Tusch des Schreckens

Wieder mal bin ich spät dran mit der Bloggerei. Wieder gibt es gute Gründe:

Erstens: Mein allsonnabendliches Samurai-Sudoku im Hamburger Abendblatt war heute so verflixt knifflig, dass ich nicht eher dazu gekommen bin.

Zweitens: Bis vor ein paar Minuten war ich drauf und dran, euch darüber zu informieren, dass es hier von mir nichts mehr zu lesen gibt und mich dann zu verabschieden.

Warum? Kann ich euch sagen! Weiterlesen

30 Songs, die einfach zum Leben gehören

Ist das Wetter dieser Tage nicht herrlich? Natürliches Licht im Übermaß und Temperaturen, wie sie schöner nicht sein könnten. Heute Morgen war ich schon um fünf Uhr zum Sport, und anschließend habe ich mein Frühstück auf dem Balkon genossen.

Zum Schreiben ist es inzwischen allerdings viel zu warm, also mache ich es mir einfach. In den Social Networks spukt mal wieder eine „Challenge“ herum, und weil die wirklich wenig Arbeit macht, muss sie heute als Thema herhalten.

Es ist ganz leicht.

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Jetzt ham’wa den Salat!

Quatsch – jetzt ham’wa die Begonien, den Bienenfreund, die Petunien, die Wicken. Und was sonst noch so in meinen selbst gezogenen und ausgesäten Samenmischungen für den Balkon zu finden ist. Bisweilen sogar eine Sonnenblume.

Neulich habe ich hier in diesem Theater von den kecken Meisen und dem schüchternen Rotkehlchen berichtet, die uns zwecks Nahrungsaufnahme in unserem selbst gebastelten Fly in-Café auf dem Balkon besuchen. Selbiges wird allerdings inzwischen von uns nicht mehr befüllt, eben weil im Sommer nicht die Saison dafür ist und auch der Winter nicht wirklich so hart war, um ein Futterhäuschen notwendig zu machen. So’n Vogel ist allerdings auch nur ein Mensch. Weiterlesen

So wird der Winter richtig schön…

Was war eigentlich zuerst da? Die Bäckerblume oder die Apotheken Umschau? Ist ja eigentlich auch egal, gelesen habe ich beide noch nie. Trotzdem sind kostenlose Zeitschriften in unserem Haushalt nicht unbekannt, man kommt daran ebenso wenig vorbei wie an den vielen Prospekten, die einem trotz Hier keine Werbung-Aufkleber immer wieder in den Briefkasten geschoben werden. Im Grunde genommen sind diese Blätter doch nichts anderes als zwanzig bis vierzig Seiten Werbung, sehr dünn hinter Pseudo-Journalismus versteckt, um den Weg zum Altpapiercontainer eventuell ein bisschen hinauszuzögern und die Werbebotschaften doch etwas besser an den Mann zu bringen als nur mit einem schnöden Toilettenpapier: 1,99 € – aber nur am Supersondermegaspecialeinkaufsdienstag. Weiterlesen

Ein gemütlicher Abend

Die nicht-platten Leser haben bestimmt schon drauf gewartet – heute gibt’s die hochdeutsche Übersetzung des plattdeutschen Artikels vom letzten Montag. Viel Spaß damit! Weiterlesen

Een kommodigen Obend

Sünnobend, 03.09.2016 – meist Klock söben

Nu is de Sommer al doch no in de Pampuschen kamen. Ofschoon dat intwüschen to de Tagesschau-Tiet al wedder met de Schummeree losgeiht, is dat al foken so worm, datt een ook no Middernacht in Weiterlesen

Keine Routineangelegenheit, Ma’am

Jetzt mache ich diesen Affentanz nun schon zum sechsten Mal mit, und ich habe mich immer noch nicht daran gewöhnt. Wenn man es genau nimmt, ist es sogar schon Weiterlesen

Warum eigentlich nicht?

Moin!

Versprochen ist versprochen – hier die die hochdeutsche Übersetzung des plattdeutschen Artikels vom letzten Freitag. Viel Spaß! Weiterlesen

Worüm eenich nich?

Moin!

Auch im April gibt’s wieder einen plattdeutschen Artikel. Die Übersetzung für die nicht-platten Leser kommt wie immer ein paar Tage später. Viel Spaß beim Lesen! Weiterlesen

Völlig losgelöst

Gestern waren mein Mann und ich auf dem Trödelmarkt im Dortmunder Westfalenpark. Viermal im Jahr findet er statt, und es ist immer eine ganz schöne Veranstaltung, besonders die im Sommer: Ein echter Trödelmarkt mit Weiterlesen

Revierkämpfe

Da sie sich scheinbar besonders in Österreich großer Beliebtheit erfreuen, wie der Grünkohl-Montag gezeigt hat, zum Wochenausklang nochmal eine kleine Anekdote aus meinem wildbewegten Ehe- und Küchenleben:

Seit gut zwei Jahren gehen mein Mann und ich getrennte Wege. Also, kulinarisch, meine ich. Seit 2012 bin ich Vegetarier. Anfang des vorletzten Sommers waren mein Mann und ich spazieren. Wir hatten Lust auf ein Eis. Was macht man im Ruhrpott, wenn keine Eisdiele in der Nähe ist? Man geht zum nächsten „Büdchen“ und kauft sich ein Industrieeis. Nachdem ich binnen zehn Minuten drei verschiedene Sorten Eis jeweils nach dem ersten Bissen weggeworfen hatte, weil ich das Gefühl hatte, nur in schieres Fett und schieren Zucker zu beißen und nicht in etwas, das angeblich auch nach Erdbeer oder Mandel schmecken sollte, habe ich künftig generell die Finger von solchem Zeug gelassen.

Nach und nach schien sich mein Geschmack radikal zu verändern. Dinge mit Raffinadezucker, wie etwa Limonaden oder Süßigkeiten, schmeckten mir immer weniger, ich stieg auf selbstgebrühte, ungesüßte Tees, Mineralwasser und Obst um.

Auch die Lust auf den Geschmack von Fleisch kam mir immer mehr abhanden. Sätze wie „Bring heute vom Schlachter nur ein Kotelett für dich mit, ich will keins. Bring mir lieber alles für ’nen frischen Salat mit“ häuften sich, wenn mein Mann und ich das Mittagessen planten. Bis der Tag gekommen war, an dem ich ganz aufhörte, Fleisch(produkte) zu essen. Kein Schnitzel mehr, kein Gulasch mehr, keine Salami aufs Brot mehr, kein Stück Fleischwurst „aus der Hand“ mehr. Einfach, weil es mir nicht mehr schmeckte.

Es war also keine Gewissensentscheidung. Als Jung vun’t Dörp bin ich mit Nutzviehhaltung aufgewachsen. Der Sau Berta heute noch den Rücken zu kratzen und morgen aus ihrem Blut den berüchtigten Swattsuuer (Schwarzsauer) zu kochen ist für mich normal und okay. Es gibt nun mal Lebewesen, die andere Lebewesen zur Ernährung nutzen. Löwen fressen Gnus, Ameisen melken Blattläuse, Kuckucksvögel lassen andere Vögel ihren Nachwuchs durchfüttern, Menschen futtern Schweine und Kühe. Mother Nature’s Plan, Fact of Life.

Natürlich stimmt bei uns was nicht, wie es dazu kommt, dass Tiere und Tierprodukte bei uns auf dem Teller landen, da ist Mother Nature’s Plan gehörig aus dem Takt gekommen, aber das soll heute nicht das Thema sein. Sonst wird der Artikel einfach zu lang. Kurzum: Ich habe kein Problem mit Nutztierhaltung, solange sie vernünftig geschieht. Mein Vegetarierdasein beruht ausschließlich auf geschmacklichen Erwägungen.

Missionarischen Eifer sucht man daher bei mir vergebens. Jeder soll seine eigene Entscheidung treffen, was und wie er essen möchte. Es ist okay, andere höflich zu informieren, wenn man gefragt wird. Aber dieses ungefragt über Andere bestimmen oder sie beeinflussen zu wollen geht mir selber gehörig auf den Geist. Manchmal kommt es mir vor, als seien viele Hardcore-Vegetarier/-Veganer die Kreuzzügler des 21. Jahrhunderts, die alles niedermetzeln, was ihren Glauben nicht teilt. Grüniban, sozusagen. Mit diesen Zeitgenossen möchte ich, bitteschön, nicht verwechselt werden. Jedem sei sein Essen und wie er es sich beschafft von Herzen gegönnt, weil ich einfach an das selbstbestimmte Leben glaube und daran, dass ein friedliches Miteinander von Fleischfreunden, Vegetariern und Veganern möglich ist.

Darum bin ich mir auch nicht zu schade, anderen Fleisch zuzubereiten. Mein Mann bekommt immer noch von mir die Leber mit Zwiebeln und Himmel & Erde nach Omas Rezept, wenn er sich das wünscht. Basta. Auf der anderen Seite koche ich auch zusätzliche Gerichte für Vegetarier und Veganer, wenn wir Gäste haben. Das macht zwar ’n büschen mehr Arbeit – aber jemandem, der gerne kocht, macht es doch gar nichts aus, ob er mit drei, vier Töpfen mehr hantieren muss. Wo ist also das Problem?

Ich esse eben nur selber kein Fleisch mehr. Also runter vom Speiseplan damit, und zwar nur von meinem ganz persönlichen.

Das führte zwangsläufig dazu, dass bei uns jetzt bisweilen zwei Essen gekocht werden. Zu Anfang klappte das ganz gut, weil ich mitten im Sommer umschwenkte und erstmal nur Rohkostsalate aß, weil das bei 28° im Schatten ohnehin erfrischender ist als warme Mahlzeiten. Auch der erste Winter war okay. Ich kannte noch nicht so viele rein vegetarische Rezepte, wodurch mein Speiseplan recht einfallslos war, sich vieles wiederholte und weil der große Kochpott mit einer dreistöckigen Dünst-Etagere nicht viel Platz braucht. Auch zwei Eintöpfe, die bis auf die Zugabe der fleischlichen Zutaten vollkommen gleich waren, gingen problemlos vonstatten.

Doch allmählich füllte meine Rezeptkladde sich, ich fing an vermehrt zu schnippeln, rührte hier ein Sößchen an, briet dort was an und brauchte zunehmend mehr als eben nur den Topf mit der Dünst-Etagere. Solange mein Mann sich bei meinem Grünzeug mitbediente und es als Beilage brauchte, war das kein Problem. Nur wenn er auf so ganz was anderes Lust hatte, wurd’s heikel. Dialoge wie diese häuften sich:

„Was waren das noch für Zeiten, als du mit einer Herdplatte ausgekommen bist. Jetzt breitest du dich so aus, dass jeder Pott seine eigene Postleitzahl braucht.“ – „Guck dich doch selbst an – du bist der einzige, der sich für ein einziges lausiges Schnitzel eine zehn Meter lange Panierstraße baut!“

Aber irgendwie lavierten wir uns durch Situation immer hindurch und schafften es dabei sogar, das wir uns gleichzeitig zum Essen niederlassen konnten.

Bis zum Tag, der als „Kampf der Titanen“ Einzug in die Ehechronik gehalten hat. Es war ein Sonntag, und da kochen wir gerne etwas ausgiebiger, weil gemeinsames Küchengepüttscher bei einem guten Hörspiel einfach kommodig ist.

Auf meinem Menü stand: Salat mit warmen Paprikastücken als Vorspeise, Kartoffel-Möhren-Crèmesuppe mit weißen Bohnen als Hauptgericht und selbstgemachtes Apfelkompott als Dessert. Ich brauchte: Drei Töpfe, den Thermomix, drei Rührschüsseln und die Bratpfanne, weil ich inzwischen gelernt hatte mit Honig oder Agavensirup anzubraten statt Fett, ohne dass ich hinterher Bonbons hatte. Dazu der entsprechende Platz, vor allem sämtliche vier Herdplatten.

Auf meines Mannes Menü stand: Fleischbrühe mit Nudeln und Eierstich, natürlich mit selbst zubereiteter Brühe. Steak mit Bratkartoffeln und Speckböhnchen. Vanille Vla. Letzterer kam zum Glück aus dem Tetra Pack, doch allein für Vorspeise und Hauptgericht brauchte er: Drei Pötte, den Thermomix und zwei Bratpfannen. Dazu der entsprechende Platz, vor allem sämtliche… (siehe oben).

Was soll ich sagen – wir tänzelten um einander herum und sahen dabei längst nicht so majestätisch aus wie dereinst Rudolf Nurejew und Margot Fonteyn. Wir rangelten eher wie ungezogene Schuljungs um den besten Platz in der Milchschlange vor der großen Pause.

Als wir uns zum dritten Mal gegenseitig so richtig auf die Füße getreten waren, sahen wir einander an, und in unserem stummen Blick lag eine feierliche Übereinstimmung: Wir brauchen einen zweiten Herd.

Oder besser gleich eine zweite Küche.

Sommerklänge

Sommerklaenge

Auch weniger regelmäßige Leser dürften inzwischen gemerkt haben, dass die Stadt, in der ich wohne, und meine Wenigkeit ein nicht ganz unbelastetes Verhältnis zu einander haben. Das wird wohl auch weiterhin so bleiben.

Es bleibt aber auch dabei, dass das Quartier, in dem ich mit meinem Gemahl lebe, eine durchaus kommodig lebbare Alternative bleibt, bis wir endlich alle Hindernisse aus dem Weg geräumt haben, die uns derzeit noch daran hindern, unsere Zelte an der Elbe aufzuschlagen.

Das zeigt sich besonders in den Sommernächten. Wenn man es sich dann mit Lieblingsgetränk nebst -buch auf dem von Windlichtern und Laternen sanft illuminierten Balkon bequem macht, wird unsere Stereoanlage in der Küche, über die ich eigentlich nun Vaya Con Dios, Miloš Karadaglić oder Michael Falch hören würde, nahezu überflüssig. Aus irgendeinem offenen Fenster, von irgendeinem anderen Balkon bekommt man nämlich immer ein Live-Konzert serviert. Mal begleitet sich jemand selbst zu Connie Francis‘ Second Hand Love auf dem Klavier und klingt dabei besser als damals bei der Originalaufnahme Frau Francis‘ eigens engagierter Pianist Floyd Cramer. Mal hört man einem Gitarristen zu, was er aus Guitar Tango von The Shadows macht, und zu einer anderen Gelegenheit hört man eine wunderschöne A-Cappella-Version des neapolitanischen Traditionals Statte vicino a ‚mme.

Passend zum offiziellen Sommeranfang haben diese sommerbendlichen Live-Konzerte wieder begonnen. Am vergangenen Freitag hat sich sogar jemand sehr erfolgreich an dem nun wirklich nicht leicht zu singenden Capri C’est Fini von Hervé Vilard versucht, bevor wir mit Calm After the Storm von The Common Linnets einen ganz aktuellen Song dargeboten bekommen haben.

An solchen Abenden herrscht Frieden zwischen der kleinen Stadt im Pott und mir.