Leser-Top-10, # 10

Alte Geschichten sind was Herrliches, wenn Oma und Opa sie erzählen. Obwohl sie sich immer gleich anhören – wie eine wieder und wieder abgespielte Schallplatte – macht es einfach Spaß, ihnen zuzuhören.

Auch wenn mir das Privileg, Großvater zu werden, aus verwehrt bleiben wird (die Gründe dafür Weiterlesen

Es gibt viel zu tun…

… lassen wir es doch einfach.

Manchmal habe ich echt keine Lust mehr. Weil es ohnehin nichts bringt. Alle Versuche, es endlich mal im gesellschaftlichen Bewusstsein verankert zu bekommen, dass Weiterlesen

Fanclub? Nein, danke!

20141029-01Gestern Abend bin ich bei Facebook eingeladen worden, Mitglied der Fangruppe eines britischen Künstlers zu werden, den ich sehr schätze. Ich habe abgelehnt. Das journalistische Trara der letzten Tage nach der Parodie auf eine bekannte Sängerin durch die Komikerin Carolin Kebekus hat mich daran erinnert, warum ich selber jegliche Aktivitäten als organisierter Fan komplett eingestellt habe.

Fan zu sein ist eigentlich ganz schön. Man hat etwas, das einem Freude bereitet, und kommt darüber hinaus noch in Kontakt mit anderen Menschen, die ähnlich empfinden. Problematisch wird es oft erst, wenn das Ganze organisierte Formen annimmt. Ich war selber jahrelang Mitglied eines Fanclubs einer international bekannten Sängerin, hab’s bis zum stellvertretenden Vorsitzenden gebracht mit allem Drum und Dran, vor allem ganz viel Fanbetreuung.

Zu Anfang hat es sehr viel Spaß gemacht, doch irgendwann mehrten sich die Fans, denen jedes gesunde Maß fehlte, die den Star auf einen so hohen Sockel stellten, dass es an Götzenverehrung erinnerte.

Solche Fans sind beängstigend. Jede Kritik ist bei ihnen verboten. Dabei ist konstruktive Kritik doch genau das, was jeden Menschen wachsen lässt. Doch in den Augen dieser Fans ist alles von „ihrem“ Künstler ab-so-lut per-fekt. Dass der Star sich hingegen bei Meet & Greet-Veranstaltungen öffentlich dankbar für Kritik zeigt und dafür, wenn nicht zu allem „Ja und Amen“ gesagt wird, interessiert diese Fans nicht. Für sie ist Star X gottgleich und somit unfehlbar.

Zudem bekommen diese Fans nie genug, verlieren jedes Augenmaß für eine gesunde Distanz. Da ist zum Beispiel die ständige Forderung nach Songmaterial, das seit Jahren unveröffentlicht in den Archiven ruht. „Das ist er/sie uns schuldig! Ohne uns wäre er/sie nix geworden!“

Entschuldigung, aber ein Star schuldet seinen Fans nichts. Rein gar nichts. Klar, die Entscheidung für eine solche Karriere in der Öffentlichkeit ist freiwillig und die Fanbegeisterung trägt den Star. Trotzdem bringt sie eine Menge Verzicht mit sich, wenn besagter Star für die Fans Woche um Woche auf Tour, im Studio, in TV-Shows verbringt, ständig im Fokus der Allgemeinheit und keinen Atemzug tun kann, der nicht beäugt und kommentiert wird. Insofern sind die Fans in der Schuldnerposition – ihre Forderungen sind irrelevant, vielmehr schulden sie ihrem Star den Respekt vor dessen Entscheidungen.

Eine solche Ansicht sollte man nicht offen aussprechen, wenn man in einem Fanclub aktiv ist. Denn dann kann ein Sturm losbrechen, gegen den die Reiter der Apokalypse wie kalifornische Men Stripper daherkommen. Von ABBA über Helene Fischer und Madonna bis ZZ Top: Es zieht sich durch alle Äras und Musikstile – und betrifft neben Musikern auch Schauspieler, Schriftsteller, Fußballer, Fußballvereine, Adelshäuser, die Fantasywelt von Harry Potter und Herr der Ringe… Die Reihe ließe sich beliebig fortsetzen.

Mir kommt gerade eine Szene aus The Golden Girls in den Kopf: Dorothy ist wegen einer unpassenden Bemerkung aus Blanches Elvis Presley-Fanclub geworfen worden. Blanche rät: „Vielleicht solltest du dir eine Gruppe suchen, die etwas weniger fanatisch in ihrer Ergebenheit ist“. Darauf Dorothy: „Wie was, Blanche? Die PLO?“

Genau so habe ich mich in meinem Fanclub kurz vor dem Ausstieg auch gefühlt. Beschimpfungen, Verleumdungen und was weiß ich noch alles von seiten dieser Über-Fans vergifteten zunehmend das Klima. Fan = Fanatismus. Hier stimmte es, und es hat mir wirklich Angst bereitet. An diesem Punkt konnte ich nur aussteigen. Das Geschehene hat meine Einstellung zum Fan-Sein vollkommen verändert. Ich höre „meine“ Künstler nach wie vor gerne, doch mich nochmal fanmäßig organisieren?

Im Leben nicht.

Throwback Thursday: 1964

20141016-01Heute ist es auf den Tag genau 50 Jahre her, seit sich eine britische Sängerin ins Aufnahmestudio begab, um das Lied aufzunehmen, das eigentlich ihre Abkehr vom Gesang in der Muttersprache markieren sollte. 1961 hatte sie noch mit Sailor, der englischen Coverversion des deutschen Schlagers Seemann, deine Heimat ist das Meer von Lolita einen Platz-1-Hit feiern können, doch fast alle danach erschienenen Singles waren im Vereinten Königreich Flops gewesen.

Dafür waren in Kontinentaleuropa ihre Singles in deutscher, französischer, italienischer und spanischer Sprache so erfolgreich, dass die Sängerin beschloss, dem englischen Sprachraum den Rücken zu kehren und künftig nur noch von Paris aus zu arbeiten, wo sie ohnehin seit ihrer Hochzeit mit einem französischen Musikmanager die meiste Zeit des Jahres lebte.

Eine Abschiedssingle sollte es aber für England noch geben: Anfang Oktober 1964 hatte sich die Sängerin in ihrer Londoner Wohnung mit dem Komponisten und Arrangeur Tony Hatch getroffen, der ihr seine neuesten Kompositionen vorspielte. Keine davon konnte die Sängerin überzeugen. Schließlich spielte Hatch ihr eine noch unvollendete Melodie vor, die eigentlich für die US-Gruppe The Drifters bestimmt war, doch hier horchte die Sängerin auf. Sie bat Hatch, das Lied fertigzustellen, sie würde es aufnehmen.

Am 16.10.1964 war es soweit: Das Lied wurde aufgenommen. Dreimal, Aufnahme #2 fand schließlich den Weg in die Veröffentlichung. Das Ende der englischen Karriere war damit über Nacht vom Tisch: Platz 2 in Großbritannien, mindestens Top Five in unzähligen Ländern auf dem ganzen Globus und – noch viel wichtiger – Platz 1 in den USA, gefolgt von einem Grammy für die beste Rock ’n‘ Roll-Nummer des Jahres. Noch vor den Beatles führten Sängerin und Lied die British Invasion auf die US-Charts an. Vom europäischen Regionalstar zur Weltkarriere.

Das Lied hieß Downtown, die Sängerin Petula Clark.

Fünfzig Jahre später hat Downtown seinen Platz in der Popmusikgeschichte sicher. Es ist unzählige Male gecovert worden, Samples aus der Originalaufnahme werden in andere Songs eingebaut und auch Petula Clark selbst hat der Musikwelt immer wieder neue Variationen geschenkt. Die jüngste stammt von Anfang 2013. Statt wie etwa in den Versionen von 1976 und 1988 nur das Original zu zitieren, ist ihr mit der Version von ihrem 2013er Album Lost In You eine komplette Neuinterpretation entstanden, die – wie die Künstlerin selbst in diversen TV-Interviews erklärte – das zentrale Thema des Liedes erstmals unterstrich statt zu überspielen. Und sie hat recht – wenn man sich einmal auf den Text konzentriert, ist Downtown ein Lied, in dem es um tiefe Einsamkeit geht und die Hoffnung, diese hinter sich zu lassen. Die Originalversion von 1964 mit dem für die British Invasion typischen schnellen, wuchtigen Beat-Arrangement zeigt eine „Erzählerin“, die den Schmerz versteckt und überspielt. Die hauptsächlich von Akustikgitarren und Streichern getragene Balladenversion von 2013 lässt den Schmerz hingegen zu und zeigt weniger Optimismus im Hinblick auf dessen Vergänglichkeit. Vielleicht passt es auch deswegen so gut in unsere heutige, von teilweise selbt erschaffener Isolation durch Versinken in den Social Networks geprägte Zeit.

Welche der zahlreichen Versionen von Downtown man nun auch bevorzugen mag – es zeigt, dass es Tony Hatch und Petula Clark gelungen ist, ein wirklich zeitloses Musikstück zu schaffen, das sicherlich auch noch weitere fünfzig Jahre lang begeistern wird.