Hamburger Episoden

Durch den Beitrag von letzten Montag ist bekannt, dass ich wohlbehalten aus Hamburg zurückgekehrt bin. Selbstverständlich ist das allerdings nicht. Beinahe wäre ich nämlich auf die Hörner genommen worden. Weiterlesen

Football is geil!

Eens is klor: Mit düsse Överschrift heff ik tominnest de Opmerksomkeit vun de Lüüd seker, de mi wat böter kennt. Un se all denkt nu: „Wo hett de denn sien Verstand begrasmarmeln loten? De seggt doch sünst ganz wat anneres.“ Weiterlesen

Montagmorgen

Dieser Tage fällt es wirklich nicht leicht, mit einer positiven Grundeinstellung durch das Leben zu gehen. Zu vieles läuft quer, ist aus dem Ruder geraten, verweigert sich jedem gesunden Menschenverstand. Weiterlesen

Meine Milch und das Spiel um einen Thron

Moin! Vorgestern war mal wieder Plattdüütschtag hier im Blog – folglich gibt’s heute die Übersetung für alle Nicht-Platten. Viel Vergnügen! Weiterlesen

Mien Melk un dat Speel um een Thron

Moin! Es wird mal wieder Zeit für den allmonatlichen Beitrag op Platt – die hochdeutsche Übersetzung wird wie immer in Kürze nachgereicht. Viel Spaß beim Lesen! Weiterlesen

Nach dem Abpfiff (und noch ein bisschen länger)

Wenn man in einer Stadt namens Dortmund wohnt, begegnet einem das tagtäglich an jeder Ecke – Autokennzeichen, lokaler Slang, Straßenschilder. Erleben die Einwohner von Frankfurt, München und Herford mit ihren eigenen Städten wahrscheinlich ganz genau so.

Dass man obendrein in einer Fußballstadt wohnt, zeigen Weiterlesen

… und es kam schlimmer!

Da hatte ich gedacht, mit meiner kleinen Einlassung zum Genuss von Energy-Drinks mit besonderem Aroma die tiefsten Abgründe des Getränkekonsums beschrieben zu haben, da setzt der Einzelhandel noch einen drauf.

Denn in just dem selben Supermarkt Weiterlesen

Fragen Sie Frau Hannelore!

Gibt’s eigentlich noch diese Rubrik in Illustrierten, wo etwa eine Frau L. aus M. an der R. oder Herr W. aus H. ein Problem schildert, das dann (vermeintlich) von der weisen Frau auf dem Foto neben der etwa „Fragen Sie Frau Hannelore!“ oder „Ihr Kummer, meine Hilfe“ lautenden Überschrift gelöst wird?

Mit knapp zweiundvierzig stecke ich mitten in der Phase, in der Weiterlesen

Tick-tack

Eigentlich wollte ich heute von der widerlichen Frechheit schreiben, die in der nonchalanten Gleichgültigkeit liegt, welche die Fußballwelt ihren straffällig gewordenen Prominenten angedeihen lässt. Aber der Stundenschlag der altmodischen Uhr in unserer Küche hat mich daran erinnert, dass es Zeitverschwendung ist, sich dem Thema Fußball überhaupt zu widmen. Es hat mir auch gezeigt, wie sehr man sich an ein Geräusch gewöhnen kann.

Es passiert nämlich nicht oft, dass ich den Gongschlag bewusst wahrnehme. Ganz anders als damals, als mein Mann das Ding, ein Erbstück von seinem Großvater, mit nach Hause gebracht hat. Da hatte ich das Gefühl, uns wäre das Läutwerk von Big Ben in die Küche montiert worden. Nicht so groß, aber so laut. Dabei hat das Ding nur einen ganz normalen Gong, keinen Westminsterschlag!

Ich übertrieb, wie so oft… Schon nach einer Woche gehörte die Uhr genauso zu unseren Haushaltsgeräuschen wie das Zischen der Kaffeemaschine. Es war ja auch nicht so, als hätte ich nicht schon meine Erfahrungen mit Uhren in diesem Haushalt gehabt. Als ich meinen heutigen Mann kennenlernte und das erste Mal auf „Hausbesuch“ war, fiel mir die unheimliche Fülle an Uhren auf. Er sammelte damals nämlich Uhren, alleine im Wohnzimmer hingen mindestens sechs Stück. UND ALLE LIEFEN!

Nix da mit einem gemütlichen tick-tack-tick-tack… Das ging tick-töck-teck-täck-tück-tock-tuck-tick-töck wie bei einem manischen Kolibri mit Herzrhythmusstörungen. Unmöglich, bei einem solchen Radau sich mal ein kleines Sonntagnachmittagsschläfchen zu gönnen.

Doch auch dieses Geräusch hörte ich irgendwann nicht mehr. Es fehlte mir sogar, als im Rahmen einer Renovierung fast alle Uhren wegkamen. Denn man gewöhnt sich – wie gesagt – an alles.

Nur an eins konnte ich mich nie gewöhnen. An seinen Radiowecker. So ein ganz normales Teil mit rotem Display nebst Radio. Und einer elektronischen Weckfunktion. Einer lauten elektronischen Weckfunktion. Einer SEHR lauten elektronischen Weckfunktion. Einer SEHR, SEHR, SEHR LAUTEN ELEKTRONISCHEN WECKFUNKTION, DIE IRGENDEIN UNMUSIKALISCHER SPINNER MIT DER AUF SO EINER BEKLOPPTEN SCH*** BONTEMPI-ORGEL EINGESPIELTEN VARIATION EINES KLASSISCHEN MUSIKSTÜCKS GEFÜTTERT HATTE!!!

Das Stück mag zwar Für Elise gewesen sein, aber es war gegen eine humane Weise morgens geweckt zu werden. Und darum ist er mir eines Tages beim Putzen… ähem… hüstel… „versehentlich“ runtergefallen.

Throwback Thursday – Persönliches 2014

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Es menschelt!

Heute gibt’s meine ganz persönlichen Highlights 2014 live aus dem Leben, nachdem die vergangenen drei der insgesamt vier Throwback Thursdays im Advent sich um die Weiterlesen

Nur drei Buchstaben…

Hach, was war das heute für eine tolle Laufrunde… Siebzehn Kilometer und somit nur noch von vier von meinem Trainingsziel Halbmarathon entfernt. Ich war richtig beflügelt, als ich die letzten Meter zwischen meiner eigentlichen Laufstrecke und zuhause in lockerem Entspannungstrab zurücklegte.

In der Nähe des Westfalenstadions hielten mich zwei asiatische Touristen an. „Excuse me…? Can you help us?“ kam es zögernd von den beiden, junge Kerls so um die Zwanzig.

„Good morning“, erwiderte ich fröhlich. „What can I do for you?“

Um das Ganze abzukürzen: Die beiden fragten mich sehr höflich nach dem Weg zum BVB-Fanstore, ich erklärte selbigen. Dann fragten sie noch, warum am Stadion nicht Westfalenstadion, sondern der Name eines Versicherungskonzerns stünde, und ich erklärte auch das: Bruch mit alten Traditionen für schnöden Mammon.

Die beiden bedankten sich höflich und verabschiedeten sich: „Have a nice day…“ Und, quasi wie ein zusätzliches Aufblitzen: „… Sir!“

Toll.

„Sir“ hatten sie mich genannt, mich mit jenem Wort belegt, das einen Mann schlagartig um ganze Dezennien altern lässt.“Have a nice day!“ – die hatten gut reden mit ihrem „Sir“… Gerade eben hatte ich mich noch wie Chris Meloni gefühlt: In den besten Jahren, fit wie ein Turnschuh, True Blood-Hauptdar… Naja, zumindest Nebendarstellermaterial. Doch ein Wort, ein einziges Wort mit lausigen drei Buchstaben hatte gereicht, dass ich mir nun vorkam wie Bruce Forsyth.

Fanclub? Nein, danke!

20141029-01Gestern Abend bin ich bei Facebook eingeladen worden, Mitglied der Fangruppe eines britischen Künstlers zu werden, den ich sehr schätze. Ich habe abgelehnt. Das journalistische Trara der letzten Tage nach der Parodie auf eine bekannte Sängerin durch die Komikerin Carolin Kebekus hat mich daran erinnert, warum ich selber jegliche Aktivitäten als organisierter Fan komplett eingestellt habe.

Fan zu sein ist eigentlich ganz schön. Man hat etwas, das einem Freude bereitet, und kommt darüber hinaus noch in Kontakt mit anderen Menschen, die ähnlich empfinden. Problematisch wird es oft erst, wenn das Ganze organisierte Formen annimmt. Ich war selber jahrelang Mitglied eines Fanclubs einer international bekannten Sängerin, hab’s bis zum stellvertretenden Vorsitzenden gebracht mit allem Drum und Dran, vor allem ganz viel Fanbetreuung.

Zu Anfang hat es sehr viel Spaß gemacht, doch irgendwann mehrten sich die Fans, denen jedes gesunde Maß fehlte, die den Star auf einen so hohen Sockel stellten, dass es an Götzenverehrung erinnerte.

Solche Fans sind beängstigend. Jede Kritik ist bei ihnen verboten. Dabei ist konstruktive Kritik doch genau das, was jeden Menschen wachsen lässt. Doch in den Augen dieser Fans ist alles von „ihrem“ Künstler ab-so-lut per-fekt. Dass der Star sich hingegen bei Meet & Greet-Veranstaltungen öffentlich dankbar für Kritik zeigt und dafür, wenn nicht zu allem „Ja und Amen“ gesagt wird, interessiert diese Fans nicht. Für sie ist Star X gottgleich und somit unfehlbar.

Zudem bekommen diese Fans nie genug, verlieren jedes Augenmaß für eine gesunde Distanz. Da ist zum Beispiel die ständige Forderung nach Songmaterial, das seit Jahren unveröffentlicht in den Archiven ruht. „Das ist er/sie uns schuldig! Ohne uns wäre er/sie nix geworden!“

Entschuldigung, aber ein Star schuldet seinen Fans nichts. Rein gar nichts. Klar, die Entscheidung für eine solche Karriere in der Öffentlichkeit ist freiwillig und die Fanbegeisterung trägt den Star. Trotzdem bringt sie eine Menge Verzicht mit sich, wenn besagter Star für die Fans Woche um Woche auf Tour, im Studio, in TV-Shows verbringt, ständig im Fokus der Allgemeinheit und keinen Atemzug tun kann, der nicht beäugt und kommentiert wird. Insofern sind die Fans in der Schuldnerposition – ihre Forderungen sind irrelevant, vielmehr schulden sie ihrem Star den Respekt vor dessen Entscheidungen.

Eine solche Ansicht sollte man nicht offen aussprechen, wenn man in einem Fanclub aktiv ist. Denn dann kann ein Sturm losbrechen, gegen den die Reiter der Apokalypse wie kalifornische Men Stripper daherkommen. Von ABBA über Helene Fischer und Madonna bis ZZ Top: Es zieht sich durch alle Äras und Musikstile – und betrifft neben Musikern auch Schauspieler, Schriftsteller, Fußballer, Fußballvereine, Adelshäuser, die Fantasywelt von Harry Potter und Herr der Ringe… Die Reihe ließe sich beliebig fortsetzen.

Mir kommt gerade eine Szene aus The Golden Girls in den Kopf: Dorothy ist wegen einer unpassenden Bemerkung aus Blanches Elvis Presley-Fanclub geworfen worden. Blanche rät: „Vielleicht solltest du dir eine Gruppe suchen, die etwas weniger fanatisch in ihrer Ergebenheit ist“. Darauf Dorothy: „Wie was, Blanche? Die PLO?“

Genau so habe ich mich in meinem Fanclub kurz vor dem Ausstieg auch gefühlt. Beschimpfungen, Verleumdungen und was weiß ich noch alles von seiten dieser Über-Fans vergifteten zunehmend das Klima. Fan = Fanatismus. Hier stimmte es, und es hat mir wirklich Angst bereitet. An diesem Punkt konnte ich nur aussteigen. Das Geschehene hat meine Einstellung zum Fan-Sein vollkommen verändert. Ich höre „meine“ Künstler nach wie vor gerne, doch mich nochmal fanmäßig organisieren?

Im Leben nicht.

Sand in den Schuhen…

20131130-01… und völlig falsche Vorstellungen im Hirn.

1973 war insgesamt ein gutes Jahr: Luxemburg gewinnt mit einem wirklich schönen Lied den Grand Prix Eurovision. Der US-Wissenschaftler Martin Cooper benutzt das allererste Mobiltelefon. Elvis Presleys Aloha from Hawaii-Konzert bricht alle Rekorde.

Ob mein Erscheinen auf diesem Planeten auch zu den guten Ereignissen gehört, können allerdings nur meine Eltern beurteilen. Jedenfalls bin ich ein waschechtes Kind der 1970er, so richtig mit Bazooka-Kaugummi, Snickers in der roten Verpackung, Muppet Show im Fernsehen, Bernard und Bianca im Kino und Hui Buh auf Schallplatte. Nicht zu vergessen die ZDF-Hitparade mit Dieter Thomas Heck. Da gab es irgendwann mal ein Lied Ich hab‘ noch Sand in den Schuhen aus Hawaii; Bata Illic sang von seligen Urlaubserinnerungen und wie anders es doch zuhause ist.

Wir haben das Phänomen alle schon mal erlebt: Der Limonenlikör, der abends auf der Hotelterrasse mit Blick auf die Bucht von Palermo so wunderbar schmeckt, wird nach dem ersten Verkosten auf der heimischen Terrasse im Ausguss der Spüle versenkt. Das schicke bunte T-Shirt mit dem I’m too sexy for this shirt-Aufdruck, das so richtig zum sonnigen Strandleben gepasst hat, wirkt im grauen Ruhrpott viel zu schrill und wird zur Dunkelhaft im Kleiderschrank verdonnert. Et cetera.

Heute wurde ich an einen eigenen solchen Fehltritt erinnert. Der Winter naht mit großen Schritten, also der ideale Zeitpunkt, das zu tun, was man über den ganzen Sommer hinweg vor sich hergeschoben hat. Bei mir heißt das gelegentlich „Aufräumen des Kleiderschranks“. Dabei bin ich auf ein Paar Schuhe gestoßen. Auf dem Boden lagen sie, ganz hinten an der Rückwand, unter einem Stapel mit nicht sortierter Socken (auch so eine Baustelle!) vergraben. Vier, fünf Jahre müssen sie da gelegen haben. Aus den Augen, aus dem Sinn. Aber warum? Ich hatte sie doch wirklich gerne gekauft und getragen. Zumindest damals. Im Urlaub. An der Ostsee. Im Mai. Zur Rapsblüte.

Genau. Die Rapsblüte hatte den Ausschlag gegeben. Denn in genau so herrlich strahlendem Gelb, wie der Raps sich im Mai in Ostholstein präsentiert, hatten auch die Schuhe in dem kleinen Laden an der Strandpromenade um Käufer gebuhlt. Die schmalen schwarzen Zierstreifen hatten das Gelb noch betont. Anprobiert, für bequem befunden, gekauft. Und natürlich auch getragen.

Dann war der Urlaub zu Ende. Ich nahm die Schuhe natürlich mit nach Dortmund, wo ich und mein Lieblingsmensch wohnen. Dort waren mir noch paar freie Tage vergönnt, an denen ich die Schuhe natürlich auch trug. Ich trug sie sogar, als es am ersten Arbeitstag wieder ins Büro ging. Bis mein Kollege während der Mittagspause auf dem Weg in die Kantine sagte: „Ziehst du die morgen auch zum Heimspiel an?“

Es dauerte eine Weile, bis bei mir der Groschen fiel. Klar. Dortmund. Schwarz-gelb. Nix mit Raps – in Dortmund ist man als absoluter Fußball-Nihilist mit dieser Assoziation ziemlich alleine. Ende der Urlaubsillusion. Aber ich verstand, warum mein Lieblingsmensch mich gewarnt hatte, dass ich diesen Kauf noch bereuen würde.