Downtown (Hochdeutsch)

Okay – das muss ich zugeben: Vom Dortmunder Stadtzentrum als downtown zu reden, ist ein bisschen übertrieben. Ich meine, es ist hier nun wirlich nicht so lebendig, dass man von einem schieren Übermaß an „Großstadtmelodie“, „Tanz der Leuchtreklamen“ und „Neonschein“ reden kann, wie es Petula Clark vor über fünzig Jahren so nett besungen hat. Was hier die ganze Fußgängerzone darstellt, das ist in Hamburg nur eine Nebenstraße vom Bleichenviert oder in Berlin die zweite Reihe vom Kurfürstendamm. Selbst auf der langweiligen Kö in Düsseldorf ist mehr los. Das soll auf der anderen Seite jedoch nicht heißen, dass es hier langweilig ist: Weiterlesen „Downtown (Hochdeutsch)“

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Downtown (op Platt)

Okay – dat mutt ik togeven: Vun dat Dortmunder Stadtcentrum as downtown to schnacken is’n böten wat överdreven. Ik meen, dat is hier nu wirklich nich so lebennig, datt een vun een schieret Övermaß an „Großstadtmelodie“, „Tanz der Leuchtreklamen“ un „Neonschein“ schnacken kunn, jüst as Petula Clark dat vör over fofftig Johrn so fein sungen hett. Wat hier ganze Footgängerzone is, dat is in Hamborg blots ’n Nebenstroot vun’t Bleichenveddel ode in Berlin de tweete Reeg vun’n Kurfürstendamm. Sölvs op de langwielige Kö in Düsseldorf is mehr lots. Dat schall op de annere Siet ober ook nich heeten, datt dat hier dreuhnig is: Weiterlesen „Downtown (op Platt)“

Weihnachtsgeld

„Guten Morgen, der Herr! Ich sehe, Sie sind Brillenträger! Darf ich Sie vielleicht mit unserem neuen Brillenreiniger Glotzenglanz bekannt machen?“

Eigentlich sollte ich stumm vorbeigehen, aber die preußische Erziehung verbietet das. Also grüße ich, lehne höflich dankend ab und stelle mich auf das Unvermeidliche ein: Prompt prasselt ein Schwall wohlgedrechselter und perfekt auswendig gelernter Phrasen auf mich ein, mit denen der Propagandist (ich weiß, dieser Job trägt heute einen klangvolleren, wichtigeren und natürlich englischen Namen, vermutlich sowas wie „Crap-That-Nobody-Needs Sales Manager“, aber ich habe nun mal ein Faible für diese altmodischen Vokabeln) mich davon zu überzeugen versucht, dass nur sein Produkt meine Brille sauber hält.

Ich bedanke mich für die Information, lehne noch einmal dankend ab und will weitergehen. Doch dieser Mr. Brillenrein denkt gar nicht daran, mich in Ruhe zu lassen, versucht sogar, mich am Arm festzuhalten. Da werde ich doch langsam füünsch: Weiterlesen „Weihnachtsgeld“

Eins und eins, das macht zwei

„Guten Morgen!“

„Hallo!“

„Moin, moin!“

„Bis gleich!“

Hä?

Über die spontanen Grüße dieser drei mir völlig fremden Menschen habe ich mich wirklich gefreut, das erlebt man hierorts nicht sehr oft. Aber die von # 4 in Aussicht gestellte, offenbar fest geplante neuerliche Begegnung irritiert mich dann doch. Denn auch diesen jungen Gentleman kenne ich nicht.

Überhaupt passiert es mir in letzter Zeit öfter, dass ich gerade hier, in der Umgebung dieser Schule, verstärkt von mir unbekannten Menschen gegrüßt werde, die umgekehrt scheinbar mit mir auf recht vertrautem Fuß stehen. Ist das wieder einer meiner merkwürdigen Träume? Weiterlesen „Eins und eins, das macht zwei“

Immer Ärger mit der Tante

Ist schon ziemlich komisch mit der Zeit. Wenn du auf deinen Urlaub warten musst, scheint es ewig zu dauern. Ist er aber erstmal da, geht er vorbei wie nichts. Was hat sich das gezogen, bis der Juli gekommen ist. Jetzt ist schon wieder August, die Ferien sind vorbei und es geht weiter hier in diesem Theater.

Es heißt ja, wenn du deine Sorgen und den ganzen Ärger im Leben vergessen willst, sollst du sie gar nicht erst mitnehmen, wenn du auf Reisen gehst. Deswegen bleibt mein Mann auch immer zuhause, wenn ich in meinen Sommerurlaub fahre.

Ist natürlich nur Spaß. Wir finden das zwar beide wichtig, dass jeder von uns einmal im Jahr seine eigene Auszeit allen von wirklich allem haben soll, aber das heißt nicht, dass er eins der Probleme ist, die ich zuhause lasse. Umgekehrt ist das auch so, wenn er für seine Auszeit bei seiner besten Freundin nach Düsseldorf fährt. Hoffe ich zumindest… Weiterlesen „Immer Ärger mit der Tante“

Jümmers Ärger mit de Tante

Dat is bannig komisch mit de Tiet. Wenn du op dien Urlaub tööven muttst, schient dat ewig to duuern. Is he over erstmol do, geiht dat vorbi as nix. Wat hett sik dat zogen, bit de Juli kamen is. Un nu is al wedder August, de Ferien sünd vorbi un dat geiht wieter hier in düsset Theoter.

Dat heet jo, wenn du dien Sorgen un dien ganzen Trabbel in’t Leven vergeten wüllst, schallst du se gor nicht erst mitnehmen, wenn du op Reisen gohst. Deswegen blifft mien Mann ok jümmers tohuus, wenn ik in mien Sommerurlaub fohr.

Is natürlich blots Spooß. Wi find dat twors beide wichtig, datt jedeen vun uns eenmol in’t Johr sien eegen Uttiet alleen vun weerklich alln’s hebben schall, ober dat heet nich, datt he eent vun de Problemens is, die ik tohuus loot. Ümgekehrt is dat ook so, wenn he to sien Uttiet bi sien besten Frünnin no Düsseldorf fohrt. Hoff ik tominnest… Weiterlesen „Jümmers Ärger mit de Tante“

Schall und Rauch

Nach einem Verwandten meiner Mutter wurde ich auf den klangvollen Namen Gerrit getauft. Gerrit mit Doppel-R, wohlgemerkt. Das ist Niederländisch und heißt schlichtweg Gerhard. Mehr als zwei Jahrzehnte habe ich mit diesem Namen relativ beschwerdefrei gelebt. Dann erschien die Schauspielerin Gerit Kling auf der Bildfläche. Gerit mit einem R, wohlgemerkt. Damit fing der Ärger an.

Ich weiß gar nicht mehr, wann ich den ersten Brief erhalten habe, der an Frau Gerrit Appel gerichtet war. Diesem ersten Brief folgten jedenfalls unzählige weitere. Das hat mich nicht weiter gestört, denn Namen sind Schall und Rauch, Papier ist geduldig, und gerade Werbung kann man so schön ungelesen in die Altpapiertonne werfen. Doch wenn man plötzlich als Betrüger dasteht, sieht das Ganze schon anders aus.

„Tut mir leid“, bedauert die Kassiererin beim Plünnenhöker (für die Nicht-Platten: Bekleidungsgeschäft), „aber den Beleg muss Ihre Frau selber unterschreiben.“ Sie hält mir meine Kreditkarte vor die Nase. „Das ist doch sicher der Name Ihrer Frau oder Freundin?“

Ich knalle meinen Personalausweis auf den Tresen. Die Kassiererin entschuldigt sich tausendmal, die Hose hätte ich aber im nachhinein doch am liebsten dagelassen.

Später am selben Tag in der S-Bahn: Ticketkontrolle. Ich zeige guten Gewissens mein personalisiertes Monatsticket vor.

„Würden Sie bitte mit uns an der nächsten Station aussteigen?“

Ich ahne, woher der Wind weht. Und richtig: „Sie wissen, dass es strafbar ist, personalisierte Tickets von anderen Personen zu benutzen?“

„Durchaus, aber ich habe mir nichts vorzuwerfen.“

Jetzt versucht der Uniformierte, mir ironisch zu kommen: „Ach so, dann hat Ihre Frau heute morgen nur die Tickets vertauscht. Oder heißt Ihre Mutter Gerrit?“

Langsam werde ich sauer. „Ich weiß nicht, wie meine Mutter heißt. Man fand mich in einem Bastkorb auf dem Nil treibend!“

Wütender erneuter Griff zum Ausweis. Nach einer lauwarmen Entschuldigung darf ich eine halbe Stunde im strömenden Regen auf die nächste Bahn warten. Am nächsten Tag habe ich eine mordsmäßige Erkältung.

Solche Ereignisse häuften sich, bis ich die Nase voll hatte und beim Standesamt eine Namensänderung beantragte. Killen wollte ich den Gerrit nicht, so böse war ich meiner Mutter wegen ihrer Namenswahl auch wieder nicht. Aber einen zweiten Vornamen wollte ich hinzunehmen. Einen ganz normalen, nichts Extravagantes. Die Wahl fiel auf Jan – das war simpel, eindeutig männlich und passte zum nordischen und niederländischen Gesamtflair meines Namens.

Dem Antrag wurde stattgegeben. Seit gut zehn Jahren heiße ich nun amtlich beurkundet Gerrit Jan Appel und bin damit recht gut gefahren. Bis ich heute die Post aus dem Kasten holte.

Adressat: Frau Gerrit Jan-Appel.

Anrede im Brief: Sehr geehrte Frau Jan-Appel.

Aaaaaaaaargh!