neues Buch…

Es ist Freitag, das Wetter ist formidabel, und ihr wollt alle ins Freibad. Darum gar nicht viele Worte, sondern nur folgende kleine Ankündigung zu meinem bereits erwähnten neuen Buch:

Titel: Frag doch das Vanilleeis

Inhalt: Traumberuf? Check. Eigene vier Wände? Check. Traummann gefunden? Check. Alles in Ordnung also? Ähm – wie lautete die Frage?

Je länger ein Paar zusammen ist, desto mehr gleicht es sich aneinander an, sagt man. Es heißt auch, dass mehr Harmonie die Folge ist. Bei den beiden Nordlichtern Holger und Christoph scheint da etwas schiefgelaufen sein. Gut, der Hitzkopf ist ruhiger geworden und der Ruhepol spontaner. Nur das mit der Harmonie klappt nicht mehr so ganz. Irgendwie knarrt es seit einiger Zeit im Getriebe.

Die Rückkehr eines Verflossenen der beiden und Holgers Spleen, Problemen mit Vanilleeis zu begegnen, sind keine Hilfe dabei, den Liebeskahn wieder auf Kurs zu bringen. Zudem hat sich Holgers Hund Charly ein paar Unartigkeiten angewöhnt. Rasch ist das Chaos perfekt…

Formate: Taschenbuch und eBook

Erscheinungsdatum: 1. August 2014

Schönes Wochenende!