Das mach ich doch mit links!

„Immer das schöne Händchen geben.“

Düwel ook, was habe ich als Kind diesen Satz gehasst, wenn ich ihn – meist von ältlichen Tanten – um die Ohren gehauen bekommen habe. Als noch recht lütter Buttscher konnte ich einfach nicht verstehen, was an meiner linken Hand hässlich sein sollte. Sie war doch nur das gespiegelte Pendant zu meiner rechten: Sie konnte genau so gut Besteck bei Tisch halten, das Zähneputzen funktionierte bestens, Weiterlesen

Natürlich koche ich selber!

Alle Jahre steht ein „Tatort“ ganz oben auf der Liste, wenn die Statistik veröffentlicht wird, wo im Haushalt sich die schlimmsten Unfälle zutragen. Es handelt sich natürlich um die Küche, und ebenso natürlich kommt in Sekundenbruchteilen nach dieser sensationellen Bekanntmachung jener geistreiche (???) Scherzkeks daher, der sich den Hinweis „und die meisten davon kommen in Form von Speisen auf den Tisch“ partout nicht verkneifen kann.

„Manche Leute haben in der Küche einfach nichts verloren“, folgt dann meist noch nach. Stimmt. Weiterlesen

Kinder und Besoffene….

… sagen immer die Wahrheit, heißt es im Volksmund. So manche leidgeprüfte Ehefrau wird dem von Herzen, widersprechen, wenn ihr Göttergatte das „Wir gehen nach der Arbeit noch einen trinken“ mal wieder sehr großzügig ausgelegt hat. Wenn er nämlich nuschelt „‚Swar wrklch… hicks… nur ein Bier…“, wird sie das automatisch als „ein Kasten Bier“ identifizieren. Und wer auch nur ein einziges Mal Erfahrung mit dem klassischen Eltern-Kind-Dialog „Was machst du da“ – „Nichts!“ sammeln durfte, wird diesen Spruch ebenfalls mit Freuden ins Reich der Legenden verbannen.

Vor einigen Jahren hatten mein Mann und ich die Stadt mal wieder für einen längeren Heimatbesuch gen Hamburg verlassen und deckten uns gerade in einem Supermarkt nahe beim Michel mit dem Nötigsten für die nächsten Tage ein. Erfahrungsgemäß ist die Kasse mit der kürzesten Schlange diejenige, an der es am längsten dauert. Also stellten wir uns dort an, wo wir noch zwei Leute mehr vor uns hatten. Wie es der Zufall wollte, stand eine Mutter vor uns, die ihren Sohn in dem praktischen Kindersitz des Einkaufswagens geparkt hatte.

Sie hatte einiges an Waren zusammengetragen, doch es war zu erahnen, dass der Kassiervorgang rasch und unkompliziert verlaufen würde. Diese Frau war nämlich von einer Aura der Kompetenz und Zielorientierung umgeben, dass wir in ihr eine Topmanagerin in Elternzeit vermuten. Das verriet allein schon ihre Kleidung aus den besten Läden des Bleichenviertels. Als sie auch noch anfing, ihre Einkäufe nach Warengruppen sortiert auf das Laufband zu sortieren, hatte sie ihren Spitznamen bei uns weg: Mutter Effizienzia.

So rasch, wie wir es erhofft hatten, ging es an dieser Kasse dann aber doch nicht vonstatten. Denn vor Mutter Effizienzia war noch eine Seniorin an der Reihe, die gelinde Schwierigkeiten hatte, das passende Münzgeld zusammenzusuchen. Aber mal ehrlich – kann man da böse sein? Seit der Euroeinführung fummeln doch eigentlich wir alle umständlicher als früher in den Portemonnaies herum, weil das Kleingeld so verdammt schwer auseinander zu halten ist. Und wer weiß, wie wir selbst mal drauf sind, wenn wir das Alter zwischen siebzig und Open End erreicht haben.

Während diese Transaktion also noch andauerte, begann Mutter Effizienzia, mit ihrem Sprössling herumzuplänkeln. Irgendwann sagte sie zu ihm: „Willst du der Mami nicht mal ein Küsschen geben?“

Daraufhin gab der pfiffig dreinblickende Bengel eine knappe, aber bestimmte Erklärung zur Lage ab: „Nö.“

Damit wollte Mutter Effizienzia sich aber nicht zufrieden geben: „Och, bitte – gib der Mami doch nur ein einziges klitzekleines Küsschen.“

Doch der Lütte blieb bei seinem „Nö“ und schüttelt heftig den Kopf. Obendrein verschränkte er die Arme vor der Brust.

Das ging noch ein paar Mal hin und her, bis Mutter Effizienzia die Mitleidswalze auflegte: „Damit machst du die Mama aber ganz traurig. Warum willst du der Mami denn kein Küsschen geben?“

Eigentlich war der lütte Buttscher noch viel zu jung für solch raffinierte Schachzüge, aber die Kunstpause vor seiner Antwort besaß ein so perfektes Timing, dass man eigentlich gar nicht anders konnte, als ihm blanke Absicht zu unterstellen. Denn der Bengel schaute seine Mutter lange an, wobei er gleichzeitig die Umstehenden genauestens zu taxieren schien. Und erst, als er sich sicher sein konnte, dass jeder, aber auch wirklich jeder seine Worte mitbekommen würde, tat der Junge kund, was er neulich per Zufall gesehen hatte und seine Mutter daran erinnerte, in Zukunft ganz genau darauf aufzupassen, wann welche Zimmertüren zuhause geschlossen zu halten waren.

So etwas hatte Hamburg lange nicht gesehen! Die Kassiererin ließ vor Lachen das Kleingeld fallen, an der inzwischen auch geöffneten Nebenkasse ließ ihre Kollegin den Kopf auf die Tastatur ihrer Kasse sinken und trommelte hysterisch mit einer Faust auf das Laufband, ein Azubi fiel beinahe von einer Leiter, meinem Mann und mir standen die Lachtränen in den Augen, und selbst die alte Dame griente vergnügt.

Manchmal stimmt der Spruch, das Kinder immer die Wahrheit sagen, eben doch – es passiert nur immer genau dann, wenn man es am allerwenigsten gebrauchen kann: „Du hast Papas Dingsmann in den Mund genommen!“