Ich hör immer „Halloween“…?

Bei manchen Dingen frage ich mich, warum ich mich überhaupt mit ihnen beschäftige – z. B. die Weiterlesen

Am Ziel

Auf manche Ereignisse kann man nur mit einem gewissen Maß an Erstaunen blicken, weil sie Weiterlesen

3x Psycho

20141103-21989

Ich war stolz wie Oskar! Endlich hatte ich das Alter erreicht, das die FSK mindestens erwartete, wenn man Hitchcocks Klassiker Psycho schauen wollte. An diesem Sonnabend sollte er im Fernsehen laufen, und ich hatte von meinen Eltern die feierliche Erlaubnis erhalten, bis nach Mitternacht aufzubleiben und dem gar schauerlichen Tun von Norman Bates zuzuschauen.

Schockmoment Nummer 1: Die Duschenszene. Mein Herz raste, das nervenzerschneidende Iiek-iiek-iiek der Musik tat sein Übriges.

Schockmoment Nummer 2: Der Mord an dem Detektiv. Holla, für eine angeblich bettlägerige alte Frau war „Mutter“ verdammt fix auf den Beinen und mit dem Messer. Hoffentlich würde mein wummerndes Herz bald wieder vom Hals in den Brustkorb zurückrutschen.

Schockmoment Nummer 3: Die Mumie von „Mutter“ im Keller. Das reichte dann an Schrecken für einen Abend. Ende des Films. Die Nacht verbrachte ich bei eingeschaltetem Licht, und künftig schloss ich beim Duschen das Badezimmer ab!

1995

Sie war stolz wie Oskar! Endlich hatte meine Schwester das Alter erreicht, das die FSK mindestens erwartete, wenn man Hitchcocks Klassiker Psycho schauen wollte. An diesem Sonnabend sollte er im Fernsehen laufen, und meine Schwester hatte von unseren Eltern die feierliche Erlaubnis erhalten, bis nach Mitternacht aufzubleiben und dem gar schauerlichen Tun von Norman Bates zuzuschauen.

Schockmoment Nummer 1: Die Duschenszene. Ihr Herz raste, das nervenzerschneidende Iiek-iiek-iiek der Musik tat sein Übriges.

Schockmoment Nummer 2: Der Mord an dem Detektiv. Holla, für eine angeblich bettlägerige alte Frau war „Mutter“ verdammt fix auf den Beinen und mit dem Messer. Hoffentlich würde ihr wummerndes Herz bald wieder vom Hals in den Brustkorb zurückrutschen.

Schockmoment Nummer 3: Die Mumie von „Mutter“ im Keller. Das reichte dann an Schrecken für einen Abend. Ende des Films.

Schockmoment Nummer 4: Der fiese große Bruder hatte sich mit Mutterns alter Perücke und dem größten Küchenmesser ausgestattet und stürmte mit irrem „Aaaaaaaaaaar-har-har-har!!!!“ das verdunkelte Zimmer seiner Schwester. Der Schwur nach Rache (die am nächsten Morgen mit einem über den Kopf des Bruders gegossenen Glas Orangensaft erfolgte) milderte nächtliche Gedanken an den bösen Norman und seine Mama ab.

2014

Er war geringfügig neugierig nach den Erzählungen seiner Mutter und seines Onkels. Endlich hatte mein Neffe das Alter erreicht, das die FSK mindestens erwartete, wenn man Hitchcocks Klassiker Psycho schauen wollte. Zum Geburtstag hatte es den Film als Geschenk auf DVD gegeben, und das Halloween-Wochenende bot sich in Augen von Mutter und Sohn (repektive meine Schwester und mein Neffe) für einen schönen Gruselabend an.

Schockmoment Nummer 1: Die Duschenszene. Mein Neffe: „Boah, kommt diese blöde Musik jetzt den ganzen Film? Und man sieht ja voll, dass das Messer immer am Körper vorbeigeht. Wer hat’n die jetzt eigentlich umgebracht? Der Norman?“ – Meine Schwester (leicht genervt): „Was hast ’n du grade gesehen?“ – Mein Neffe: „‚Ne Frau.“ – Meine Schwester: „Siehste! Und jetzt halt die Klappe!“

Schockmoment Nummer 2: Der Mord an dem Detektiv. Holla, für eine angeblich bettlägerige alte Frau war „Mutter“ verdammt fix auf den Beinen und mit dem Messer. Mein Neffe: „Das sieht ja voll künstlich aus, wie der die Treppe runterfällt.“ – Meine Schwester (sehr genervt): „Hätten die die Kamera hinterherwerfen sollen, damit’s echter aussieht?“

Schockmoment Nummer 3: Die Mumie von „Mutter“ im Keller. Mein Neffe raschelte mit der Chipstüte. „Mist, ist ja leer.“ Ende des Films – und der Halloweenstimmung.

Resümee

Entweder hat Norman Bates in seinen 54 Existenzjahren wirklich an Schrecken verloren, oder unsere lütten Buttscher sind heute einfach abgezockter als wir damals…