Konfirmationsschnack

Gestern war er also endlich, der große Tag der Konfirmation. Schön war’s: Der Gottesdienst ein Erlebnis, die Gäste gut gelaunt, der Konfirmand strahlte ob seines großen Tages wie eine Halogenleuchte.

Alles perfekt – genau wie das Essen. Man hatte sich ja auch Mühe gegeben. Schon Wochen vorher die Speisenfolge geplant. Omas altes Kochbuch (Frakturschrift!) und ihre handschriftliche Rezeptkladde (Sütterlin!) gewälzt. Frische Zutaten von Markt, Schlachter und Bauernhof in der Nachbarschaft, Supermarktware diesmal aus den Regalen, an denen die etwas höheren Preise stehen. Das tagelange Püttschern hat sich gelohnt. Zufriedene Gesichter bei allen, die sich da an der Tafel versammelt hatten.

Doch da war auch dieser eine Gast, den es immer gibt. Dieses eine vorlaute Persönchen, das sich erdreistet zu fragen: „Was hast du für eine Backmischung genommen? Dr. Oetker oder Aldi?“

Dann möchte man das Leinentuch nehmen, mit dem man gerade das Tropfwasser von einer Blumenvase geputzt hat, es diesem Gast um den Hals legen und gaaaaanz sinnig und suutje zuziehen.

Aber man tut es nicht, weil zuviele Leute da sind, die… ihn wiederbeleben würden… *augenzwinker*

Was tut man also?

„Noch’n Kaffee?“

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Welttag des Buches 2014

Heute ist Welttag des Buches, quasi der höchste Feiertag für alle Leseratten. Anlass genug, heute mal nicht von meinem eigenen Wortgepüttscher zu schnacken, sondern von dem, was ich selbst gerne lese. Bei der schier unüberschaubaren Fülle von Neuerscheinungen ist die Wahl ganz bewusst auf drei Bücher gefallen, die schon ein paar Jahre auf dem Buckel haben und mitunter sogar nur Second Hand erhältlich sind.

Hier die Top 3 meiner Lieblingsbücher: Weiterlesen „Welttag des Buches 2014“

Neues Küchengepüttscher

Spontanbesuch von lieben Menschen hat sich zum Abendessen angesagt, also bleibt weder die Zeit für langes Wortgepüttscher noch für die Planung eines aufwändigen Menüs mit fünf Gängen.

Darum gibt’s sowohl hier als auch nachher auf dem Tisch Kartoffelcrèmesuppe nach Art meiner Frau Mama, ein einfaches und schnelles Gericht aus der ländlichen Küche. So geht’s:

  • 1 Sellerieknolle (1.000 bis 1.200 g)
  • Kartoffeln im selben Gewichtsverhältnis
  • Brühe aus der Beinscheibe ausgekocht oder vegetarisch
  • 350 g Fleischwurst, gewürfelt (nach Wahl mit oder ohne Knoblauch)
  • 2 EL Schmand oder Joghurt
  • Salz
  • Pfeffer
  • frische Petersilie, fein gehackt

Kartoffeln und Sellerieknolle schälen und in Würfel schneiden. Beides in einen Topf geben und soviel Brühe dazugießen, dass die Kartoffel-/Selleriewürfel gerade eben bedeckt sind.

Auf großer Flamme aufkochen lassen und dann auf kleiner Flamme kochen lassen, bis Kartoffeln und Sellerie weich sind.

Mit einem Pürierstab pürieren, bis keine festen Stücke mehr vorhanden sind

Schmand/Joghurt einrühren.

Fleischwurstwürfel hinzugeben. Vegetarier lassen diese einfach weg oder ersetzen sie durch eine Handvoll separat gedünsteter Selleriewürfel.

Mit Salz und Pfeffer abschmecken, Petersilie drüber geben, servieren. Dazu geröstetes Brot nach Wahl reichen.

Schönes Wochenende!

 

Küchengepüttscher

StielmusDas unerwartet gute Wetter hat uns einen extrem frühen Start in die Spargelsaison beschert. Es sind immer noch zwei Wochen bis Ostern, und trotzdem findet man schon die ersten weißen Stangen in den Gemüsekisten – aus hiesiger Ernte, wohlgemerkt. Für die meisten fängt jetzt der Frühling erst richtig an – zumindest der kulinarische.

In unserer Familie ist das anders. Bei uns läutet der Stielmus die Zeit der Frühlings- und Sommergerichte ein. Darum war gestern die Freude entsprechend groß, als wir den ersten Stielmus des Jahres beim Grünhöker unseres Vertrauens entdeckten und damit das heutige Mittagsmahl ohne weitere Überlegung feststand.

Wahrscheinlich müsste es das Stielmus heißen, denn man sagt ja auch das Apfelmus. Aber in meinem Clan sagt man schon seit Generationen eben der Stielmus, weil dieses Gemüse – anderenorts auch Rübstiel oder Streppmaut genannt – bei uns nur als Eintopf auf den Tisch kommt. Und welcher grammatikalische Artikel gehört vor Eintopf? Eben!

Stielmus ist bei uns eines jener typischen Oma-Gerichte, will heißen: Nur die Großmutter bekommt ihn auf diese eine, ganz besondere Weise hin, dass sich alle danach die Finger lecken, und es gibt niemanden, der es auch nur annähernd nachmacht. Gut, das können Omas – wie hier und da schon mal erwähnt – eigentlich bei allen Gerichten, aber bei meinerOma Else war der Stielmus das Gericht, das sie in unserer Familie zur unangefochtenen Königin des Kochlöffels gemacht hat. Selbst an dem Tag, als wir uns für immer von Oma verabschieden mussten, drehte sich das nostalgische Schwelgen in schönen Erinnerungen irgendwann ums Essen: „Wenn ich an den Stielmus von unserer Else denke…“

Es hat Zeiten gegeben, da hatte Oma drei 10-Liter-Töpfe gleichzeitig auf dem Herd stehen, um alle ihre Fans aus der Familie und der Nachbarschaft satt zu bekommen. Und Oma hat sie alle satt bekommen, denn auch das können nur Omas: Es sind noch für fünf Leute Vorräte in der Speisekammer, aber es werden trotzdem locker fünfzehn Leute satt.

Aber das ist eine andere Geschichte; zurück zum Stielmus. Selbst unsere Verwandten aus Wilhelmshaven und Wormerveer bei Amsterdam sind manchmal für das erste Stielmusessen des Jahres hunderte von Kilometern angereist.

Eine verdammt hohe Messlatte, wenn nachfolgende Generationen sich an die Zubereitung wagen. Obwohl man sich genauestens an Omas Überlieferungen gehalten hat, sind zig Versuche danebengegangen. (Tyischer Dialog zu Omas Lebzeiten: „Du musst doch ein Geheimnis haben!“ – „Nein, wirklich nicht“, gefolgt von nochmaliger mündlicher Kochanleitung…)

Aber wenn dann – meist, wenn man keine Lust mehr hat, sich noch ein weiteres Mal vergebens abzumühen – der Tag kommt, an dem man bescheinigt bekommt: „Jetzt hast du’s zu 98 % geschafft“ (die letzten 2 % sind bekanntlich auf ewig unerreichbar), ist Wolke 7 ein Dreck gegen die Freude, die man verspürt.

Jetzt habe ich soviel vom Stielmus geschwärmt – wahrscheinlich wird nun das Rezept erwartet, hm…?

Sorry.

Familiengeheimnis.

Geschmack? Wo?

Feinkost_2bGestern nach Feierabend war ich mit meinem Mann einkaufen. Wir hatten eine Kleinigkeit zu feiern und waren deswegen in einem der alteingesessenen Feinkostläden der Stadt.

Wir haben uns richtig Zeit gelassen und die hausgemachten Delikatessen mit Sorgfalt ausgesucht, denn es ist dort wirklich nicht billig, und die große Auswahl kann einen schon in Entscheidungsnot bringen. Aber am Ende hatten wir fünf tolle, sündhaft teure Sachen, auf die wir uns richtig freuten und natürlich auch zuhause nett anrichteten.

Dann kam die feierliche Verkostung.

Ich wehre mich immer, wenn jemand bei einer Speise sagt „Das schmeckt nach nix.“ Alles hat einen Geschmack, selbst Wasser reizt einige Rezeptoren auf der Zunge. Doch diesmal schwieg ich, als mein Mann ganz enttäuscht zu mir sagte: „Das schmeckt ja alles nach gar nix!“

Denn er hatte recht. Ich hatte gerade selber eine herrliche, tiefrote Scheibe eingelegter Paprika auf meine Zunge gelegt und stellte fest, dass ich da zwar Paprika spürte, aber eben nichts… rein gar nichts schmeckte. Kein Paprikageschmack an sich, keine Spuren der Marinade. Ganz ehrlich: 08/15-Kantinenfutter schmeckt besser als diese angebliche Feinkost.

Dasselbe bei den Salaten, die angeblich so intensive Ingredienzien wie Chili und Knoblauch beinhalten sollten; Betonung auf sollten. Da war zwar eine ölig-schleimige Textur, aber oben genannte Rezeptoren fühlten sich nach Strich und Faden verarscht.

Betrübt gelangten wir zu der Ansicht, dass manche Läden irgendwann nur noch von ihrem alten Namen leben, aber nicht mehr von dem, was man heute als „Kernkompetenz“ bezeichnet.

Memo an die Küche: Feinkost heißt u. a. deswegen so, weil man die feinen Zutaten fein herausschmeckt – nicht, weil ihre Dosierung unterhalb der Nachweisbarkeitsgrenze liegt.

Crazy Kitchen

Manchmal sorgt das Web echt für spannende Ideen. Kürzlich las ich nur das Wort Colabraten und dachte reflexhaft: Igittigittpfuideibelbäh. Ein paar Tage vergingen, dann wollte ich mal wieder Buttermilchkartoffeln als Beilage kochen und griff ins Bücherregal zu meinem Hamburger Kochbuch. Daneben stand das Buch zur ehemaligen TV-Show Kochduell, das mir vor Ewigkeiten zum Geburtstag geschenkt worden war. Zur Erinnerung: Die Aufgabe für die Kandidaten bestand darin, für 15 Mark (da sieht man, wie alt das Werk ist) möglichst absurde Zutaten zu kaufen, welche einen Profikoch vor die heldenhafte Aufgabe stellten, etwas möglichst Delikates daraus zu zaubern.

Als ich das Buch in der Hand hielt, fiel mir der Colabraten wieder ein. Die Buttermilchkartoffeln wurden verworfen, weil ich mich zum Kochduell mit mir selber aufforderte. Der erste Blick auf die seit fast zehn Jahren nicht mehr gelesenen Rezepte ließ mich kurzzeitig am Verstand der Rezepterfinder zweifeln. Edles Lammfleisch mit schnöden Salzstangen kombiniert? Schillerlocken im Kohleintopf? Maronen mit Alete Fruchtbrei für Babies?

Andererseits – mit einem britischen Großvater liegt mir Exzentrik quasi im Blut, also Herausforderung angenommen! Inhaltsverzeichnis aufgeschlagen, Augen zu und mit dem Zeigefinger auf eine beliebige Stelle getippt. Was soll ich sagen… die im Mandel-Mehl-Ei-Milch-Teig frittierten Broccoliröschen war so lecker, dass sie nicht mal lange genug „überlebt“ haben, um für diesen Eintrag fotografiert zu werden.

Nachdurst

… oder besser: Nachhunger. Der Neujahrsmorgen geht ja mitunter – je nachdem, wie wild der Altjahrsabend war – mit einem ziemlichen Kater einher. Oder einem gewaltigen Nachdurst. Da ich selber für gewöhnlich keinen Alkohol trinke – nicht mal den Mitternachtssekt – macht sich eine lange Nacht bei mir immer mit einem kaum zu stillenden Heißhunger auf etwas ganz Ausgefallenes bemerkbar, das in keinerlei Verbindung mit dem am Vorabend Gegessenen steht. So auch vorhin wieder. Ich bin wachgeworden mit einem Riesenhunger auf Melle.

Jawoll, Melle. Die ich zuletzt in dem Jahr gegessen habe, bevor meine Großeltern altersbedingt ihren Gemüsegarten plattgemacht haben. Das war 1989. Vor einem Vierteljahrhundert also.

Folgende Zubereitung à la Oma war in unserer Familie überliefert: Gewürfelten fetten Speck in einem Topf auslassen, bis die Grieben knusprig waren. Die Grieben wurden rausgefischt und beiseite gestellt, dann wurde mit dem Speckfett und eine Mehlschwitze angerührt, welche mit Wasser soweit aufgefüllt wurde, um die Masse nicht zu sehr eindicken zu lassen. Melle hinzugeben und weichkochen lassen. Zum Schluss alles pürieren, mit Kondensmilch für eine gewisse Crèmigkeit sorgen und mit Salz, Pfeffer und Muskat abschmecken. Die Melle auf Salzkartoffeln servieren und die Speckgrieben drübergeben, dazu ein Spiegelei. Voilà.

Die Verwendung von Kondensmilch lässt darauf schließen, dass es sich hierbei um eine kriegsbedingte Variante der Zubereitung handelt, aber das hat dem Genuss keinen Abbruch getan. Spinat mit Blubb konnte jeder – Melle war eine Kunst!

Auch wenn es inzwischen viele Biobauern gibt, die alte Gemüsesorten zu neuem Leben erwecken, stehen die Chancen, kurzfristig mal wieder Melle auf den Tisch zu bekommen, eher schlecht, denn Melle hat wegen ihrer ausgeprägten Verbreitungsfreude immer noch den Status von Unkraut und gilt in vielen Gemüsegärten sozusagen als Pflanze non grata.

Leider – denn der eingangs erwähnte Nachhunger ist immer noch verdammt groß, und die Tatsache, dass wegen bedauerlicher Mängel in der Einkaufsplanung vorhin nur Cornflakes ohne Milch oder kalte Sojaschnitzel von gestern zur Frühstücksauswahl standen, trägt nicht wirklich zur Steigerung der Resttagslaune bei…

ICH WILL MELLE!

Ach, ja – frohes neues Jahr nachträglich, übrigens.