Eine runde Sache

Heute sind die runden Geburtstage von gleich zwei Menschen zu feiern, und wenn ich ausgerechnet mit der deutlich älteren Person beginne, hat das nicht nur etwas mit Ladies first und dem Respekt vor dem erreichten Alter zu tun, sondern dem Lauf der Geschichte. Weiterlesen

Ein fröhliches kleines Weihnachten

20141223-1In weniger als vierundzwanzig Stunden ist es soweit. Dann hat die Dauerrotation von weihnachtlich nuancierten CDs (die älteren Leser werden sich an diese Schallplatte für das Lasergrammophon, den Vorläufer der mp3, gewiss noch erinnern) in den heimischen Abspielgeräten ihren Höhepunkt erreicht.

Nun ist deutschsprachiges Liedgut zur Saison nicht wirklich meins. Die meisten Lieder hören sich für mich entweder an, als sollte die Beerdigung und nicht die Geburt des Religionsstifters (danke, Jochen Malmsheimer, für dieses Bonmot) gefeiert werden, oder sie passen besser zum Karneval. Ich glaube, ich erwähnte schon einmal, fest davon überzeugt zu sein, dass Eine Muh, eine Mäh, eine Täterätätääää bei der übermäßigen Einnahme von Alkohol oder sonstigen Drogen entstanden sein muss.

Man kann dem angelsächsischen Sprachraum nachsagen, was man will – aber Weihnachtslieder, vor allem die weltlich gefärbten, können die richtig gut. The Christmas Song oder I’ll Be Home for Christmas etwa. Wunderschöne Songs mit genau der richtigen Mischung aus Besinnlichkeit und Kitsch.

Ein Lied liebe ich ganz besonders: Have Yourself a Merry Little Christmas – Bereite dir selbst eine fröhliche kleine Weihnacht. Wahrscheinlich, weil es in meinen Ohren am nächsten an den Menschen dran ist. Es erzählt davon, dass man sich selbst ein hübsches kleines Weihnachtsfest bereiten soll, für diese Zeit sind alles Sorgen mal ganz weit weg.

Bei den Zeilen, in denen es grob übersetzt heißt Eines Tages sind wir alle wieder zusammen / Wenn’s das Schicksal erlaubt / Und bis dahin müssen wir uns irgendwie durchpusseln drehen bei mir meist die beiden Fontänen rechts und links des Gesichtserkers auf Wasser marsch. Dieses irgendwie durchpusseln… So prosaisch das klingt, aber darin liegt für mich die Essenz des weltlichen Weihnachtens.

Ihr Lieben da draußen: Erlaubt die kleinen Pannen nicht nur, sondern genießt sie. Denkt an die Zeit zurück, als es noch keine Navis in den Autos gab, und wenn man sich auf einer ziellosen Sonntagsfahrt ins Blaue mal so richtig verfahren hat, lag der größte Spaß doch darin, irgendwie den verflixten Weg zurück nach Hause zu finden. Man kam Stunden später an als geplant, war aber fröhlich und entspannt.

Und dann erlaubt, dass euer Weihnachten genau so ist. Pusselt euch lieber durch und habt Spaß dabei statt nach Perfektion zu streben. Und wenn Mutti dieses Jahr lieber Würstchen und Kartoffelsalat auf den Tisch bringen will statt des üblichen Fünf-Gänge-Menüs… Lasst sie! Damit macht ihr ihr wahrscheinlich eine größere Freude als mit jedem Teil, das ihr in einem Konsumtempel kaufen könnt.

In diesem Sinne wünsche ich allen Freunden und Lesern des Wortgepüttscher a merry little Christmas!

Showtime!

Morgen fahre ich für ein paar Tage zu meiner Schwester. Ein großes Familienfest steht an – mit Kirchgang, Mittagessen, Riesenkaffeetafel und allem Drum und Dran. Auf dem Land sind solche Feste eben nicht nur Feste, sondern auch ein Schaulaufen vor der Nachbarschaft, was man in der Hauswirtschaft so „drauf“ hat und was man sich leisten kann. Die Vorbereitungen für solche Ereignisse sind natürlich enorm, also helfe ich mit dem größten Vergnügen.

Ich liebe solche Riesenauftriebe. Früher waren wir mit allen Onkeln, Tanten und sonstigen Anverwandten um tausend Ecken ein so riesiger Clan, dass jedes Jahr mindestens zwei solch großer Jubelfeiern ins Haus standen. Mitunter sorgte das für logistische Herausforderungen. Nur unser Onkel mit Bauernhof und Deele hatte genügend Platz, um mehr als 40 Gäste gleichzeitig zu empfangen und ein Buffet mit raumfüllenden Speisen wie ein 12-kg-Parmaschinken am Stück und unzähligen Torten zu beherbergen. Bei uns anderen mit normal dimensionierten Mietwohnungen und „Omma ihr klein Häuschen“ war das schon schwieriger, aber nicht weniger schön.

Doch egal, ob trautes Heim, open air mit Bierwagen oder gemieteter Saal – eins war immer gleich: Die eigentliche Feierei fanden wir Heranwachsenden stets öde, darum haben wir uns jedesmal gleich nach Ankunft selbst in die Küche oder hinter den Tresen abkommandiert. Buffet auffüllen, Garderobiere spielen, ein Auge drauf haben, wem nachgeschenkt werden musste, Kaffee servieren, den Betrieb hinter der Theke schmeißen. Wer mit zwölf noch kein Bier so zapfen konnte, dass die Erwachsenen zufrieden waren und uns fünfzig Pfennig oder gar eine Mark für die nach der Feier gerecht aufgeteilte Gemeinschaftskasse zusteckten, hatte einen bannig schweren Stand! Halbwüchsig, wie wir waren, sahen wir uns als die eigentlichen Chefs der ganzen Chose. Futtern, saufen trinken und schnacken konnte jeder – aber WIR hielten die Show am Laufen!

Die Erwachsenen haben sich milde lächelnd zurückgehalten, uns machen lassen und sich gefreut, dass sie dadurch mehr Zeit zum Klönschnack hatten.

Tja, am kommenden Sonntag bin ich dann in der Rolle des milde lächelnden Erwachsenen. Fühle ich mich alt damit? Nö, überhaupt nicht.

Alt fühle ich mich mit der Tatsache, dass mein Neffe und seine Konfirmation der Anlass für dieses Familienfest sind. Der Junge ist vierzehn, dabei könnte ich schwören, meine Schwester hat ihn gestern erst entbunden!