Ich

Es gilt gemeinhin als stillos und ungeschickt, irgendetwas mit „Ich“ zu beginnen oder zu überschreiben, doch was soll man machen, wenn es um etwas gehen soll, das nun mal genau so heißt?

1991. Ich war Weiterlesen

Die kleine Bank im Alsterpark

Eigentlich war es nur eine kleine Anekdote aus dem Familienleben gemischt mit ein bisschen Trivia, garniert mit ein paar eher liebevollen Spötteleien über Musik, die zur Jugendzeit meiner Mutter populär war. Aber es hat sich einiges verändert Weiterlesen

Zukunftspläne

Angefangen hat es mit einer Verzweiflungstat. Gestern Vormittag hatte ich noch auf dem Balkon gesessen – lesend, kaffeeschlürfend und wieder mal die Wetterfrösche verlachend, weil das Wetter wie fast immer viel besser war, als man uns zugestehen wollte. Aber auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn, deshalb behielten sie mit der Prognose für den Nachmittag leider reicht.

Ebenso schnell wie die Sonne verzog sich auch meine Laune, denn Weiterlesen

Ein Plädoyer

„Ein Selfie machen – welch ein trauriges und tragisches Bild dies heraufbeschwört: Dass man keinen Freund hat, der das Foto von einem macht (Taking a selfie – how sad and tragic an image this conjures up: That you haven’t got a friend to take your photograph for you.)“

Gestern stieß ich auf dieses Zitat der Weiterlesen

Amüsantes Essen

Moin!

Am vergangenen Mittwoch gab’s wieder einen plattdeutschen Artikel hier im Wortgepüttscher, und wie immer möchte ich die hochdeutsche Übersetzung für die nicht-platten Leser nicht schuldig bleiben. Hier ist sie: Weiterlesen

So will ich meinen Mann nicht sehen!

Die Krimskramsschublade ist quasi die kleine Schwester der Rumpelkammer. Hier findet sich von der Sicherheitsnadel über einen Kamm mit teilweise herausgebrochenen Zinken und eine ausgetrocknete Tube Klebstoff bis hin zu abgerissenen Bettwäscheknöpfen, die man seit x Jahren schon „bei Gelegenheit“ Weiterlesen

Das verschwundene Spukhaus

Spukhaus – in jedem Ort gibt es wohl ein Gebäude, dem dieser Ruf anhängt. Auch bi uns op’n Dörp haben wir eins. Zumindest wurde das zu meiner Grundschulzeit kolportiert: Die Viertklässler haben uns als Erstklässler damit ins Bockshorn jagen wollen, und als wir die Viertklässler waren, haben wir es mit den neuen Erstklässlern genauso gehalten. Ganze Generationen von Jüngern der drei dicht beieinander liegenden Weisheitstempel hatten Bammel, Weiterlesen

Heiße Reifen, leichte Mädchen

Böse Zungen – genauer gesagt: ich – behaupten, das Leben in dem dörflichen Vorort des Vororts der Stadt, in der ich aufgewachsen bin, wurde nur dann aufregend, wenn jemand ein lebendiges Karnickel vor den Linienbus warf, damit dieser überhaupt anhielt, aber das ist natürlich übertrieben. Ein wenig mehr (Betonung auf wenig) war schon los. Manchmal haben wir nur nichts davon mitbekommen. Meine Familie besteht nämlich aus notorischen Tiefschläfern. Neben uns könnte unbemerkt die sprichwörtliche Bombe explodieren.

In einer bestimmten Nacht vor einem guten Vierteljahrhundert war es allerdings ein Gasofen, der da unbemerkt explodierte. Das war Sensation #1.

Sensation #2 fand sich im Ort des Geschehens wieder: Als das Etablissement in die Räumlichkeiten eines ehemaligen Gasthofs eingezogen war, hatte sich bei uns erstaunlicherweise kein Protest geregt. Mit stoischem Gleichmut wurde registriert, dass es nun op’n Dörp einen Puff gab.

Zwei oder drei Jahre lang lebte man in friedlicher Koexistenz. Die meisten männlichen Pubertierenden in der Nachbarschaft, die sich optische Stimulanz, vielleicht sogar die ersten praktischen Erfahrungen vor Ort erhofft hatten und deshalb wie Kater auf Baldrian um das Haus geschlichen waren (aus bekannten Gründen war meine Wenigkeit hier ziemlich außen vor), wurden rasch bitter enttäuscht. Man bekam von dem Treiben (kein Wortspiel beabsichtigt) in dem Laden wirklich nichts mit. Zeitweise fragte man sich, ob dort überhaupt jemand verkehrte (dito).

Doch dann strebte besagter Gasofen eine neue Karriere als Rakete an. Die Feuerwehr rückte aus und hatte das Feuer bald unter Kontrolle, während verlegene Herren auf der Straße umher liefen, sich in irgendwelche Büsche schlugen, um hektisch ihre Kleidung in Ordnung zu bringen und sich dann so schnell wie möglich vom Acker zu machen. Letzteres wusste die Polizei aus Sorge um ausbleibende Zeugenaussagen natürlich zu verhindern.

Die Damen der Nacht hingegen waren die Ruhe selbst – für sie war das Feuer nicht aufregender als eine Razzia, denn trotz allem Chaos war niemand zu Schaden gekommen.

Mein Clan erfuhr all dies aus zweiter Hand, denn wir hatten rein gar nichts mitbekommen. Und das, obwohl es von unserem Haus keine hundertfünfzig Meter bis zu dem Puff waren. Als die Geschehnisse in der Nachbarschaft die Runde machten, lautete einer der Kommentare dann auch prompt: „Ihr verpennt ja sogar, wenn euer eigenes Haus fast zusammenbricht!“

Schuldig in allen Anklagepunkten… An einem Morgen kurz vorher war ich nämlich aufgestanden und ging aus meinem Dachzimmer nach unten. Ich schlurfte an dem Fenster auf halber Treppenhöhe vorbei, stutzte und kniff die Augen zusammen. Stand da wirklich ein Auto in unserem sonst so gepflegten Vorgarten? Tatsächlich. Der Maschendrahtzaun war geborsten, die beiden Koniferen waren zur Seite genickt, die Begonien plattgewalzt – und mitten auf dem Rasen stand ein Opel Kadett, dessen Fahrt durch unsere Hauswand gestoppt worden war. Vom Fahrer keine Spur.

Bald darauf klingelte unsere Hauswirtin, eine sprichwörtliche alte Jungfer und als solche mit der Situation hoffnungslos überfordert. Sie müsse die Polizei rufen, dabei wisse sie nicht mal, wann der Unfall passiert sei.

Am Ende löste sich alles in Wohlgefallen auf. Die Polizei ermittelte den Halter des Wagens, der reumütig alles zugab. Er erhielt seine Strafe, unsere Hauswirtin einen Schadenersatz und wir den Rat, unsere Ohren doch mal ein wenig mehr auf Wachsamkeit zu trainieren. Denn wäre Fräulein L. beim Prozess als Nebenklägerin aufgetreten, hätte ihr Anwalt uns als Belastungszeugen glatt abgelehnt…

Souvenirs, Souvenirs

Souvenirs, Souvenirs

Einer großen Zeit

Sind die bunten Träume

Unserer Einsamkeit

Bill Ramsey, „Souvenirs, Souvenirs“
Polydor Single 24 037, 1959

Für einen eher seichten Schlager aus der Wirtschaftswunderära erstaunlich tiefgängige Zeilen. Welche Einsamkeit ist da gemeint? Denken wir an die Einsamkeit zurück, die wir damals gefühlt haben, als die Souvenirs zu uns gekommen sind? Oder erhellen sie uns unsere jetzige Einsamkeit durch die Erinnerung an bessere Zeiten? Und warum Einsamkeit?

Wenn ich mir meine eigenen Souvenirs so anschaue, denke ich eigentlich nie an Einsamkeit, denn eigentlich sind sie doch dafür gedacht, dieses Gefühl gar nicht erst aufkommen zu lassen.

Für gut

Die meisten meiner Generation werden damit aufgewachsen sein, dass die Großeltern immer etwas hatten, das „für gut“ verwahrt werden sollte. Das konnte ein besonderes Kleidungsstück sein, ein besonders Stück Geschirr, eine besonders gute Flasche Wein, sonstwas.

Was immer es auch sein mochte – allen Dingen war gemein, dass sie meist in irgendeinem Schrank zu Dunkelhaft verdonnert waren und auf ein „Für gut“ warteten, das doch nie kam: Das Kleidungsstück passte irgendwann nicht mehr. Das Stück Geschirr fiel runter und ging zu Bruch, als man etwas anderes aus dem Schrank nahm. Die Flasche war so lange unsachgemäß gelagert worden, dass aus dem guten Wein ein schlechter Essig geworden war.

Irgendwann blieb dann nur noch ein x-beliebiger Gegenstand übrig, mit dem keinerlei Erinnerung verbunden war, weil ihn nie jemand zu Gesicht bekommen hatte und der deswegen bei der Haushaltsauflösung im Müll landete.

Ein schauderhafter Gedanke. Meinem Lieblingsgeschirr soll es nicht so gehen.

Für_gut_Collage

Es ist kein besonderes Geschirr, es kann nicht mal besonders teuer gewesen sein, denn es ist nur ein x-beliebiges Steingutgeschirr, Supermarktmassenware im typischen 70er-Jahre-Design. Aber weil es zum Haushalt meiner Oma selig gehört hat und somit ein Erbstück ist, müsste ich es nach Lesart der Altvorderen eigentlich „für gut“ wegstellen.

Ich denke ja gar nicht dran!

Es weiterhin zu benutzen, hält die Erinnerungen an schöne Sommernachmittage beim Kaffeeklatsch auf Omas Terrasse beim Fischteich lebendig – umso mehr, wenn man noch neue Erinnerungen mit der Familie hinzufügt, die man inzwischen selber gegründet hat.

Darüber hinaus… sollte man sich selbst nicht soviel wert sein, um aus jedem Tag einen Tag „für gut“ zu machen?

Darum kommt das Geschirr weiterhin bei mir immer dann auf den Tisch, wenn mir danach ist.

So wie heute. Schönes Wochenende!