Mach’s Beste draus

Reisetagebuch Hamburg, Juli 2017 – Teil 2

 

Wenn es nicht bereits während der großen Reise geschieht, so stellt man doch spätestens zuhause beim Kofferauspacken und Sichten der Mitbringsel fest, dass der Urlaub unter einem Leitmotiv gestanden hat. Bereits am zweiten Tag kommt mir der leise Verdacht, dass es in diesem Jahr Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt lauten könnte. Denn auch jetzt lief nicht alles so, wie eigentlich vorgesehen:

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Das Leben ist am schwersten…

… drei Tage vor dem Ersten.

Sagt der Volksmund.

Diesem sei an dieser Stelle erwidert: Von wegen! Denn an den besagten drei Tagen mag das Portemonnaie zwar in der Tat ziemlich leer sein. Das hat allerdings zur Folge, dass sich der schwerste Tag im allmonatlichen Kreislauf verschoben hat,  nämlich direkt auf den Ersten.

Zu den unbestreitbaren Vorteilen, sein privates Habitat in einem so genannten Szene- oder In-Viertel verorten zu können, gehört zweifellos die entsprechend ausgebaute Infrastruktur. In unserem Quartier sind wir in der Tat auch bestens versorgt. Fünfzehn Gehminuten sind es bis zum Hauptbahnhof, zehn bis zur Fußgängerzone der Innenstadt bzw. zum städtischen Theater nebst Opernhaus, und im Umkreis von nur fünf Minuten haben wir Zugang zu fünf Bushaltestellen, einer S-Bahn-Station sowie zu drei Stationen der der Stadtbahn. Weiterlesen

Lach mal – kriegst ’n Keks!

Obwohl Weihnachten im Grunde erst so kurz hinter uns liegt, dass wir quasi noch den Geschmack von Omas Sauerbraten  – wahlweise auch von Vaddis gefüllter Gans, Erbtante Mildreds Haggis (lasst die Frau bloß nie wieder nach Schottland reisen!) oder unserem selbstgeklöppelten Tofu-Bratling – auf der Zunge haben, steht in Kürze bereits das nächste große Fest an, das umfangreicher Dekorationen bedarf: Weiterlesen

Die Sache mit dem Schuster und dem Leisten

Shop Local – ein tolles Konzept. Man unterstützt die alteingesessenen lokalen Einzelhändler, und wenn man mangels solcher doch zum Filialisten muss, hilft man zumindest den Arbeitsplätzen in der Region. Darüber hinaus – ein Ei, das nur 5 Kilometer vom Bauernhof im Vorort zum Markt und dann von mir per pedes nach Hause getragen wird, lässt (zumindest in Form eines beruhigenden Placebo-Effekts für das schlechte Gewissen) den eigenen CO2-Fußabdruck besser dastehen als eines, das hunderte von Kilometern durch die Weltgeschichte kajohlt wird, bevor es auf meinem Frühstückstisch landet. Weiterlesen

Throwback Thursday 2016 – Teil 4

Der letzte Throwback Thursday vor Weihnachten steht für gewöhnlich im Zeichen ganz persönlicher Erlebnisse des sich dem Ende zuneigenden Jahres. Aktuelle Ereignisse haben es jedoch sozusagen als Begleiterscheinung mit sich gebracht, dass ich bereits in den letzten Wochen Weiterlesen

Gin!

Saftschubser. Dieser despektierliche Begriff ist bei Flugbegleitern aus verständlichen Gründen nicht wirklich gern gehört, doch ich darf ihn verwenden. Nämlich bei Weiterlesen

Say „cheese“

Was ist der Unterschied zwischen einem Roman von Hedwig Courths-Mahler und dem Werk einer aktuellen Königin der Liebesromanze? Bei Hedwig Courths-Mahler gab es den ersten Weiterlesen

Wie man den Montagsblues aussperrt

Eigentlich ganz einfach. Indem du dich nicht davon beeindrucken lässt, das es erst 8 Uhr 10 ist und die Woche kein Ende nimmt, sondern dich einfach Weiterlesen

Da biste platt

Man ist ja so misstrauisch geworden. Bei gefühlt zwanzig Sendungen in Funk und Fernsehen pro Tag, die uns darauf aufmerksam machen, wie hundsgemein wir an jeder Ecke abgezockt, betrogen, belogen, vulgo: von vorn bis hinten besch*ssen werden, mag man kaum noch etwas glauben. Weiterlesen

Kinder und Besoffene….

… sagen immer die Wahrheit, heißt es im Volksmund. So manche leidgeprüfte Ehefrau wird dem von Herzen, widersprechen, wenn ihr Göttergatte das „Wir gehen nach der Arbeit noch einen trinken“ mal wieder sehr großzügig ausgelegt hat. Wenn er nämlich nuschelt „‚Swar wrklch… hicks… nur ein Bier…“, wird sie das automatisch als „ein Kasten Bier“ identifizieren. Und wer auch nur ein einziges Mal Erfahrung mit dem klassischen Eltern-Kind-Dialog „Was machst du da“ – „Nichts!“ sammeln durfte, wird diesen Spruch ebenfalls mit Freuden ins Reich der Legenden verbannen.

Vor einigen Jahren hatten mein Mann und ich die Stadt mal wieder für einen längeren Heimatbesuch gen Hamburg verlassen und deckten uns gerade in einem Supermarkt nahe beim Michel mit dem Nötigsten für die nächsten Tage ein. Erfahrungsgemäß ist die Kasse mit der kürzesten Schlange diejenige, an der es am längsten dauert. Also stellten wir uns dort an, wo wir noch zwei Leute mehr vor uns hatten. Wie es der Zufall wollte, stand eine Mutter vor uns, die ihren Sohn in dem praktischen Kindersitz des Einkaufswagens geparkt hatte.

Sie hatte einiges an Waren zusammengetragen, doch es war zu erahnen, dass der Kassiervorgang rasch und unkompliziert verlaufen würde. Diese Frau war nämlich von einer Aura der Kompetenz und Zielorientierung umgeben, dass wir in ihr eine Topmanagerin in Elternzeit vermuten. Das verriet allein schon ihre Kleidung aus den besten Läden des Bleichenviertels. Als sie auch noch anfing, ihre Einkäufe nach Warengruppen sortiert auf das Laufband zu sortieren, hatte sie ihren Spitznamen bei uns weg: Mutter Effizienzia.

So rasch, wie wir es erhofft hatten, ging es an dieser Kasse dann aber doch nicht vonstatten. Denn vor Mutter Effizienzia war noch eine Seniorin an der Reihe, die gelinde Schwierigkeiten hatte, das passende Münzgeld zusammenzusuchen. Aber mal ehrlich – kann man da böse sein? Seit der Euroeinführung fummeln doch eigentlich wir alle umständlicher als früher in den Portemonnaies herum, weil das Kleingeld so verdammt schwer auseinander zu halten ist. Und wer weiß, wie wir selbst mal drauf sind, wenn wir das Alter zwischen siebzig und Open End erreicht haben.

Während diese Transaktion also noch andauerte, begann Mutter Effizienzia, mit ihrem Sprössling herumzuplänkeln. Irgendwann sagte sie zu ihm: „Willst du der Mami nicht mal ein Küsschen geben?“

Daraufhin gab der pfiffig dreinblickende Bengel eine knappe, aber bestimmte Erklärung zur Lage ab: „Nö.“

Damit wollte Mutter Effizienzia sich aber nicht zufrieden geben: „Och, bitte – gib der Mami doch nur ein einziges klitzekleines Küsschen.“

Doch der Lütte blieb bei seinem „Nö“ und schüttelt heftig den Kopf. Obendrein verschränkte er die Arme vor der Brust.

Das ging noch ein paar Mal hin und her, bis Mutter Effizienzia die Mitleidswalze auflegte: „Damit machst du die Mama aber ganz traurig. Warum willst du der Mami denn kein Küsschen geben?“

Eigentlich war der lütte Buttscher noch viel zu jung für solch raffinierte Schachzüge, aber die Kunstpause vor seiner Antwort besaß ein so perfektes Timing, dass man eigentlich gar nicht anders konnte, als ihm blanke Absicht zu unterstellen. Denn der Bengel schaute seine Mutter lange an, wobei er gleichzeitig die Umstehenden genauestens zu taxieren schien. Und erst, als er sich sicher sein konnte, dass jeder, aber auch wirklich jeder seine Worte mitbekommen würde, tat der Junge kund, was er neulich per Zufall gesehen hatte und seine Mutter daran erinnerte, in Zukunft ganz genau darauf aufzupassen, wann welche Zimmertüren zuhause geschlossen zu halten waren.

So etwas hatte Hamburg lange nicht gesehen! Die Kassiererin ließ vor Lachen das Kleingeld fallen, an der inzwischen auch geöffneten Nebenkasse ließ ihre Kollegin den Kopf auf die Tastatur ihrer Kasse sinken und trommelte hysterisch mit einer Faust auf das Laufband, ein Azubi fiel beinahe von einer Leiter, meinem Mann und mir standen die Lachtränen in den Augen, und selbst die alte Dame griente vergnügt.

Manchmal stimmt der Spruch, das Kinder immer die Wahrheit sagen, eben doch – es passiert nur immer genau dann, wenn man es am allerwenigsten gebrauchen kann: „Du hast Papas Dingsmann in den Mund genommen!“

Wenn du geschwiegen hättest…

Mütter! Ihr habt gewonnen! Ich strecke die Waffen, und euer zufriedenes Grinsen beim Lesen dieses Artikels tragt ihr ebenso zu Recht wie das „Haben wir doch immer schon gesagt“, das gleichzeitig wie ein Newsticker durch ihre Gedanken zieht. Weiterlesen