Traumhafte Klamotten

I Have A Dream!

Diese Abteilung hat wohl jeder bei sich im Kleiderschrank. Die Plünnen, die einem ganz besonders am Herzen liegen, die man aber nicht anzieht weil sie… Nun ja, weil sie nicht passen. Wir entsorgen sie aber auch nicht, eben weil sie uns so sehr am Herzen liegen. Darum rechtfertigen wir ihren Erhalt mit dem hehren Ziel: „Eines Tages passe ich da wieder rein!“

So wie bei mir ein bestimmtes Shirt, mit dem ich die Erinnerung an eins der schönsten Live-Konzerte verbinde, die ich erlebt habe. Das hat ewig nicht gepasst und so lange so weit hinten in der I Have A Dream-Abteilung gehangen, dass ich seine Existenz schon vergessen hatte. Umso größer die freudige Überraschung (ich hätte fast ’nen Piccolo dafür aufgemacht, wenn denn einer im Haus gewesen wäre), als ich es heute wiedergefunden habe. Mir war klar, dass es wieder passen würde, also schnell gebügelt und dann angezogen.

Ich habe es sofort wieder ausgezogen. Hatte nichts mit einer Fehleinschätzung der Passform zu tun, denn es hat gepasst. Einwandfrei. Trotzdem ist es in die I Have A Dream-Abteilung zurückgewandert. Tröstlicher Gedanke: Wenn dieses Shirt eines Tages… eines fernen Tages… eines sehr, sehr fernen Tages (mal wieder) modern wird, habe ich’s schon.

Stets behütet

Eine Hundertstelsekunde Unachtsamkeit und eine scharfe Windböe reichten, um meinem Mann den letzten Heiligabend ziemlich zu vermiesen. Denn trotz aller Zuneigung zu seinem Lieblingshut war er doch nicht so wahnsinnig, ihm nach dem Malheur zur Rettung ins Gleisbett des Bahnhofs hinterher zu hechten. Der Hut wurde dann auch alsbald von einem Zug überrollt. Dass es sich dabei nur um einen schnöden Regionalexpress gehandelt hat und nicht etwa eine Sonderfahrt eines alten TEE, war dabei unerheblich. Der Verlust, und das auch noch auf dem Weg zu den freudig erwarteten Weihnachtsfeierlichkeiten bei der Familie, schmerzte.

Nachdem das Thema jetzt aus gegebenem Anlass eine ganze Weile tabu war, ist es gestern wieder ausgegraben worden. Mein Mann trägt gerne Hut, und er hätte gerne Ersatz für den vom Winde verwehten. Darum stand der Mittwoch im Zeichen der Suche nach einem Hut. Gar nicht so einfach, denn das gute alte Fachgeschäft für Herrenhüte scheint ausgestorben zu sein – sämtliche Anlaufstellen zwischen Dortmund und Duisburg, bei denen mein Mann früher Stammkunde war, haben inzwischen dichtgemacht. Aber es gibt ja noch Brendler, und das schon seit 1879. Mein Mann liebäugelt eh schon seit Ewigkeiten mit einem echten Tropenhelm als Nice-To-Have für seine Hutsammlung, und wenn wir beim nächsten Hamburg-Trip schon mal am Großen Burstah sind, können wir dann auch gleich nach einem normalen Hut für den Alltagsbedarf Ausschau halten…