Wie soll ich DAS meinem Biographen erklären?

„Treibt Sport, oder ihr bleibt gesund“ – dieser Stoßseufzer ist wohl jedem Sportler mal über die Lippen gekommen, der Opfer einer Malaise in Verbindung mit seiner Leibesertüchtigung geworden ist. Und was haben sie nicht alle für Heldenepen zu erzählen. Beim Radfahren in den Graben gefallen, und um gefunden zu werden, mussten sie von Hand das kleine Rädchen am Dynamo drehen, um so ein schwaches Glimmen der Lampe zu erzeugen. Beim Sportfischen von einem besonders wehrfreudigen Hecht mitgerissen worden und fast ertrunken. All so was.

Da komme ich mir jedes Mal richtig mickrig vor, wenn mir was passiert. Weiterlesen

Check!

Hallo, Leute,

hier bellen, äh, schreiben die beiden Haushundeherren aus dem Writing Retreat für den Typen, der sonst hier tickert.

Eigentlich ist er ja noch ein paar Tage bei uns, aber heute ist er mal unterwegs in seine „Nekropole“, wie er immer sagt. Ist ja nur eine Station mit dem ICE.

Zuerst haben wir gedacht, dass er einen Lagerkoller hat. Er ist ja schon ein paar Tage bei uns draußen auf dem Land. Aber dann haben wir gehört, dass er heute einen Termin bei seinem Medizinmann hat. Nichts Wildes, nur der regelmäßige 35+ Check up. Blutabnahme für den Labortest, Belastungs-EKG und so weiter waren schon am vorletzten Freitag, bevor er zu uns gekommen ist. Heute geht’s zur Besprechung der Werte.

Dafür muss auch so ein Writing Retreat (Wisst ihr eigentlich, was das ist. Wir bellen kein Englisch…) mal einen Tag hintenan stehen. Oder auch mit uns zu spielen.

Und wisst ihr was, Leute? Das finden wir vollkommen in Ordnung, denn der macht das genau richtig. Wir gehen ja auch nicht gerne zum Tierarzt, aber was muss, das muss!

Redet euch nicht ein, dass andere Dinge wichtiger sind. Schiebt nichts vor, sondern geht auch regelmäßig zu eurem Doc. Einfach weil Gesundheit das Wichtigste ist.

Schönen Montag… und: Wuff!

 

PS: Und keine Sorge – wir sind nicht alleine! Der Mann von dem Wortgepüttscher-Typen kümmert sich heute um uns!

PPS: Wir haben leider kein Foto für euch – die Kameraknöpfe sind für unsere Pfoten einfach zu klein. Unsere Selfies sehen dann immer so bescheuert aus.

Rituale

Keine Ahnung, ob ich mich hier ein wenig zu lustig über die ganz und gar nicht winterlichen Temperaturen gemacht und die Gottheit Bazillitis zusätzlich verärgert habe, indem ich an jenem Tag nicht in meinen langen, sondern in den kurzen Sportplünnen zum Jogging war (aber es waren doch 14° plus…), jedenfalls liege ich seit gestern ziemlich auf der Nase. 37,9° Körpertemperatur, Kopf wie ein zum Bersten vollgepackter Seesack, Gefühl auf der Zunge, als hätte ich einen Hamsterkäfig ausgeleckt, Sturmflut in der Nasenhöhle mit Deichbruch – das volle Programm.

Dass schwule Männer sich in Punkto Umgang mit einer Erkältung überhaupt nicht von heterosexuellen Geschlechtsgenossen unterscheiden, habe ich schon mal beschrieben, darum will ich heute nicht wieder über Jammergestalten und Krankheits-Nihilisten referieren, sondern über eine andere Facette dieses Zustands schnacken.

Ist man erkältet, geht es einem naturgemäß durchaus dreckig. Also sucht man nach Mitteln und Wegen, sich die Zeit so angenehm wie möglich machen. Schlafen, stricken, auf der Playstation zocken, Kreuzworträtsel lösen… Alles ist möglich.

Meiner einer hört in dieser Zeit Hörspiele. Wer mich genauer kennt, wird das nicht für weiter verwunderlich halten, denn eigentlich höre ich ständig Hörspiele. Die sind dann aber für Erwachsene, z. B. Adaptionen von klassischen Geistergeschichten aus viktorianischer Zeit wie The Ash Tree nach M. R. James oder The Haunted Woman nach Allen Upward.

Bin ich jedoch krank, drehe ich das Rad der Zeit weit, weit zurück. Dann höre ich – inzwischen immerhin fast 41 Jahre alt – plötzlich wieder Hui Buh, das Schlossgespenst oder Die Hexe Schrumpeldei und andere Klassiker meiner Kindheit.

Bis zum Kinn in die Buntkarierten eingemummelt sein und Spuki, das Schreckgespenst von Schloss Fürstenfurt auf nächtlichen Streifzügen und Enid Blytons Fünf Freunde hoch zu Ross durch ein vernebeltes Moor zu begleiten, mit der Lok 1414 von Altstadt nach Neustadt zu fahren oder ein aufregendes Schuljahr mit Hanni und Nanni (nicht lachen, ein paar Klischees muss man ja erfüllen) zu erleben, hat sowas Tröstliches.

Es versetzt einen in eine Zeit zurück, als alles irgendwie unbeschwerter und unschuldiger war. Allein durch solche Rituale geht es einem schon irgendwie besser.

Das ist aber auch alles, was ich an Kommodigkeit ertragen kann. Für meinen Mann gilt weiterhin die Parole: „Wag es ja nicht, mich zu betüddeln, dann geht das hier ohne Verletzte ab!“

Das war’s für heute aus der Wortpüttscherei. Falls mich jemand sucht – ich bin erstmal wieder auf Schloss Burgeck in der Fledermausturmkammer. Hui Buh!