Leser-Top-10, # 10

Alte Geschichten sind was Herrliches, wenn Oma und Opa sie erzählen. Obwohl sie sich immer gleich anhören – wie eine wieder und wieder abgespielte Schallplatte – macht es einfach Spaß, ihnen zuzuhören.

Auch wenn mir das Privileg, Großvater zu werden, aus verwehrt bleiben wird (die Gründe dafür Weiterlesen „Leser-Top-10, # 10“

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… ein seltsames Spiel

Die erste Liebe ist für jeden was ganz Besonderes – ich glaube, da müssen wir nicht drüber diskutieren. Selbst wenn sie aus teenagerüblicher Sprunghaftigkeit nur eine Woche hält – die ersten Schmetterlinge im Bauch, die kitschigen überall hingekritzelten Herzen oder Rosen, die komplett mit seinem/ihrem Namen beschriebenen Zettel… Das vergisst man nie, das begleitet einen bis zur letzten Sekunde.

Für uns Gays kommt oft noch ein weiteres Element dazu: Der Schmerz, weil die Liebe unerwidert geblieben ist. Sehr oft hat ein schwuler Mann die ersten Schmetterlinge nämlich wegen einem heterosexuellen Mann im Bauch. Ergo ist das ganze von vornherein aussichtslos und tut genau deshalb so verdammt weh. Mehr noch als das Schlussmachen mit dem ersten echten, weil tatsächlich auch homosexuellen Freund.

Natürlich habe ich das auch erlebt. Weiterlesen „… ein seltsames Spiel“

Hochzeitstag oder so…

Für gewöhnlich habe ich ein gutes Zahlengedächtnis. Ich kann noch heute die 12stellige Telefonnummer meines Onkels und meiner Tante aus Wormerveer bei Amsterdam auswendig, obwohl die beiden schon vor über zwanzig Jahren an den Ort vorgegangen sind, an dem wir alle mal ankommen. Ebenso kann ich noch die Zahlenkombination meines allerersten Fahrradschlosses genauso runterbeten (schlappe 35 Jahre her) wie mir bei vielen Mitarbeitern, deren Gehaltsabrechnung ich in meinem allerersten Job nach der Ausbildung erstellt habe, zuerst deren Personalnummern und dann die Namen ins Gedächtnis kommen.

Nur mit aktuellen Zahlen hab ich es nicht immer so. Ich versuuse jedes Jahr meinen Hochzeitstag. Dabei vergesse ich ihn nicht mal – ich runde das Datum sozusagen nur großzügig auf.

Am Montag war es wieder so weit: „Was machen wir eigentlich Freitag?“ frage ich meinen Mann. „Wieso Freitag?“ kommt die Antwort. „Na, da ist doch der Zwölfte…“ Strafender Blick von meinem Mann, peinlich berührter von mir.

Dabei ist es überhaupt nicht meine Schuld! Wir wollten ja damals am zwölften September heiraten, einem Freitag. Nur stand freitags der von uns ausgesuchte „Tatort“ nicht zur Verfügung – ein historisches Hafengebäude. Dort wurde wegen des Aufwands nur mittwochs getraut, also sind wir auf den zehnten umgestiegen, zwei Tage vorher. Nur meine zerebralen Tentakel („Gehirn“ könnte eine zu optimistische Umschreibung sein) scheinen die Umstellung bis heute nicht mitgemacht zu haben – der Zwölfte hat sich geradezu unauslöschlich eingebrannt.

Sehr zum Amüsement meines Herrn Gemahl, der keine Gelegenheit auslässt, mir diese Peinlichkeit unter die Nase zu reiben. Vorhin kam er von einem Arztbesuch wieder und überreichte mir breit grinsend einen Strauß Blumen: „Alles Liebe zum Nicht-Hochzeitstag.“

Ich bin also verrückte Hutmacher aus Alice im Wunderland…

Naja, zumindest in punkto Hochzeitstag wäre jedes Abstreiten ein glattes Eigentor.

Welttag des Buches 2014

Heute ist Welttag des Buches, quasi der höchste Feiertag für alle Leseratten. Anlass genug, heute mal nicht von meinem eigenen Wortgepüttscher zu schnacken, sondern von dem, was ich selbst gerne lese. Bei der schier unüberschaubaren Fülle von Neuerscheinungen ist die Wahl ganz bewusst auf drei Bücher gefallen, die schon ein paar Jahre auf dem Buckel haben und mitunter sogar nur Second Hand erhältlich sind.

Hier die Top 3 meiner Lieblingsbücher: Weiterlesen „Welttag des Buches 2014“

Rechte, Pflichten, Provokationen und Glückwünsche

Rainbowflag_neuDer Roman Bingo von Rita Mae Brown aus der Trilogie um die Hunsenmeir-Schwestern Julia und Louise ist zwar schon beinahe dreißig Jahre alt, aber einige seiner gesellschaftspolitischen Bezüge bieten heute noch genauso spannenden Diskussionsstoff wie 1987. So schreibt sie sinngemäß:

Ein Coming out ist keine Frage der Freiheit, sondern der sozialen Verantwortung, quasi eine Pflicht. Unsere Gesellschaft beschäftigt sich nur mit der Romantik des Paarens, vergisst darüber aber, dass es letzten Endes und vor allem vorrangig ein Mechanismus der Natur zur Erhaltung der Spezies Mensch ist. Homosexuelle, die in heterosexuelle Ehen gedrängt werden, werden unfreiwillig zu Knüppeln zwischen den Beinen der Gesellschaft, weil sie so weder zur Spezieserhaltung beitragen noch andere Aufgaben erfüllen können, welche die heterosexuellen Paare entlasten, so dass diese sich der Aufgabe der Spezieserhaltung widmen können. Was sich hinter den Schlafzimmertüren abspielt, geht keinen was an. Aber was die Zusammenhänge anbetrifft, ist vollkommene Offenheit unabdingbar. Wir müssen wissen, wer für welche Aufgabe zur Verfügung steht. Es liegt also im Interesse aller, Homosexuellen das Coming Out so leicht wie möglich machen. Nur mit vollständiger Information kann unsere Gesellschaft funktionieren und unsere Spezies erhalten werden.

Spannende These, zu der ich auch nach 27 Jahren noch keine abschließende Antwort für mich gefunden habe. Provokant ist sie auf jeden Fall, ganz besonders, wenn man sie in Zusammenhang mit dem sieht, was gerade in Großbritannien geschehen ist – dort dürfen seit diesem Wochenende Homosexuelle heiraten. Also… richtig heiraten. So mit allem Drum und Dran. Eine echte Ehe. Ohne „Ja, aber…“ – kein ein halbherziges Mehr Pflichten als Rechte und daher weiterhin diskriminierend wie im Mittelalter-Gesetzesgefüge, wie es uns die deutsche Rechtsprechung in ihrer scheinbar unüberwindbaren Gestrigkeit zugesteht.

Ist da auf der Insel tatsächlich das Wunder (zu dem sich auch Hans-Georg Gedanken gemacht hat) geschehen, gesetzliche Rechte und Pflichten (ob man hier der moralischen These von Frau Brown zustimmen kann und will, sei jedem selbst überlassen) wirklich ausgeglichen unter einen Hut zu bringen? Ich glaube, ja. Man muss jetzt wirklich ganz genau überlegen, ob man Großbritannien wirklich noch als das eigenbrödlerische und manchmal hinterwäldlerisch denkende Land belächeln darf, wie man es sonst gerne tut.

„Wenn die Liebe von Menhschen durch das Gesetz entzweit wird, dann ist es das Gesetz, das geändert werden muss“, sagte David Cameron. Grüße nach Berlin – ich glaube, ihr seid mit diesem Wochenende noch weiter zurückgefallen, was Menschenrechte betrifft, als es ohnehin schon der Fall ist…

Und ehe ich es vergesse – meine allerherzlichsten Glückwünsche an alle frischgebackenen Ehepaare in merry old England!

My funny Valentine

Valentinstag_3Geht es nur mir so, oder nimmt die Amerikanisierung der Feiertage wirklich inzwischen eher ab als zu? Letztes Jahr an Halloween hat es zum Beispiel nicht ein einziges Mal an unserer Tür geläutet. Entweder haben die Kinder wirklich keine Lust mehr auf „Süßes oder Saures“, oder ich habe es bereits im Jahr davor selber versaubeutelt. Da hatte ich nämlich gleich nach dem ersten Läuten die etwa 30 Sekunden lange mp3-Schleife über die Stereoanlage gestartet, die ich aus diversen „Hui Buh! Hui Buuuuuuuuuuh hä-ä-ä-ä-ä-ä-ä-ä-ä huhuhuhuuu!“-Heulern des unvergessenen Hans Clarin mit viel Geklapper der rostigen Rasselkette zusammengeschnitten hatte. Danach hatte ich die Tür geöffnet, doch es war niemand mehr dagewesen. Bis heute weiß ich nicht, ob meine Idee viel zu gruselig gewesen ist, oder ob ich mit besagten 30 Sekunden einfach nur die Aufmerksamkeitsspanne von Schulkindern überschätzt habe. Jedenfalls sind vorletztes Jahr die angeblich gesunden Nasch-Vitamine nicht in den Sammeltüten von verkleideten Halloween-Kindern gelandet, sondern im Magen von meinem Mann, und letztes Jahr habe ich erst gar keine gekauft.

Die Adventszeit und Weihnachten bleiben bisher noch unangetastet; die Konsummaschinerie brummt wie eh und je. Trotzdem habe ich 2013 das Fest der rieselnden Tannennadeln wirklich zum fünften Mal in Folge erleben können, ohne ein einziges Mal Last Christmas hören zu müssen. Geht ganz einfach: Ab dem 1. Advent verzichte ich stets auf meinen eigentlichen Radiosender R.SH (Radio Schleswig-Holstein) und höre bis Altjahrsabend einen Jazzkanal von Danmarks Radio. Denn auch wenn ich nicht gerade ein Fan deutschen Weihnachtsliedgutes bin (ich vertrete die unumstößliche Theorie, dass Eine Muh, eine Mäh, eine Täterätätääää bei einem Horrortrip nach der Einnahme bewusstseinserweiternder Substanzen entstanden sein muss), tut es auch nicht nötig, jedes Jahr immer wieder die schmalztriefende Stimme von George Michael ertragen zu müssen.

Nächster Jubeltag im Jahresreigen ist der Valentinstag, so wie heute. Ich weiß nicht recht…  Fast sechzehn Lenze bin ich nun mit meinem Mann zusammen, und wir haben diesen Tag noch nie gefeiert. Okay, ich habe ihm mal zum 14. Februar einen Besuch auf dem Fernsehturm geschenkt, was insofern außergewöhnlich war, weil ich die Aussichtsplattform wegen meiner Höhenangst mehr tot als lebendig erreichte. Aber das hatte nichts mit St. Valentin zu tun, sondern damit, dass wir an diesem Tag einfach nichts Besseres vorhatten. Wir haben unsere eigenen, viel wichtigeren Daten – der erste Spaziergang, der erste Kuss, der erste… nun ja, es dürfte klar sein, worauf ich hinaus will. Jedenfalls sind solche individuellen Tage doch viel schöner, als sich das Zelebrieren der Liebe von außen aufdiktieren und regelrecht normen zu lassen.  Blumen kann man seinem/seiner Liebsten auch an anderen Tagen als nur dem 14. Februar kaufen – der Florist eures Vertrauens wird es euch danken!

Blumen- und Süßwarenhändler haben sich an unserer Verweigerungshaltung jedoch nie gestört, weil sie genügend andere Zielobjekte fanden, welche nur zu gerne ihr Geld für Schokoherzen und Blumengebinde ausgegeben haben, weil ihnen die Werbung das so eingetrichtert hat. Dieses Jahr scheint sie aber nicht so viel Lust zum Eintrichtern gehabt haben. Im Radio habe ich keinen einzigen Werbespot mitbekommen, und auch die wenigen Reklameblöcke die ich en passant im Fernsehen aufgeschnappt habe, sind vollkommen valentinsfrei gewesen. Auch gerade im Supermarkt hat mich kein Jingle zum Last Minute-Ankauf von zarten Versuchungen oder zu gebenden Küsschen animieren wollen. Dabei war ich wirklich lange unterwegs, weil viel auf meinem Zettel stand. Aber da kam nichts. Nothing. Nada. Rien. Niente. Zilch.

Auf dem Weg zur Kasse musste ich allerdings einem Supermarktangestellten mit einem Riesenhubwagen voller Europaletten ausweichen. Unglücklicherweise wurde ich in den Gang mit den Süßigkeiten gedrückt, wo ich ganz automatisch zur Lieblingsschokolade meines Göttergatten griff. Zuhause überreichte ich ihm die Schachtel dann mit: „Alles Liebe zum Valentinstag.“

Verflixt, wie ist das nun wieder passiert?