Valentinstag

Mein Mann und ich gehören nicht wirklich zu jenen, die um dem Valentinstag ein besonderes Geschiss machen. Warum auch? Jedes „Guten Morgen, Schatz“, jedes „Pass auf dich auf“, jedes „Komm, ich nehm dir die schwere Einkaufstasche ab“ sagt so viel mehr als der Strauß Blumen oder die Schachtel Pralinen am 14. Februar.

Am nächsten bin ich einem Valentinstagsgeschenk für meinen Mann gekommen, als ich ihm in unserem ersten oder zweiten Jahr zusammen den Gefallen getan habe,

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Voll auf die Zwölf

„Boah, was hast du denn gemacht?“

Langsam kann ich diese Frage nicht mehr hören. Es ist nämlich immer dasselbe: Wünscht man sich bei einer kleinen Malaise Aufmerksamkeit, bekommt man sie nicht. Möchte man in Ruhe gelassen werden, kann man sich vor schadenfrohen Nachfragen kaum retten. Weiterlesen

Sommerzeit

Der Zenith ist überschritten. Noch ein paar Tage, in denen man hier und da ein paar Bemerkungen zum Thema aufschnappt, und dann ist wieder Ruhe für sieben Monate. Es ist eines dieses weiteren Themen, über die sich so herrlich nörgeln lässt. Und darin sind wir doch richtig gut geworden, nicht wahr?

Nie passt was, irgendein Haar in der Suppe gibt es immer. Im Winter: Weiterlesen

Tusch des Schreckens

Wieder mal bin ich spät dran mit der Bloggerei. Wieder gibt es gute Gründe:

Erstens: Mein allsonnabendliches Samurai-Sudoku im Hamburger Abendblatt war heute so verflixt knifflig, dass ich nicht eher dazu gekommen bin.

Zweitens: Bis vor ein paar Minuten war ich drauf und dran, euch darüber zu informieren, dass es hier von mir nichts mehr zu lesen gibt und mich dann zu verabschieden.

Warum? Kann ich euch sagen! Weiterlesen

Jingle… Toooooooor! (Hochdeutsch)

Jetzt ist es passiert! Ich habe immer gewusst, dass da nichts Gutes bei herumkommt! Diese ganzen echten und ausgedachten Feiertage bringen unserer Kinder früher oder später völlig durcheinander!

Gestern an der Grundschule bei uns gegenüber. Große Pause. Die Kleinen jagen sich, spielen Seilspringen oder so etwas wie „Schere – Stein – Papier“.

Vor allem sind sie laut.

Sehr laut sogar. Weiterlesen

Jingle… Toooooooor! (op Platt)

Nu is dat passeert! Ik heff dat jümmers wusst, datt dor nix Gotet bi rümkummt! Düsse ganzen echten un utdachten Fierdogs bringt uns Kinners freuher oder loter ganz dööreenanner!

Gistern, an de Grundschool bi uns gegenööver. Groote Pause. De Buttschers joogt eenanner, speelt Reepjümpen ode sowat as „Scheer – Steen – Papeer“.

Vöör all’n ober sünd se luut.

Bannig luut sogoar. Weiterlesen

Weihnachtsgeld

„Guten Morgen, der Herr! Ich sehe, Sie sind Brillenträger! Darf ich Sie vielleicht mit unserem neuen Brillenreiniger Glotzenglanz bekannt machen?“

Eigentlich sollte ich stumm vorbeigehen, aber die preußische Erziehung verbietet das. Also grüße ich, lehne höflich dankend ab und stelle mich auf das Unvermeidliche ein: Prompt prasselt ein Schwall wohlgedrechselter und perfekt auswendig gelernter Phrasen auf mich ein, mit denen der Propagandist (ich weiß, dieser Job trägt heute einen klangvolleren, wichtigeren und natürlich englischen Namen, vermutlich sowas wie „Crap-That-Nobody-Needs Sales Manager“, aber ich habe nun mal ein Faible für diese altmodischen Vokabeln) mich davon zu überzeugen versucht, dass nur sein Produkt meine Brille sauber hält.

Ich bedanke mich für die Information, lehne noch einmal dankend ab und will weitergehen. Doch dieser Mr. Brillenrein denkt gar nicht daran, mich in Ruhe zu lassen, versucht sogar, mich am Arm festzuhalten. Da werde ich doch langsam füünsch: Weiterlesen

Eins und eins, das macht zwei

„Guten Morgen!“

„Hallo!“

„Moin, moin!“

„Bis gleich!“

Hä?

Über die spontanen Grüße dieser drei mir völlig fremden Menschen habe ich mich wirklich gefreut, das erlebt man hierorts nicht sehr oft. Aber die von # 4 in Aussicht gestellte, offenbar fest geplante neuerliche Begegnung irritiert mich dann doch. Denn auch diesen jungen Gentleman kenne ich nicht.

Überhaupt passiert es mir in letzter Zeit öfter, dass ich gerade hier, in der Umgebung dieser Schule, verstärkt von mir unbekannten Menschen gegrüßt werde, die umgekehrt scheinbar mit mir auf recht vertrautem Fuß stehen. Ist das wieder einer meiner merkwürdigen Träume? Weiterlesen

Muttertag

Moin!

Wie in jedem Jahr steht auch dieser zweite Sonntag im Mai wieder einmal im Zeichen einer ganz besonderen Person.

Die erfahrenen Mütter freuen sich z. B. darüber, dass ihre erwachsenen Kinder sie in ihr Lieblingsrestaurant eingeladen haben, während die jungen Mütter vielleicht in diesem Jahr erstmals in den Genuss des von ihren Kindern zubereiteten Frühstücks kommen – und auf diesem Weg auch mit der goldenen Regel Wo es verbrannt riecht, ist oft einfach nur ebensolcher Toast zu finden Bekanntschaft machen. Aber keine Sorge – aus zuverlässiger Quelle habe ich erfahren, dass nie wieder ein Toast besser schmecken wird. Weiterlesen

Ganz wichtiger Termin!

Lange haben mein Mann und ich uns gewehrt, aber irgendwann sind wir doch schwach geworden: Seit drei (er) bzw. fünf (ich) Jahren sind wir Smartphone-Nutzer.

Wobei ich mich selbst noch nicht mal als echten Nutzer bezeichnen würde. Zum Telefonieren brauche ich das Ding höchstens einmal in der Woche, von meinem Inklusiv-Paket an 200 Frei-SMS habe ich bei jedem Monatsabschluss immer noch mindestens 197 übrig, von meinen 200 MB Internet-Bandbreite gehen auch höchstens 30 weg, und WhatsApp-Nachrichten sowie echte eMails gehen mir mit schöner Regelmäßigkeit mitunter wochenlang durch, weil ich diese Apps dauerhaft auf stumm stehen habe. Weiterlesen

Erntedank

Erntedank? Im Februar? Falsche Jahreszeit, hm?

Richtig, liebe Leser, genau das dachte ich auch. Doch wie so oft im Leben begann auch die heute zu berichtende Begebenheit damit, dass eigentlich etwas ganz anderes geplant war. Weiterlesen

Verrückt sein

FS Karl Carstens - Foto © by Gerrit Jan AppelSind wir nicht manchmal viel zu vernünftig? Ich meine, selbst im Urlaub, wenn wir alles tun könnten und dürften, weil wir auf keinen Kollegen, keine Deadline im Büro oder sonst jemanden Rücksicht nehmen müssen? Selbst da planen und regeln wir uns doch oft zu Tode. Montags Strand und Minigolf, dienstags Strand und shopping, mittwochs Strand und… et cetera. Und wehe, es gerät Sand in dieses perfekte Getriebe! Ist ja schrecklich, denn gerade das Unerwartete macht einen Urlaub doch zum spannenden Erlebnis.

Vorhin fiel mir ein USB-Stick mit Scans der Fotos von meinem letzten Ausflug auf dem Fährschiff Karl Carstens in die Hände. Das war vor zwanzig Jahren.

Damals kam ich für einen Tagesausflug in Puttgarden an, ein paar Stunden auf See verbringen – und natürlich für Duty Free-Shopping, das es damals noch gab. Schon als ich das Terminal betrat, war mir klar, dass irgendetwas nicht stimmte. Laut Fahrplan hätte eigentlich gerade die Danmark der Danske Statsbaner (DSB) abgefertigt werden müssen. Es lag jedoch gar kein Fährschiff im Hafen, im Bahnhof stand ein Zug nach Kopenhagen mit Kurswagen nach Stockholm, dessen Reisende sich auf dem Bahnsteig die Füße vertraten.

Die freundliche Dame am Ticketschalter gab bereitwillig Auskunft, dass bei den Danske Statsbaner gestreikt würde. Keines der vier DSB-Schiffe verkehrte, im Rødby liefe alles verlangsamt ab. Darum gäbe es im Moment auch keinen Fahrplan – die drei deutschen Schiffe würden so verkehren, wie es gerade möglich sei. Wer heute ein Ticket für einen Tagesausflug löste, täte dies auf eigene Gefahr, weil nicht vorauszusagen sei, wann man aus Rødby zurück sein würde.

Ich hatte auf der Vogefluglinie schon so viel erlebt – da konnte mich so ein Streik doch nicht abhalten! Ticket gelöst, auf das nächste DB-Schiff gewartet. Mit nur einer Stunde Verspätung kam die Karl Carstens in Puttgarden an, ich checkte ein, nach 30 Minuten Liegezeit ging es auf die Ostsee raus. Die Überfahrt verlief normal, doch kurz vor Rødby wurde es spannend. Eine dänische Fähre legte sich quer vor die Hafeneinfahrt. Maschinen stop, Anker werfen. Ich kam mit einer Passagierin ins Gespräch, die von dem Gerücht berichtete, eine DSB-Fähre hätte planmäßig mit Ladung und Passagieren in Puttgarden abgelegt ohne aber Kurs auf Rødby zu nehmen. Statt dessen sei sie gleich nach Nakskov getuckert, wo eine Werftzeit anstand. Erst dort wollte man die Passagiere von Bord lassen. Wow. Wenn das stimmte, konnte ich glücklich schätzen, auf einem DB-Fährschiff zu reisen!

Irgendwann endete die Blockadegeste, wir liefen im Hafen ein. Und wieder legte sich die dänische Fähre vor die Hafeneinfahrt. Statt der fahrplanmäßigen dreißig Minuten lagen wir fast hundertundfünfzig Minuten in Rødby, ehe es zurück ging. Kurz vor dem Einlaufen in Puttgarden dann: „Sehr geehrte Fahrgäste, in wenigen Minuten wird ein Alarm ausgelöst. Bitte bleiben Sie ruhig, es handelt sich um ein Training für die Besatzung.“

FS Danmark - Foto © by Gerrit Jan AppelNa bravo! Langsam wurde die Zeit knapp, und ich befürchtete schon, meinen letzten Zug zurück nach Lübeck zu verpassen. Aber selbst wenn das so gewesen wäre – ich hätte mich einfach irgendwo auf Fehmarn für eine Nacht einquartiert und wäre am nächsten Tag zurückgefahren. Dann wäre zwar das Budget für zwei Tage Strandkorbmiete dahingewesen, aber was soll’s? Strandleben kann man auch auf der Strohmatte genießen.

Doch es ging gut. Fünf Minuten vor Abfahrt des letzten Eilzug (für die jüngeren Leser: Regionalexpress) nach Lübeck war ich wieder in Puttgarden. Mit gefüllter Einkaufstüte und ’ner tollen Reiseerinnerung.

Würde ich mich heute auch noch auf so eine Geschichte einlassen? Jedenfalls nicht mehr so spontan. Ich würde wahrscheinlich halbe Ewigkeit in Puttgarden auf und ab tigern, Für und Wider abwägen und es am Ende vielleicht sein lassen. Später würde ich dann in meinem Hotelzimmer sitzen und mich ärgern, auf so ein kleines, harmloses Abenteuer verzichtet zu haben. Wie langweilig.

Lassen wir das doch gelegentlich mal mit der Vernunft. Let’s bring crazy back!