Herbstmalaisen

Kennt ihr noch Theo Lingen? Der hat immer so durch die Nase gesprochen, „näseln“ heißt das auch, und er hat dabei immer so fein und schick geklungen. Dieser Tage spreche ich auch durch die Nase, aber bei mir hört sich das nur krank an.

Kaum ist der Herbst ins Land gekommen, hat mich auch schon die erste Erkältung beim Kanthaken. So schnell ist das noch nie gegangen! Ich habe Kopfschmerzen, meine Füße sind kalt, aber meine Stirn ist heit. Wenn ich mich so im Spiegel betrachtet, ist es echt ein Wunder, Weiterlesen

Harvstmaleschen

Kennt ji no Theo Lingen? De hett jümmers so döör de Nees sproken, „genäselt“ heet dat ook, un he hett dorbi jümmer so fein un eisch klungen. Düsser Doge schnack ik ook döör de Nees, ober bi mi hört sik dat blots krank an.

Kaum is de Harvst in’t Land kamen, hett mi ook al dat eerste Verkeuhln bi’n Kanthaken. So fix is dat no nie nich gangen! Ik heff Koppien, mien Mandeln deihn weh, mien Fööt sünd kolt, ober mien Stiern is hitt. Wenn ik mi so in Speegel ankiek is dat echt ’n Wunner, Weiterlesen

Ausge-Bremst

Am Freitagmorgen hat mich unterwegs beim Lauftraining irgendein Viehzeug hinten in den Oberschenkel gestochen. Erstmal nix Besonderes für ’n Jung vun’t Dörp. Da ist man mit dem, was da kreucht und fleucht so sehr auf Du und Du, dass man den Weberknechten zum Geburtstag gratuliert und zur Beerdigung der Eintagsfliege einen Kranz schickt. Unterwegs Speichel drauf, zuhause dann Gel und gut is‘.

Am Sonnabendmorgen war die Stelle allerdings auf Untertassengröße angeschwollen und knüppelhart geworden, so dass ich den ganzen Tag wie ein Kollateralschaden der Französischen Revolution durch die Gegend gehumpelt bin. Wie erniedrigend ist das denn, bitte schön? Wegen eines Insektenstichs! So eine Petitesse eignet sich nun wirklich nicht für dramatische Heldenepen beim Bierchen mit Freunden. Das sind die Momente, in denen einem ein zünftiger Sportunfall mit Wadenzerrung deutlich lieber wäre! Diese bunten Kinesio-Tapeverbände sehen auch allemal cooler aus als ein ausrangiertes, mit Essig getränktes Küchenhandtuch für einen kalten Umschlag.

Mein Mann hatte mit mir nix zu lachen…! Ich bin kein einfacher Patient. Betüddelt werden und viktorianisches Leidensritual (bleiche Gestalt mit Märtyrermiene in bodenlangen Gewändern, ein mit billigem Eau de Cologne-Abklatsch getränktes Tuch an die Stirn gehalten, drumherum unberührte Speisen) sind Dinge, die mich zur Nitroglyzerinampulle machen. Ich bin eher der Typ, den man mit Zwangsjacke und Hochleistungssedativum davon abhalten muss, auch mit 39,8 Fieber, Lungenentzündung und gebrochenem Bein ganz normal Haushalt, Arbeit und Sport zu machen.

Dennoch bin ich kein ganz hoffnungsloser Fall. Nachdem die Einstichstelle in der Nacht von Sonnabend auf Sonntag nochmal etwas fieser geworden war, fand ich mich gestern Morgen dann in der Ambulanz der örtlichen Klinik wieder. Da war wohl ein Antibiotikum angesagt.

Drei Stunden hat die Warterei gedauert – für nicht mal 10 Minuten Behandlung! Diagnose: Bremsenstich mit mittlerer Reaktion ohne Komplikationen, kein Antibiotikum notwendig. Es gab ein Allergielgel und die Empfehlung, zuhause kalte Umschläge mit Essig oder essigsaurer Tonerde zu machen, das Bein hochzulegen und zu schonen.

DANKE! SOWEIT WAR ICH SCHON!!!

Dann die Krönung: Kein Lauftraining bis mindestens Mittwoch. Ausgebremst von einer Bremse…. Hey, wo kommt auf einmal dieses aggressive Pochen in meiner Halsschlagader her???

Nun ja, der Wahrheit und Vollständigkeit halber: Besser so, als wenn’s schlimmer gekommen wäre.

Eins wundert mich trotzdem – warum immer so spät in der Saison? Letztes Jahr hat mich der einzige bemerkenswerte Insektenstich sogar erst auf den letzten Drücker an Altjahrsabend ereilt. Was bin ich für die Viecher eigentlich? Eine Spätlese?