’ne schöne Tasse Kaffee… Betonung auf „schön“

Kaffee!

In den 70ern und 80ern eines der untrüglichen Anzeichen funktionierender spießbürgerlicher Idylle und trotz bereits erfolgtem Wirtschaftswunder streng rationiert. Morgens zum Frühstück eine, höchstens zwei Tassen, dasselbe nochmal nachmittags zwischen eins und vier, je nachdem, ob der Vater gerade Früh- oder Mittagsschicht hatte. Weiterlesen

10 Beobachtungen aus der Twilight Zone…

… zwischen Morgengrauen und erstem Kaffee am Schreibtisch.

 

  1. Ein fröhliches „Guten Morgen – tolles Wetter heute“ vom Balkon herunter wird um zehn nach fünf morgens nicht von jedem Nachbarn auf dem Weg zur Arbeit geschätzt.
  2. Wenn man beim Frühstück in das Pulver für seinen Protein-Shake niest, seht man hinterher aus, als wäre in einer schlechten Filmkomödie eine Kokainladung explodiert.
  3. Ein auf der Joggingpiste entgegenkommender Mann kann noch so männlich, tough, muskulös und „Woof!“-inspirierend daherkommen – wenn er das falsche Eau de Toilette trägt, verwandeln sich seine militärisch inspirierten Klamotten mit Tarnmuster vor dem geistigen Auge trotzdem in ein Tutu und ein Blumendiadem im Haar.
  4. Heinz Erhardt soll seine besten Ideen für Texte immer zuhause im „gekachelten Zimmer“ gehabt haben. Mir fallen sie dummerweise immer auf der Piste ein. Problem: Bis ich zuhause bin, habe ich die meisten wieder vergessen, und während des Laufens Aufgeschriebenes ist hinterher selbst für mich unleserlich.
  5. Mir sind in den letzten fünfzehn Jahren insgesamt vier Kinder begegnet, die mit ihrer Naseweisheit, ihrer vorlauten Art und vor allem dem nicht zur Wiedergabe geeigneten Vokabular einfach unerträglich waren. Sie haben alle Levent geheißen. Entweder liegt’s am Namen oder ich werde verfolgt.
  6. Ein Autofahrer A, der mitten auf der Straße steht, um Autofahrer B in epischer Breite dessen Fahrfehler zu erläutern, während sich hinter dem Auto von A fünf weitere Autos stauen und ungeduldig hupen, sollte vielleicht seine eigene Kompetenz überdenken.
  7. Petra Schürmann hat schon vor dreißig Jahren in einer Fernsehsendung gesagt, dass der Hosenrock der scheußlichste Modeartikel ist, den es je gegeben hat. Die Frau neben mir an der Ampel ist zu jung, um diese Sendung gesehen zu haben. Das Urteil von Frau Schürmann gilt trotzdem.
  8. Morgens um halb sieben schon Alkohol in der Öffentlichkeit zu trinken, gilt gemeinhin als nicht comme il faut. Es sich mit seinen Kumpanen der Nacht in einem Park bequem zu machen, eine Picknickdecke auszubreiten und dem Sonnenaufgang mit Bier aus polierten Pilstulpen zuzusehen, hat trotzdem irgendwie Lebensart.
  9. Die WhatsApp von einem guten Freund, die bei der Rückkehr auf mich wartet und mit der er sich für den langen Klönschnackabend gestern bis weit nach Mitternacht auf dem Balkon bei einer schönen Flasche Weißwein bedankt, bestätigt die Richtigkeit der Entscheidung, auch dieses Jahr wieder auf den Eurovision Song Contest zu verzichten.
  10. Es ist nichts schlimmer, als sich mit einer schönen Tasse Kaffee an den Schreibtisch setzen zu wollen und festzustellen, dass man gestern vergessen hat, neuen Kaffee zu kaufen.

 

Und was habt ihr heute Morgen schon erlebt?

Peinliche Namen

Am letzten Plattdeutschtag hier im Blog (bzw. bei der hochdeutschen Übersetzung) habe ich ja davon erzählt, dass es einen Unterschied zwischen der Sprache in der Stadt und der Sprache auf dem Land gibt. Aber das war mehr ein generelles Thema.

Im Mikrokosmos unserer Beziehungen haben wir alle aber auch noch Weiterlesen

Schall und Rauch

Nach einem Verwandten meiner Mutter wurde ich auf den klangvollen Namen Gerrit getauft. Gerrit mit Doppel-R, wohlgemerkt. Das ist Niederländisch und heißt schlichtweg Gerhard. Mehr als zwei Jahrzehnte habe ich mit diesem Namen relativ beschwerdefrei gelebt. Dann erschien die Schauspielerin Gerit Kling auf der Bildfläche. Gerit mit einem R, wohlgemerkt. Damit fing der Ärger an.

Ich weiß gar nicht mehr, wann ich den ersten Brief erhalten habe, der an Frau Gerrit Appel gerichtet war. Diesem ersten Brief folgten jedenfalls unzählige weitere. Das hat mich nicht weiter gestört, denn Namen sind Schall und Rauch, Papier ist geduldig, und gerade Werbung kann man so schön ungelesen in die Altpapiertonne werfen. Doch wenn man plötzlich als Betrüger dasteht, sieht das Ganze schon anders aus.

„Tut mir leid“, bedauert die Kassiererin beim Plünnenhöker (für die Nicht-Platten: Bekleidungsgeschäft), „aber den Beleg muss Ihre Frau selber unterschreiben.“ Sie hält mir meine Kreditkarte vor die Nase. „Das ist doch sicher der Name Ihrer Frau oder Freundin?“

Ich knalle meinen Personalausweis auf den Tresen. Die Kassiererin entschuldigt sich tausendmal, die Hose hätte ich aber im nachhinein doch am liebsten dagelassen.

Später am selben Tag in der S-Bahn: Ticketkontrolle. Ich zeige guten Gewissens mein personalisiertes Monatsticket vor.

„Würden Sie bitte mit uns an der nächsten Station aussteigen?“

Ich ahne, woher der Wind weht. Und richtig: „Sie wissen, dass es strafbar ist, personalisierte Tickets von anderen Personen zu benutzen?“

„Durchaus, aber ich habe mir nichts vorzuwerfen.“

Jetzt versucht der Uniformierte, mir ironisch zu kommen: „Ach so, dann hat Ihre Frau heute morgen nur die Tickets vertauscht. Oder heißt Ihre Mutter Gerrit?“

Langsam werde ich sauer. „Ich weiß nicht, wie meine Mutter heißt. Man fand mich in einem Bastkorb auf dem Nil treibend!“

Wütender erneuter Griff zum Ausweis. Nach einer lauwarmen Entschuldigung darf ich eine halbe Stunde im strömenden Regen auf die nächste Bahn warten. Am nächsten Tag habe ich eine mordsmäßige Erkältung.

Solche Ereignisse häuften sich, bis ich die Nase voll hatte und beim Standesamt eine Namensänderung beantragte. Killen wollte ich den Gerrit nicht, so böse war ich meiner Mutter wegen ihrer Namenswahl auch wieder nicht. Aber einen zweiten Vornamen wollte ich hinzunehmen. Einen ganz normalen, nichts Extravagantes. Die Wahl fiel auf Jan – das war simpel, eindeutig männlich und passte zum nordischen und niederländischen Gesamtflair meines Namens.

Dem Antrag wurde stattgegeben. Seit gut zehn Jahren heiße ich nun amtlich beurkundet Gerrit Jan Appel und bin damit recht gut gefahren. Bis ich heute die Post aus dem Kasten holte.

Adressat: Frau Gerrit Jan-Appel.

Anrede im Brief: Sehr geehrte Frau Jan-Appel.

Aaaaaaaaargh!