School’s out…. NICHT

Man vergisst ja so schnell… Gestern morgen war ich richtig irritiert, als ab etwa zehn nach sieben der morgendliche Geräuschpegel in der Nachbarschaft erheblich anschwoll. Ein Geschreie, ein Gejohle, ein Gerenne von etwas, das sich wie hunderttausend Schuhe mit Schmirgelpapier unter den Sohlen anhörte.

Morgenmuffelig, wie ich nun mal bin, schwankte ich mit zu 3/4 geschlossenen Augen zum Schlafzimmerfenster, machte es dicht und wankte dann in die Küche. Ohne ausreichenden Koffeinspiegel im Blut ist man ja nur ein halber Mensch!

Mit dem ersten Kaffee in der Hand setzte ich mich auf den Balkon und vergaß den Radau erstmal wieder. Ein paar Stunden später, beim täglichen Telefonat mit meiner Schwester, fiel’s mir wieder ein und der Schleier der Verwirrung lüftete sich. Natürlich! Weiterlesen

Denn im Wald, da sind die Räuber

Waldspaziergänge gehören zu den Dingen, zu denen man in verschiedenen Phasen seines Lebens ein jeweils anderes Verhältnis hat.

Als lütter Buttscher im Kindergarten- und frühen Schulalter ist der Waldspaziergang mit den Altvorderen ein spannendes Unterfangen, bei dem es Abenteuer zu bestehen gibt oder man es mit wilden Tieren zu tun hat. Nach einem Waldspaziergang mit meiner Großmutter nahe der Steilküste von Dahme war ich als ungefähr Fünfjähriger jedenfalls fest davon überzeugt, dass das Rascheln im Laub ein paar Meter abseits des Weges von einer Schlange gekommen sein musste – mindestens eine Kreuzotter! Wahrscheinlich war es allenfalls eine Blindschleiche oder sogar nur ein Frosch, aber davon hätte es sich bei der Rückkehr in die Ferienwohnung dem gespannt lauschenden Auditorium aus Eltern, Großvater und Hausverwalterin längst nicht so atemlos-aufgeregt berichten lassen. Weiterlesen

Kei-ne Draht-klei-der-bü-gel!

Die wohl epischste Szene aus einem der gerade in schwulen Kreisen sehr beliebten Filme mit hohem „Camp“-Gehalt: Meine liebe Rabenmutter. Die von Faye Dunaway gespielte Joan Crawford verprügelt ihre Adoptivtochter mit besagtem Kleiderbügel, weil diese vergessen hat, die Einmal-Drahtkleiderbügel aus der Wäscherei gegen die richtigen zu ersetzen.

Über den Wahrheitsgehalt Weiterlesen

Warum Onkel toll sind (und manche Leute das endlich kapieren sollten)

Der eine Filialist hat es nicht, der andere ebenfalls nicht, auch die freundliche Dame von einem der letzten verbliebenen Buchhändler der Stadt frei von Konzerndruck bedauert, und selbst der Onlinehandel kann nicht mit dem Gesuchten aufwarten. Weiterlesen

Hol’s Bällchen!

Voilà – die hochdeutsche Übersetzung des plattdeutschen Beitrags aus der letzten Woche ist da: Weiterlesen

Hol dat Bällchen!

Annerendogs bün ik mit mien Mann mol wedder bi mien Söster wesen. Ik haar twors bi alln’s wat mi leev un düür is swöören kunn’n datt dat blots ’n poor Dogens her is, siet se ehm vun de Weiterlesen

Die kleine Bank im Alsterpark

Eigentlich war es nur eine kleine Anekdote aus dem Familienleben gemischt mit ein bisschen Trivia, garniert mit ein paar eher liebevollen Spötteleien über Musik, die zur Jugendzeit meiner Mutter populär war. Aber es hat sich einiges verändert Weiterlesen

Denn sie fahren hinaus auf das Meer

Wer gelegentlich was für humoristische Autoren übrig hat, kennt die herrlichen Glossen von Erma Bombeck über das traute Familienleben. Zu den witzigsten gehören jene über den Moment, wenn Weiterlesen

Der Zahn der Zeit

Woran erkennt man, dass selbiger langsam an einem nagt? Daran, dass man die Diagnose erhält „Sie haben Wasser, Kalk und Steine“? Blödsinn. Dann braucht man nur noch den künftigen Keller ausschachten und kann mit dem Hausbau loslegen. Weiterlesen

Kinder und Besoffene….

… sagen immer die Wahrheit, heißt es im Volksmund. So manche leidgeprüfte Ehefrau wird dem von Herzen, widersprechen, wenn ihr Göttergatte das „Wir gehen nach der Arbeit noch einen trinken“ mal wieder sehr großzügig ausgelegt hat. Wenn er nämlich nuschelt „‚Swar wrklch… hicks… nur ein Bier…“, wird sie das automatisch als „ein Kasten Bier“ identifizieren. Und wer auch nur ein einziges Mal Erfahrung mit dem klassischen Eltern-Kind-Dialog „Was machst du da“ – „Nichts!“ sammeln durfte, wird diesen Spruch ebenfalls mit Freuden ins Reich der Legenden verbannen.

Vor einigen Jahren hatten mein Mann und ich die Stadt mal wieder für einen längeren Heimatbesuch gen Hamburg verlassen und deckten uns gerade in einem Supermarkt nahe beim Michel mit dem Nötigsten für die nächsten Tage ein. Erfahrungsgemäß ist die Kasse mit der kürzesten Schlange diejenige, an der es am längsten dauert. Also stellten wir uns dort an, wo wir noch zwei Leute mehr vor uns hatten. Wie es der Zufall wollte, stand eine Mutter vor uns, die ihren Sohn in dem praktischen Kindersitz des Einkaufswagens geparkt hatte.

Sie hatte einiges an Waren zusammengetragen, doch es war zu erahnen, dass der Kassiervorgang rasch und unkompliziert verlaufen würde. Diese Frau war nämlich von einer Aura der Kompetenz und Zielorientierung umgeben, dass wir in ihr eine Topmanagerin in Elternzeit vermuten. Das verriet allein schon ihre Kleidung aus den besten Läden des Bleichenviertels. Als sie auch noch anfing, ihre Einkäufe nach Warengruppen sortiert auf das Laufband zu sortieren, hatte sie ihren Spitznamen bei uns weg: Mutter Effizienzia.

So rasch, wie wir es erhofft hatten, ging es an dieser Kasse dann aber doch nicht vonstatten. Denn vor Mutter Effizienzia war noch eine Seniorin an der Reihe, die gelinde Schwierigkeiten hatte, das passende Münzgeld zusammenzusuchen. Aber mal ehrlich – kann man da böse sein? Seit der Euroeinführung fummeln doch eigentlich wir alle umständlicher als früher in den Portemonnaies herum, weil das Kleingeld so verdammt schwer auseinander zu halten ist. Und wer weiß, wie wir selbst mal drauf sind, wenn wir das Alter zwischen siebzig und Open End erreicht haben.

Während diese Transaktion also noch andauerte, begann Mutter Effizienzia, mit ihrem Sprössling herumzuplänkeln. Irgendwann sagte sie zu ihm: „Willst du der Mami nicht mal ein Küsschen geben?“

Daraufhin gab der pfiffig dreinblickende Bengel eine knappe, aber bestimmte Erklärung zur Lage ab: „Nö.“

Damit wollte Mutter Effizienzia sich aber nicht zufrieden geben: „Och, bitte – gib der Mami doch nur ein einziges klitzekleines Küsschen.“

Doch der Lütte blieb bei seinem „Nö“ und schüttelt heftig den Kopf. Obendrein verschränkte er die Arme vor der Brust.

Das ging noch ein paar Mal hin und her, bis Mutter Effizienzia die Mitleidswalze auflegte: „Damit machst du die Mama aber ganz traurig. Warum willst du der Mami denn kein Küsschen geben?“

Eigentlich war der lütte Buttscher noch viel zu jung für solch raffinierte Schachzüge, aber die Kunstpause vor seiner Antwort besaß ein so perfektes Timing, dass man eigentlich gar nicht anders konnte, als ihm blanke Absicht zu unterstellen. Denn der Bengel schaute seine Mutter lange an, wobei er gleichzeitig die Umstehenden genauestens zu taxieren schien. Und erst, als er sich sicher sein konnte, dass jeder, aber auch wirklich jeder seine Worte mitbekommen würde, tat der Junge kund, was er neulich per Zufall gesehen hatte und seine Mutter daran erinnerte, in Zukunft ganz genau darauf aufzupassen, wann welche Zimmertüren zuhause geschlossen zu halten waren.

So etwas hatte Hamburg lange nicht gesehen! Die Kassiererin ließ vor Lachen das Kleingeld fallen, an der inzwischen auch geöffneten Nebenkasse ließ ihre Kollegin den Kopf auf die Tastatur ihrer Kasse sinken und trommelte hysterisch mit einer Faust auf das Laufband, ein Azubi fiel beinahe von einer Leiter, meinem Mann und mir standen die Lachtränen in den Augen, und selbst die alte Dame griente vergnügt.

Manchmal stimmt der Spruch, das Kinder immer die Wahrheit sagen, eben doch – es passiert nur immer genau dann, wenn man es am allerwenigsten gebrauchen kann: „Du hast Papas Dingsmann in den Mund genommen!“

Wenn du geschwiegen hättest…

Mütter! Ihr habt gewonnen! Ich strecke die Waffen, und euer zufriedenes Grinsen beim Lesen dieses Artikels tragt ihr ebenso zu Recht wie das „Haben wir doch immer schon gesagt“, das gleichzeitig wie ein Newsticker durch ihre Gedanken zieht. Weiterlesen

Wo man singt…

Die letzten zwei Wochen vor den Sommerferien sind bei uns im Quartier immer die schönsten des Schuljahres. Nicht, weil man nun schon die Stunden zählen kann, bis es auf dem Schulhof gegenüber für sechs Wochen sehr ruhig wird. Sondern, weil gesungen wird.

Ist man in der Stadt unterwegs, sieht man oft Weiterlesen

Honey Boo Boo

Honey Boo Boo 4bIst jemand hier fernsehaffin genug, um Honey Boo Boo zu kennen? Mir war sie jedenfalls unbekannt, bis der Name am letzten Wochenende mehrmals fiel. Um nicht ganz uninformiert dazustehen, habe ich kurz das Internet befragt. Selbiges verriet, dass Honey Boo Boo der Spitzname eines sechsjährigen amerikanischen Mädchens ist, das von seinen Eltern nicht nur zu den berühmt-berüchtigten Beauty Pageants (Schönheitswettbewerben für Kinder) geschickt wird, sondern dass das Leben der Familie aus Georgia auch Teil einer Reality-Show ist, wobei das Hauptaugenmerk auf Honey Boo Boo liegt.

Jetzt noch schnell ein YouTube-Video geschaut (manchmal sind Smartphones ja doch ganz praktisch). Was man sehen konnte, war eine Familie, die auf uns Mitteleuropäer wie eine Mischung aus den Bundys und Vom Winde verweht wirken muss, im Zentrum der Aufmerksamkeit ein Mädchen mit flachsblonden Locken, etwas Babyspeck und viel Wichtigem zu sagen. In diesem Alter plappern Kinder munter drauflos und sprudeln heraus, was ihnen gerade in den Kopf kommt, und etwas wie mitten ins Popcorn zu rotzen niesen löst bei ihnen unbändige Heiterkeit aus. Ist nun mal so, weil Kinder noch nicht den „gesellschaftlichen Schliff“ eines Erwachsenen haben. Kennen wir alle aus unserem eigenen Umfeld und vor allem unserer eigenen Kindheit. Ist nicht weiter tragisch. Das ist für die Familie bestenfalls witzig, schlimmstenfalls peinlich, wenn Fremde das mitbekommen und auf einen bedauerlichen Mangel an Kinderstube schließen.

Natürlich wird’s für das Kind an sich auch noch einmal peinlich – spätestens dann, wenn es selber Mutter ist und seine eigene Mutter (nunmehr die Funktion der Großmutter bekleidend) die Enkelkinder der Familie aufklärt, was für ein Früchtchen die Mutter noch war. Aber es bleibt in der Familie.

Derlei Beschränkung auf einen handverlesenen Kreis wird Honey Boo Boo nicht vergönnt sein, eben weil ihre Familie sie so ungeschützt in die TV-Kameras hält. Sich jetzt mit unserem mitteleuropäischen Auge ein Urteil über diese Familie anzumaßen, wäre gewiss falsch. Amerika tickt nun mal anders, und sowohl die Prominenz als auch das Geld im Schlepptau dieser Reality-Show sind vielleicht die einzige Möglichkeit, in Zeiten ökonomisch schwerer Fahrwasser nicht völlig unterzugehen. Aus dem YouTube-Clip ließ sich zudem durchaus schließen, dass die Deern die Aufmerksamkeit bei den Pageants und auch durch das Leben als Fernsehkind jetzt noch genießt. Sie ist ja auch erst sechs.

Aber man kann nicht umhin, sich zu fragen, was passiert, wenn das Mädchen in gar nicht mal so vielen Jahren den Babyspeck verliert und zu einer echten Southern Belle heranblüht, die in allen Irrungen, Wirrungen, Pickeln und sonstigen Unsicherheiten der Pubertät den ersten Freund mit nach Hause bringt. Wie wird’s ihr gehen, wenn dieser Freund Sekunden vor dem ersten Kuss plötzlich einen Moment der Erinnerung hat und sagt: „Bist du nicht das Mädchen, das im Fernsehen mal gesagt ‚Mein neues Geschwisterchen ist so klein – ich habe schön größer gesch***‘?“

Die Lütte tut mir jetzt schon leid.