Schlag nach bei Goethe

Na, Altjahrsabend gut überstanden? Bei meinem Mann und mir ist da alles ganz ruhig und gelassen abgelaufen. Zwanzigachtzehn ist so ein turbulentes Jahr gewesen, dass wir auf die letzten Meter einfach keinen Bock auf großes Theater hatten. Mein Mann ist sogar um halb zehn in den Buntkarierten gewesen. Fünf Minuten vor Mitternacht habe ich ihn kurz geweckt, um Punkt zwölf hat es einen Kuss, beste Wünsche für zwanzigneunzehn und einen Schluck Sekt gegeben, und dann hat er sich wieder umgedreht. Ich selber habe die meiste Zeit gelesen, und als so gegen eins, halb zwei das Feuerwerk allmährlich weniger geworden ist, habe ich – genau so, wie ich das auch an Heiligabend mache – den Abend auf meine eigene Art zu Ende gebracht: Weiterlesen

Kiek no bi Goethe

Na, Altjohrsobend goot överstannen? Bi mien Mann un mi ist dat alln’s gaaaaanz sinnig un suutje aflopen. Tweedusenunachtteihn is so’n turbulentet Johr wesen, datt wi op de letzten Meter eenfach keen Bock op grootet Bohei harrn. Mien Mann is sogar um halvig teihn in de Bontkareerten weesen. Um fief Minuten vöör Mitternacht heff ik ehm kurz weckt, um Klock twölv hett dat ’n Kuss, beste Wünsche föör tweedusenundnegenteihn un ’n Sluck Prickelbrause geeven, un denn hett he sik wedder ümdreiht. Ik sölvs heff meisttiets lesen, un as so gegen Klock eent, halvig twee dat Füerwark bileten weniger worrn is, heff ik – jüst as ik dat ook an Hilligovend mook – den Obend  op mien eegen Art to’n Enn bracht : Weiterlesen

Blick zurück in Zuversicht

Es heißt doch, je älter man wird, desto mehr besinnt man sich auf die Kindheit zurück. Aus eigener, unlängst gemachter Erfahrung kann ich dazu nur eins sagen:

Stimmt.

Vor ein paar Tagen habe ich nämlich meinem Mann den Rücken mit einer Salbe eingerieben und kam mir angesichts des dem schmerzlindernden Balsam entströmenden Odeurs plötzlich wieder vor wie vor *nuschelnuschel*-zig Jahren in der Grundschule: Weiterlesen

Das fängt ja gut an!

Keine Sorge, ich habe euch nicht vergessen, liebe hochdeutsche Leser. Hier ist sie – die Übersetzung des plattdeutschen Artikels vom vorletzten Montag. Viel Spaß! Weiterlesen

Dat fangt jo got an!

Moin. Altjohrsovend goot överstanden?

Ik weet nich, wie dat bi jo wesen is, ober bi uns hett sik dat so anfeuhlt, as ob tweedusenunsössteihn no all den Spijöök un Krakeel ’n böten wat goot moken hebben wullt. Dat wor ’n richtig kommodigen Obend bi mi un mien Mann. Toerst hebben wi fein to Obend eten, dann hebbt wi ganz nostalgisch bi’n Glas Wien in de Döns vöör uns ole Musikschapp op den Fußboden logert un ole Schallplatten höört, und denn vun Klock 21:45 an hebbt wi den Glotzkasten föör Sluderkrom in’t Treppenhuus ut’n Ohnsorg Theoter anmookt. De niege Inszenierung von tweedusenunsössteihn mit Heidi Kabel ehr Dochter Heidi Mahler in de Hauptroll. Dat is weerklich scheun wesen – düsse niege Version bruukt sik wohrhaftig nich achter den Klassiker vun neegenteihnhunnertsössunsösstig verstecken. Weiterlesen

Das Pferd frisst keinen Gurkensalat

Die geschätzte Kollegin Anna Schmidt vom Blog Bunt und farbenfroh aus Berlin hat wieder einmal einen großartigen Artikel geschrieben. Weiterlesen

Weihnachtsgedanken

Der Feind zeigte erst nach dem freudig angenommenen Heiratsantrag sein wahres Gesicht, denn er ging geschickt vor. Weiterlesen

Altjahrsabend 2014

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Liebe Freundinnen und Freunde, liebe Leserinnen und Leser des Wortgepüttscher,

das Jahr 2014 ist in wenigen Stunden endgültig Geschichte. Um mich für ein spannendes 2014 zu bedanken, möchte ich gar nicht so unbedingt in die vielen salbungsvollen Reden einstimmen, sondern Ihnen und euch einfach nur meine neue Kurzgeschichte Finderlohn – natürlich mit Bezug zum tagesaktuellen Anlass – ans Herz legen, die -> hier zu lesen ist.

Guten Rutsch und alles Gute für 2015!

Altjahrsabend

Es muss vor inzwischen sieben oder acht Jahren gewesen sein. Große Party zum Altjahrsabend (ich mag diesen Begriff einfach lieber als das schnöde „Silvester“) bei meinem Mann und mir. Euphorische Stimmung und Anstoßen mit Sekt an Mitternacht, anschließend raus auf die Straße, um den Nachbarn beim Feuerwerk zuschauen. Überall knallt und zischt es, bunte Funkenregen gehen auf das Quartier nieder. Auf der anderen Straßenseite sehe ich eine junge Frau – nein, eher noch ein Mädchen vor einem Auto auf und ab gehen. Sie sieht ein bisschen der Welt entrückt  aus. Erst vermute ich, dass sie betrunken ist. Doch offenbar hat sie sich nur aus dem Auto ausgesperrt; abwechselnd zieht sie an der Tür und starrt ratlos ins Wageninnere. Krach-bumm-peng – Knallfrösche explodieren, neue Raketen werden gezündet, die Straße ist vernebelter als London an einem Oktobermorgen. Als der Qualm sich zwischendurch kurz verzieht, ist das Mädchen weg.

Irgendwann ist die Knallerei vorbei, wir gehen zurück in unsere Wohnung. Kleiner Absacker, und gegen halb drei wird die Runde allmählich bettschwer. Sofas werden ausgeklappt, Feldbetten aufgestellt, Luftmatratzen aufgepumpt. Zwei unserer Gäste, die nicht gerne auswärts übernachten, machen sich noch auf den langen Weg zurück nach Travemünde. Ich bringe sie zu ihrem Auto, verabschiede mich und winke ihnen noch kurz hinterher. Dann will auch ich nur noch in die Buntkarierten.

Auf dem Weg zurück zum Haus sehe ich das Mädchen wieder. Sie läuft auf und ab wie ein Tiger im viel zu engen Käfig. Ihr vorhin noch verzweifelter Blick hat jetzt etwas Wildes. Aber von Aggressionen scheint sie weit entfernt. Bis zu dem Moment, als sie mit aller Macht gegen die Scheinwerfer eines Autos tritt. Glas splittert, sie bricht heulend zusammen. Okay, der kann nur noch professionell geholfen werden. Ich halte ein Pärchen an, zum Glück sind sie nicht angetüddert. Während die Frau nach einem Krankenwagen telefoniert, heben der Mann und ich die Deern hoch und schleppen sie zum nächsten Hauseingang, wo sie ein bisschen vor dem kalten Januarwind geschützt ist. Verletzt ist sie zum Glück nicht, auch hat sie keine Alkoholfahne, dafür ist sie aber völlig mit den Nerven am Ende. Wir reden auf sie ein, versuchen ihr zumindest zu entlocken, wie sie heißt. Vergeblich.

Gut zehn Minuten später ist der Spuk vorbei. Ich spreche noch kurz mit dem Pärchen, bedanke mich für die Hilfe und kann dann endlich Kurs auf mein Bett nehmen. Das Mädchen hat ein Sedativum gespritzt bekommen und ist auf dem Weg in die Notaufnahme. Ich habe sie nie wieder gesehen.

Nicht für jeden Menschen erfüllt sich der Wunsch eines „frohen neuen Jahres“. Für manche beginnt das neue Jahr richtig bes***en. Genau für diese werde ich – wie in jedem Jahr auch – eine Kerze anzünden. Erscheint mir einfach sinnvoller als die Investition in Kracher und bunt funkelnde Raketen.

Dies ist ein Abstandhalter.

Das war der letzte Eintrag im Wortgepüttscher für 2013. Allen Lesern herzlichen Dank für die Besuche hier und das bunte Feedback. Wir lesen uns in 2014 wieder – kommt gut und vor allem gesund rüber!