Versprochen ist versprochen…

… und wird nicht gebrochen! Ein alter Reim aus Kindertagen, der auch im Erwachsenenalter immer Gültigkeit haben sollte. Darum gibt es – wie vor einigen Tagen angekündigt – hier nun Teil 2 des Klönschnacks über meine diesjährige Hamburgreise. Weiterlesen

Studien des Grauens

Gerade jetzt im Winter mache ich es mir gerne in meiner Kuschelecke kommodig und genieße eins meiner Hobbies – Hörspiele. Dabei haben es mir die englischen Stücke meiner Sammlung am meisten angetan, und hiervon ganz besonders die Serie Suspense von CBS Radio. Ich muss davon einfach mal erzählen, weil das Radiohörspiel a.) weltweit und b.) hierzulande trotz der großartigen Arbeiten von Bastian Pastewka (Sherlock Holmes, Paul Temple) leider eher ein Schattendasein fristet.

Während der „Golden Ära des Radios“ ins Leben gerufen, brachte Suspense von 1942 bis 1962 über zwanzig Jahre und 945 Episoden hinweg den Hörern allwöchentlich „Studien des Grauens, raffiniert ausgeklügelt, um Sie unter… SPANNUNG zu halten! (Studies in terror, well calculated to keep you in… SUSPENSE!)“.

Spannend waren die Geschichten in der Tat. Dabei fängt die Story immer so harmlos an. Weiterlesen

Spaßig

„Oh, shite, the bas…!“ – „Jaysus!“ – „The feckin‘ eeji…!“ – „Me ars…!“

Mir rollen sämtliche Kraftausdrücke über die Zunge, die ich von Agnes Brown gelernt habe, aber immer nur unvollständig. Jede Kurve, jedes hin- und hergeschleudert werden, jede rasche Talfahrt und das plötzliche wieder hochgerissen werden für einen neuen Anlauf reißen die letzten Silben unausgesprochen von meinen Lippen. Es ist der letzte Donnerstag der Sommerferien, und ich bin mit meinem Mann und meiner Schwester nebst Familie im Movie Park in Bottrop – Ferienabschluss für die Kinder, nachträgliches Geburtstagsgeschenk für meinen Mann.

Kaum, dass es begonnen hat, ist die Fahrt auf der Wilden Maus auch schon wieder vorbei und ich wanke wie auf rohen Eiern laufend zum Ausgang. Davor habe ich sechzig Minuten angestanden,

Es ist schon merkwürdig – da regen wir uns auf, wenn wir an der Kasse im Supermarkt mal zwei Minuten länger warten müssen, aber sobald wir in einem Freizeitpark sind, macht es uns überhaupt nichts aus, für ein Fahrgeschäft von knapp anderthalb Minuten bis zu zwei Stunden in der Schlange zu stehen.

Aber es gehört irgendwie dazu, und zumindest den Erwachsenen macht es ja auch ein wenig Spaß. Es ist eine Variante von Lästern im Café: „Nix gegen Parfum, aber die hat vielleicht einen Nuttendiesel aufgelegt.“ – „Tja, wenn man die Haarbleiche mit dem eigenen Chemiekasten anrührt, darf man sich über den Grünstich nicht wundern.“ – „Hast du den gesehen? Der sieht ja auf dem Kopf aus wie Madonna im Schritt.“ (Gut, dass jeder das sofort als rein rhetorischen Vergleich ansieht und man die Herkunft dieses „Wissens“ nie erklären muss…)

Dabei weiß man natürlich, dass man selber von seinen Mit-Wartenden genauso mit Argusaugen beobachtet und kommentiert wird. Ich glaube, ich möchte gar nicht wissen, welche Reaktionen meine Frisur gestern bei den Umstehenden hervorgerufen hat. Aber ich habe es vorher nicht mehr zum Putzbüddel* geschafft und daher meine ab einer gewissen Länge einsetzenden Naturlocken morgens einfach mit Unmengen von Gel und Brisk (Opa knows best!) nach hinten gekämmt. Vor der Fahrt mit der Wasserbahn hätte ich somit problemlos als Double von Bela Lugosi einspringen können, nach der Wasserbahn hatte ich diese Rosinenschneckenlocken wie Prinzessin Leia aus Star Wars um die Ohren (mich dünkt, ich weiß genau, welcher Hase zu diesem Thema was mümmeln wird *grins*), und als dann auch noch der Platzregen vorbei war, hätte ich Doris Day in Eine zuviel im Bett bei der Fahrt mit dem offenen Cabrio durch die Waschstraße vertreten können. Dabei mag ich den Film mit der Happy-Seife viel lieber. „Mein Name ist Beverly Boyer und ich bin ein Schwein!“

Die den Wasserbahnfahrten folgende Erkältung gehört zu einem Freizeitparkbesuch genauso dazu wie das Lästern in der Schlange. Besagte Erkältung hab‘ ich jetzt – hatschi! -, aber das wird mich nicht davon abhalten, beim nächsten Mal wieder dabei zu sein. Stundenlang anstehen für zwei Minuten Fahrt macht nämlich Spaß.

Ich geh‘ mir mal ’nen Tee kochen…

* Für die Nicht-Platten: Friseur

Robin Williams – und was danach kam

OLYMPUS DIGITAL CAMERADer Tod von Robin Williams hat ein Tabuthema wieder etwas mehr in den Mittelpunkt der öffentlichen Aufmerksamkeit gerückt: Depressionen.

Wie schon erwähnt, gibt es in meinem Umfeld mehrere Menschen, die daran erkrankt sind. Ebenso gibt es hier im Wortgepüttscher Leser, denen das Thema nicht fremd ist, wie auch die Kommentare zu meinem Eintrag von vorgestern zeigen. Diesen Lesern und Mitbloggern spreche ich ganz herzlichen Dank aus, dass sie sich für alle anderen lesbar geäußert haben.


Wichtig:

Falls du unter Depressionen leidest und dich Suizidgedanken verfolgen, gibt es bei der Telefonseelsorge online oder telefonisch unter den Hotlines 0800 – 111 0 111 und 0800 – 111 0 222 rund um die Uhr Hilfe. Diese Anrufe sind kostenlos und anonym. Gespräche, die zu diesen Rufnummern aufgebaut werden, tauchen auch nicht im Einzelverbindungsnachweis der Telefonrechnung auf.


Der Großteil der Reaktionen zeigte sich jedoch in nicht-öffentlichen Privatnachrichten. Natürlich werde ich jetzt nicht das Vertrauen dieser Menschen enttäuschen und den Inhalt ihrer Nachrichten an mich schildern. Aber ganz allgemein: Ist es nicht traurig, dass nicht mal die Möglichkeit hier bei WordPress, sich mit einem Pseudonym an Kommentarthreads zu beteiligen, ausreichend anonym genug ist, um Menschen zum Thema sprechen zu lassen?

Ich könnte jetzt ein Plädoyer für die Erkrankten halten. Die Symptome erklären, auf den Wikipedia-Artikel verweisen, dazu raten, sich mal mit einem Betroffenen zu unterhalten, und noch tausend andere Dinge tun in dem Versuch, die Realität und Schwere dieser Krankheit zu verdeutlichen. Doch sofort frage ich mich, ob das überhaupt Sinn machen würde. Denn offenbar reicht nicht mal ein so prominentes Beispiel wie Robin Williams aus, um vielen Nicht-Betroffenen klarzumachen, wie schwerwiegend diese Krankheit ist, die einem die Kommandohoheit über die eigene Willenskraft nimmt. Denn selbst zu Robin Williams konnte ich Kommentare lesen wie „Der hatte doch alles – warum hat der sich so angestellt?“

Manchmal kann man gar nicht soviel fressen, wie man kotzen möchte, um mit Max Liebermann zu sprechen. Was muss noch passieren, damit unsere Umwelt aufhört, diese ernste Krankheit mit so fiesen Stigmata zu belegen wie „Der stellt sich nur an“ oder „Die simuliert doch nur“ oder „Kann ich nicht heißt Will ich nicht“ oder „Reiß dich zusammen“?

Das macht so verdammt hilflos und wütend. Als Kranker oder Angehöriger eines Kranken (denn die werden genauso in – ich benutze das Wort bewusst wiederholt – Geiselhaft genommen) ist man genügend damit beschäftigt, einen Don Quixote-Kampf gegen einen unsichtbaren Feind auszufechten. Die Sabotage der Ignoranten von außen trägt nicht gerade zum Gesundungsprozess bei.

Wenn man eine Krankheit nicht sehen kann wie den Haarausfall bei Chemotherapie oder den Gips bei einem gebrochenen Bein, heißt das noch lange nicht, dass sie nicht existiert.

Manchmal habe ich das Gefühl, dass manche Menschen das erst lernen, wenn sie selbst davon betroffen sind.

Aber das wünscht man keinem.


Wichtiger Hinweis:

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Robin Williams und der Mann von nebenan

KreuzRobin Williams ist tot. Heute morgen, gleich beim Frühstück, als ich die Online-Ausgabe des Hamburger Abendblatt las, schreckte mich diese Nachricht auf. Dieser Verlust wird eine große Lücke in der Welt des puren Entertainments, aber auch der höheren Kultur hinterlassen, weil er einfach beides konnte.

Doch ich will jetzt gar nicht vom folgenden RIP-Storm anfangen, dem man sich ebenso anschließen konnte wie man ihn belächeln oder gar verdammen konnte. Ich will auch nicht davon anfangen, wie sehr Robin Williams, besonders mit Der Club der toten Dichter, mein eigenes Leben berührt und zu einem gewissen Grad auch meine Entwicklung als damals knapp 17jähriger beeinflusst hat.

Das stimmt alles, doch ich muss vor allem spontan an liebe Menschen in meinem Umfeld denken. Menschen, die wie Robin Williams von der Krankheit Depression betroffen sind.


Wichtig:

Falls du unter Depressionen leidest und dich Suizidgedanken verfolgen, gibt es bei der Telefonseelsorge online oder telefonisch unter den Hotlines 0800 – 111 0 111 und 0800 – 111 0 222 rund um die Uhr Hilfe. Diese Anrufe sind kostenlos und anonym. Gespräche, die zu diesen Rufnummern aufgebaut werden, tauchen auch nicht im Einzelverbindungsnachweis der Telefonrechnung auf.


Denn die Medien nennen (derzeit noch als unbestätigte Theorie) Suizid aufgrund dieser Krankheit als Todesursache. Wenn das stimmt (was, wie gesagt, immer noch nicht offiziell bestätigt wurde und daher zum Erstellugngszeitpunkt dieses Artikels reine Vermutung ist), was bedeutet der Tod von Robin Williams dann für seine Fans, die mit ihm im selben Boot gesessen haben? Oder auch das weitere Schicksal von anderen betroffenen Promis, deren Krankheit öffentlich bekannt ist, wie etwa Carrie Fisher oder Owen Wilson.

Psychische Krankheiten werden oft unter den Teppich gekehrt, gerade Depressionen. „Reiß dich zusammen“ und „Stell dich nicht so an“ gehören noch zu den netteren Belehrungen der Unwissenden und Ignoranten. Ächtung und Stigmatisierung von außen, Rückzug und Scham bei den Betroffenen sind Zutaten, die den Kranken neben ihren ohnehin schon schweren Symptomen oft zusätzlich aufgebürdet werden.

Über psychische Krankheiten spricht man nicht. Darum bekommt man auch oft nicht mit wie sich ein Mitmensch aus diesem Loch wieder nach oben arbeitet. Aha-Erlebnisse wie „Ach, du auch? Mir geht’s genau so!“, die einen positiven Einfluss auf Verbesserung der Situation bei Betroffenen haben könnten, bleiben oft aus.

Für diese Betroffenen sind prominente Beispiele durchaus wichtig. Denn erstens zeigen sie, dass ernste Krankheiten nicht nur den Otto Normalverbraucher betreffen, sondern vor niemandem Halt machen.

Zum anderen sind sie natürlich auch ein Vorbild. Sie zeigen: „Der/die hat genau die gleiche miese Krankheit wie ich und hat wegen seiner Prominenz noch viel mehr Druck von außen. Aber der kriegt seinen Alltag mit Auftritten, Interviews und so weiter gewuppt!“ Mit Hilfe von Medikamenten und sonstigen Therapien, ganz klar. Aber nichtsdestotrotz ist da das Zeichen: Man kann es schaffen. Vielleicht wird man nicht geheilt, aber man kann die Krankheit wenigstens im Zaum halten.

Für die einen ist ein Promi einfach ein Vorbild nur wegen seiner Schönheit, der man nacheifern kann. Das ist vollkommen in Ordnung. Aber es ist genauso in Ordnung, dass der Promi für andere eine Art Telekolleg darstellt, die aufzeigen kann, dass es möglich ist, trotz einer schweren Krankheit, das einigermaßen gut zu leben, was im individuellen Mikrokosmos für Normalität steht.

Wie fatal, desillusionierend, in den (ohnehin schon wackligen) Grundfesten erschütternd muss da der Tod des Promis ausgerechnet aufgrund dieser Krankheit sein?

Denn nochmal: Wer im eigenen Umfeld mit der selben Diagnose „Depressionen“ wie man selbst rumläuft und den Kampf gewinnt – oder verliert – bekommt man oft nicht mit. Denn man spricht ja nicht drüber. Krankheit ist bäh. Und Depression erst recht.

Dadurch wird der Tod eines Promis zum Spiegelbild mit Vergrößerungseffekt für jemanden, der selbst von der Krankheit X betroffen ist. Und auch für dessen Angehörige, die von dieser Krankheit genauso in Geiselhaft genommen werden wie der Betroffene selber und die darum am Ende nicht nur um einen geliebten Menschen trauern, sondern auch mit dem quälenden Wissen leben müssen, dass ihre Fürsorge und Liebe nicht gereicht haben, um zu das Los des Kranken genügend zu erleichtern.

Das schafft nicht nur Trauer um einen geschätzten Promi, sondern auch eine verdammte Scheiß-Angst, wie es mit einem selber weitergeht.

Alles Gute, Robin Williams und Familie – und auch allen anderen, die von dieser Krankheit besiegt wurden oder immer noch mit ihr ringen.


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Think negative???

Gelegentlich stößt man im Web, vor allem in Social Networks, immer wieder auf eine Collage mit Szenenfotos aus der Sitcom The Big Bang Theory. Ich bin nicht wirklich Fan dieser Serie, doch wenn ich zufällig mal über eine Episode stolpere und dabei hängen bleibe, finde ich sie durchaus amüsant.

Bei The Big Bang Theory geht es um die WG der Wissenschaftler Leonard und Sheldon, deren streberhafte, vollkommen auf Logik und hauptsächlich auf ihre Arbeit bzw. ihre beinahe manisch ausgelebten Hobbies (StarTrek etc.) fixierte Lebensart in ständigem Zweikampf mit der „normalen“ Welt steht, die hauptsächlich von ihrer sozialkompetenten, mit gesundem Menschenverstand, vor allem aber mit Herz und Gefühl ausgestatteten Nachbarin Penny verkörpert wird und die den beiden Jungs durch die Tücken eben jener „normalen“ Welt hilft. My fair Lads statt My fair Lady, sozusagen.

Wie gesagt: Es handelt sich um eine Sitcom, pure Unterhaltung also. Besagte Collage sieht das hingegen anders. Der Begleittext zu den Fotos behauptet, diese Serie sei subventionierte Propaganda (ob vom Staat oder von großen Unternehmen – Soylent Green lässt grüßen – bleibt auffällig nebulös), über welche die Fans der Serie manipuliert werden sollen, sich mit den Hauptcharakteren zu identifizieren, ihnen nachzueifern und dabei jegliche menschliche Regung wie Empathie zugunsten von kalter Logik abzulegen und in harten wissenschaftlichen Fakten die einzig wahre Lösung aller Probleme zu sehen. Und das Ganze ist nicht etwa als Satire gemeint – es ist den Urhebern vollkommen ernst.

Sitcoms sind also subliminal verabreichte Propaganda, ja sogar Gehirnwäsche.

Aha.

Na, dann möchte ich mal wissen, von welch‘ düst’rer Vereinigung meine persönlichen TV-Lieblinge Mrs Brown’s Boys beeinflusst sind…

Stop, lieber doch nicht.

Müssen wir denn wirklich hinter allem und jedem eine böse Absicht, eine gar fürchterlüche Verschwörung, einen gemeinen Plan des Bösen vermuten? Sollen… nein, wollen wir wirklich alle zu Zynikern werden, die einem Kind das Lebkuchenherz vom Weihnachtsmarkt wegnehmen und zertreten, um ihm frühzeitig zu zeigen, dass es besser ist, die negativen Seiten der Welt hervorzuheben statt jenen, die wirklich gut sind?

Nicht mit mir. Ich weigere mich, soviel Negativität in mein Leben zu lassen.

Eine Sitcom ist eine Sitcom ist eine Sitcom.

Basta.

It’s Magic

Meine allererste CD überhaupt war 1988 eine Greatest Hits-Sammlung von ihr. Damals schon waren diese Songs allesamt Evergreens; einige davon weit über dreißig Jahre alt, andere etwas jünger.

Ich habe diese CD heute noch, und ich werde sie bestimmt nicht abgeben, auch wenn ich längst eine fast 30 CDs umfassende Sammleredition mit ihrem Gesamtwerk im Regal stehen habe. Im Gegenteil – genau diese erste CD von 1988 werde ich heute hören. Einige Songs haben mich über die Jahre hinweg einfach nur unterhalten, andere haben solchen Eindruck bei mir hinterlassen, dass sie mir dunkle Stunden etwas leichter gemacht haben; wiederum andere haben hellen Tagen noch das Sahnehäubchen aufgesetzt. Es gibt einfach nichts schöneres, als in einer Sommernacht auf dem Balkon zu sitzen, ein Glas mit dem Lieblingsgetränk in der Hand zu halten, in den sternenklaren Himmel zu schauen und Liedern wie Fly Me to the Moon oder Desafinado zu lauschen – it’s Magic.

Auch ihre Filme begleiten mich schon ein ganzes Leben lang – wiederum mal als pure Unterhaltung zwischendurch, mal als Tageshighlight eines ohnehin schon schönen Tages, mal dringend benötigte Auszeiten, die schwierige Zeiten zumindest für anderthalb Stunden etwas leichter gemacht haben. Was gerade an den schlechten Tagen der Satz „Mein Name ist Beverly Boyer und ich bin ein  Schwein“ auslösen kann – it’s Magic.

Vielen Dank für alles – und alles Gute zum neunzigsten Geburtstag, Doris Day. You’re Magic.

 

Sie haben Post!

Eigentlich hätte das Hollywooddrama der letzten Woche morgen mit einem gemütlichen DVD-Abend sein Happy End feiern sollen, aber da hätten sowohl die Royal British Mail als auch die deutsche Post besser mitspielen müssen. Das Päckchen mit dem Film A Big Hand for the Little Lady mit Joanne Woodward und Henry Fonda ist nämlich heute Vormittag schon zugestellt worden. Und wenn der glückliche Empfänger im Sternzeichen des ungeduldigen Stier geboren ist, wird das nix mit dem Warten.

Ergo bin ich von meinem Schreibtisch desertiert und habe den Film bei einem improvisierten Mittagessen aus Cornflakes und Roter Beete (Nein, ich bin nicht schwanger, es musste nur schnell gehen!) sofort geschaut. Dabei musste ich feststellen, dass meine Erinnerung an diesen Streifen, den ich zuletzt vor gut zwanzig Jahren gesehen habe, noch lückenhafter war als gedacht. Was in diesem Fall gut war – es hat richtig Spaß gemacht, den Film fast völlig neu zu entdecken und trotzdem wie vor zwei Dezennien zu dem Schluss zu kommen, dass ich ihn richtig toll finde!

Hollywooddrama

OLYMPUS DIGITAL CAMERAEs ist Freitag, der letzte Abend meines Strohwitwerdaseins naht. Für dessen Gestaltung kam mir spontan die Idee, nach Ewigkeiten mal wieder einen kleinen Filmabend zu veranstalten. Doch meiner einer wäre nicht meiner einer, wenn es da nicht wieder einen Haken bei der Sache gäbe. Ein echtes Drama, sozusagen.

Ich möchte nämlich einen ganz bestimmten Film schauen, einen Western, um genau zu sein. Aber ich weiß nicht, wie er heißt!!! Es ist etwa schon zwanzig Jahre her, seit ich diese Zelluloid-Perle der gepflegten Unterhaltung zuletzt gesehen habe, darum kann mich auch nicht mehr ganz auf den Plot besinnen und auf die Darsteller schon gar nicht, aber ich würde den Streifen wirklich gerne mal wieder sehen. Denn eins weiß ich noch genau: Ich fand den Film damals richtig toll!

Hauptsächlich geht um ein Pokerspiel, bei dem einer der Spieler stirbt. Keine Ahnung, ob er „nur“ an einem Herzanfall eingeht oder ob ihm eine Portion blaue Bohnen nicht bekommt. Jedenfalls ist besagter Spieler irgendwann perdu. Seine Frau erbt darum das Blatt, das er zuletzt auf der Hand hatte, was den übrigen Herren der Tafelrunde gar nicht in den Kram passt. Denn es geht um eine Menge Geld (Òder eine Farm? Oder lukrative Goldschürfrechte?). Die Gute hat natürlich vom Pokern nicht die geringste Ahnung, doch selbstverständlich gewinnt sie, weil ihr Mann ihr das ultimative Gewinnerblatt hinterlassen hat.

Tja, aber wie komme ich nun an diesen Film? Eventuell können mir ja die Leser hier im Wortgepüttscher mit Titel und Darstellern auf die Sprünge helfen – vielleicht schaffe ich es dann ja noch, den Film vor Ladenschluss beim DVD-Höker meines Vertrauens käuflich zu erwerben. Ansonsten gibt’s halt doch Marlene Dietrich in Witness For the Prosecution.

Cinema Paradiso

Heute war ich mal wieder am Hauptbahnhof, weil Ferries, ein Fachmagazin für Fährschifffahrt, nirgendwo anders in der Stadt zu bekommen ist. Dabei kam ich auch am größten Kino der Stadt vorbei, einem riesigen Klotz mit Glasfassade, mindestens zehn Sälen, riesigem Gastobereich und so weiter. Zuletzt war ich dort,  um Gottes Werk und Teufels Beitrag zu schauen. Danach hat es mich nie wieder dorthin gezogen. An Filmen hat es nicht gemangelt, aber die Vorführstätte hat mir die Lust darauf genommen.

Als ich das Kinogehen als Traumfabrik für mich entdeckte, lag die Betonung noch auf Traum – heute hat sie sich zu Fabrik verlagert. Ticket lösen, Popcorn kaufen, in unbequemen Sesseln platznehmen, Film gucken, raus – genauso anheimelnd wie eine Fertigungsanlage für Nirosta-Spülbecken.

Denke ich an das Kino zurück, in dem ich als Teenager komplette Monatsvorräte an Taschengeld ausgegeben habe, sehe ich sofort einen Saal mit dickem altrosa Plüschteppich, Sesseln wie aus den Salonwagen des Orient Express geklaut, verschnörkelten Lampen an der Wand und einem Vorhang mit Troddeln vor der Leinwand. Wenn man als erster Zuschauer kam, herrschte fast kirchliche Stille und kein Discogedudel, das nicht zum erwarteten Film passte. Nach und nach füllten sich die Reihen. Gedämpftes Murmeln. Dann ging es los – erstmal ein Vorfilm (meistens ein alter Cartoon), dann Werbung und schließlich der Hauptfilm, bei dem man natürlich auch den Abspann zum Ende ansah, denn da lief meist das beste Musikstück des ganzen Films. Wenn man nach drei Stunden wieder rauskam, war einem ein bisschen schwummrig, weil es natürlich keine Klimaanlage gab, aber das gehörte einfach dazu. Vielleicht hatte uns ja auch Patrick Swayze oder Robert Redford die Sinne geraubt.

Schön war auch das fahrende Überlandkino in den Sommerferien an der Ostsee. Der Ort hatte zwar ein richtiges Kino, aber das war schon Mitte der 70er dichtgemacht worden. Es gab ja den Kursaal. Einmal die Woche kam ein kauziger Herr mit Mercedes und Anhänger vorgefahren, baute im Saal einen transportablen Projektor nebst mobiler Leinwand auf, und dann wurde der einzige verregnete Nachmittag der Woche mit Bernard und Bianca oder Jenseits von Afrika überbrückt. Gespenstisch, wie das mit dem Wetter immer genau zu passen schien – als hätte die Kurverwaltung einen Vertrag mit Petrus gehabt.

Ich glaube, Disneys Zeichentrickabenteuer lief in einem Rutsch durch, aber bei dem Monumentalschinken mit Meryl Streep wurde mindestens zweimal die Filmrolle gewechselt. Also ging zwischendurch das Licht für zehn Minuten an. Man holte neue Getränke – oder brachte die alten weg. Dann ging’s weiter.

Haben diese Unterbrechungen gestört? Kein bisschen. Man hatte nicht nur die Zeit, sondern auch die Muße, sich auf einen Film und das ganze Ritual drumherum einzulassen. Einfach für ein paar Stunden in ein Paradies abtauchen, in dem es Abenteuer zu bestehen und Liebespaare zusammenzubringen galt.

Nein, ich lasse mich jetzt nicht zu einem Früher war alles besser verleiten, denn das stimmt nicht. Auch früher gab es Dinge, die kompletter Mist waren. Aber früher war einfach mehr Lametta… äh, Ambiente.