Liebster Award – Nachtrag

Am vergangenen Montag gab es hier im Rahmen des Liebster Award nicht nur meine Antworten auf die 10 Fragen, die Carmilla DeWinter mir gestellt hat – regelkonform habe ich auch neue Fragen gestellt, als der Staffelstab von mir weitergereicht wurde.

Wenn ich die ganzen anderen Liebster Awards-Posts so lese, die sich mittlerweile im Web tummeln, vermisse ich Weiterlesen

Frühlingsgefühle

Langsam kommt der Frühling in Fahrt. Gestern war der erste Abend, an dem ich bis nach zehn auf dem Balkon gesessen habe. Statt im T-Shirt zwar im dicken Pulli, aber immerhin!

Es war ein kommodiger Abend – eine Kanne Tee auf dem Stövchen (für eisgekühlte Cocktails war es Weiterlesen

… und es kam schlimmer!

Da hatte ich gedacht, mit meiner kleinen Einlassung zum Genuss von Energy-Drinks mit besonderem Aroma die tiefsten Abgründe des Getränkekonsums beschrieben zu haben, da setzt der Einzelhandel noch einen drauf.

Denn in just dem selben Supermarkt Weiterlesen

Revierkämpfe

Da sie sich scheinbar besonders in Österreich großer Beliebtheit erfreuen, wie der Grünkohl-Montag gezeigt hat, zum Wochenausklang nochmal eine kleine Anekdote aus meinem wildbewegten Ehe- und Küchenleben:

Seit gut zwei Jahren gehen mein Mann und ich getrennte Wege. Also, kulinarisch, meine ich. Seit 2012 bin ich Vegetarier. Anfang des vorletzten Sommers waren mein Mann und ich spazieren. Wir hatten Lust auf ein Eis. Was macht man im Ruhrpott, wenn keine Eisdiele in der Nähe ist? Man geht zum nächsten „Büdchen“ und kauft sich ein Industrieeis. Nachdem ich binnen zehn Minuten drei verschiedene Sorten Eis jeweils nach dem ersten Bissen weggeworfen hatte, weil ich das Gefühl hatte, nur in schieres Fett und schieren Zucker zu beißen und nicht in etwas, das angeblich auch nach Erdbeer oder Mandel schmecken sollte, habe ich künftig generell die Finger von solchem Zeug gelassen.

Nach und nach schien sich mein Geschmack radikal zu verändern. Dinge mit Raffinadezucker, wie etwa Limonaden oder Süßigkeiten, schmeckten mir immer weniger, ich stieg auf selbstgebrühte, ungesüßte Tees, Mineralwasser und Obst um.

Auch die Lust auf den Geschmack von Fleisch kam mir immer mehr abhanden. Sätze wie „Bring heute vom Schlachter nur ein Kotelett für dich mit, ich will keins. Bring mir lieber alles für ’nen frischen Salat mit“ häuften sich, wenn mein Mann und ich das Mittagessen planten. Bis der Tag gekommen war, an dem ich ganz aufhörte, Fleisch(produkte) zu essen. Kein Schnitzel mehr, kein Gulasch mehr, keine Salami aufs Brot mehr, kein Stück Fleischwurst „aus der Hand“ mehr. Einfach, weil es mir nicht mehr schmeckte.

Es war also keine Gewissensentscheidung. Als Jung vun’t Dörp bin ich mit Nutzviehhaltung aufgewachsen. Der Sau Berta heute noch den Rücken zu kratzen und morgen aus ihrem Blut den berüchtigten Swattsuuer (Schwarzsauer) zu kochen ist für mich normal und okay. Es gibt nun mal Lebewesen, die andere Lebewesen zur Ernährung nutzen. Löwen fressen Gnus, Ameisen melken Blattläuse, Kuckucksvögel lassen andere Vögel ihren Nachwuchs durchfüttern, Menschen futtern Schweine und Kühe. Mother Nature’s Plan, Fact of Life.

Natürlich stimmt bei uns was nicht, wie es dazu kommt, dass Tiere und Tierprodukte bei uns auf dem Teller landen, da ist Mother Nature’s Plan gehörig aus dem Takt gekommen, aber das soll heute nicht das Thema sein. Sonst wird der Artikel einfach zu lang. Kurzum: Ich habe kein Problem mit Nutztierhaltung, solange sie vernünftig geschieht. Mein Vegetarierdasein beruht ausschließlich auf geschmacklichen Erwägungen.

Missionarischen Eifer sucht man daher bei mir vergebens. Jeder soll seine eigene Entscheidung treffen, was und wie er essen möchte. Es ist okay, andere höflich zu informieren, wenn man gefragt wird. Aber dieses ungefragt über Andere bestimmen oder sie beeinflussen zu wollen geht mir selber gehörig auf den Geist. Manchmal kommt es mir vor, als seien viele Hardcore-Vegetarier/-Veganer die Kreuzzügler des 21. Jahrhunderts, die alles niedermetzeln, was ihren Glauben nicht teilt. Grüniban, sozusagen. Mit diesen Zeitgenossen möchte ich, bitteschön, nicht verwechselt werden. Jedem sei sein Essen und wie er es sich beschafft von Herzen gegönnt, weil ich einfach an das selbstbestimmte Leben glaube und daran, dass ein friedliches Miteinander von Fleischfreunden, Vegetariern und Veganern möglich ist.

Darum bin ich mir auch nicht zu schade, anderen Fleisch zuzubereiten. Mein Mann bekommt immer noch von mir die Leber mit Zwiebeln und Himmel & Erde nach Omas Rezept, wenn er sich das wünscht. Basta. Auf der anderen Seite koche ich auch zusätzliche Gerichte für Vegetarier und Veganer, wenn wir Gäste haben. Das macht zwar ’n büschen mehr Arbeit – aber jemandem, der gerne kocht, macht es doch gar nichts aus, ob er mit drei, vier Töpfen mehr hantieren muss. Wo ist also das Problem?

Ich esse eben nur selber kein Fleisch mehr. Also runter vom Speiseplan damit, und zwar nur von meinem ganz persönlichen.

Das führte zwangsläufig dazu, dass bei uns jetzt bisweilen zwei Essen gekocht werden. Zu Anfang klappte das ganz gut, weil ich mitten im Sommer umschwenkte und erstmal nur Rohkostsalate aß, weil das bei 28° im Schatten ohnehin erfrischender ist als warme Mahlzeiten. Auch der erste Winter war okay. Ich kannte noch nicht so viele rein vegetarische Rezepte, wodurch mein Speiseplan recht einfallslos war, sich vieles wiederholte und weil der große Kochpott mit einer dreistöckigen Dünst-Etagere nicht viel Platz braucht. Auch zwei Eintöpfe, die bis auf die Zugabe der fleischlichen Zutaten vollkommen gleich waren, gingen problemlos vonstatten.

Doch allmählich füllte meine Rezeptkladde sich, ich fing an vermehrt zu schnippeln, rührte hier ein Sößchen an, briet dort was an und brauchte zunehmend mehr als eben nur den Topf mit der Dünst-Etagere. Solange mein Mann sich bei meinem Grünzeug mitbediente und es als Beilage brauchte, war das kein Problem. Nur wenn er auf so ganz was anderes Lust hatte, wurd’s heikel. Dialoge wie diese häuften sich:

„Was waren das noch für Zeiten, als du mit einer Herdplatte ausgekommen bist. Jetzt breitest du dich so aus, dass jeder Pott seine eigene Postleitzahl braucht.“ – „Guck dich doch selbst an – du bist der einzige, der sich für ein einziges lausiges Schnitzel eine zehn Meter lange Panierstraße baut!“

Aber irgendwie lavierten wir uns durch Situation immer hindurch und schafften es dabei sogar, das wir uns gleichzeitig zum Essen niederlassen konnten.

Bis zum Tag, der als „Kampf der Titanen“ Einzug in die Ehechronik gehalten hat. Es war ein Sonntag, und da kochen wir gerne etwas ausgiebiger, weil gemeinsames Küchengepüttscher bei einem guten Hörspiel einfach kommodig ist.

Auf meinem Menü stand: Salat mit warmen Paprikastücken als Vorspeise, Kartoffel-Möhren-Crèmesuppe mit weißen Bohnen als Hauptgericht und selbstgemachtes Apfelkompott als Dessert. Ich brauchte: Drei Töpfe, den Thermomix, drei Rührschüsseln und die Bratpfanne, weil ich inzwischen gelernt hatte mit Honig oder Agavensirup anzubraten statt Fett, ohne dass ich hinterher Bonbons hatte. Dazu der entsprechende Platz, vor allem sämtliche vier Herdplatten.

Auf meines Mannes Menü stand: Fleischbrühe mit Nudeln und Eierstich, natürlich mit selbst zubereiteter Brühe. Steak mit Bratkartoffeln und Speckböhnchen. Vanille Vla. Letzterer kam zum Glück aus dem Tetra Pack, doch allein für Vorspeise und Hauptgericht brauchte er: Drei Pötte, den Thermomix und zwei Bratpfannen. Dazu der entsprechende Platz, vor allem sämtliche… (siehe oben).

Was soll ich sagen – wir tänzelten um einander herum und sahen dabei längst nicht so majestätisch aus wie dereinst Rudolf Nurejew und Margot Fonteyn. Wir rangelten eher wie ungezogene Schuljungs um den besten Platz in der Milchschlange vor der großen Pause.

Als wir uns zum dritten Mal gegenseitig so richtig auf die Füße getreten waren, sahen wir einander an, und in unserem stummen Blick lag eine feierliche Übereinstimmung: Wir brauchen einen zweiten Herd.

Oder besser gleich eine zweite Küche.

Über den Tellerrand geschaut (4)

2014-10-11-01Fundstücke aus anderen Blogs – Heute: Little Wittys

Ein Blog, dem ich seit einiger Zeit mit größtem Vergnügen folge, ist Little Wittys. In der Welt der kleinen Kritzelbildchen finden sich wunderschöne vom Moment inspirierte Zeichnungen, die in der Tat witty, also englisch für geistreich daherkommen.

Doch sie sind mehr als nur geistreich. Sie sind anrührend, lustig, poetisch, be-zaubernd, ver-zaubernd, übermütig, nachdenklich, aufmunternd, charmant, herzlich… Ich könnte die Reihe endlos fortsetzen und würde es doch nicht ganz mit Worten treffen. Auch ein Wortpüttscherer stößt mal an seine Grenzen. Vor Begeisterung, wohlgemerkt, „und das freut ein‘ denn ja auch“, wie der Hamburger Heimatdichter Arnold Risch immer zu sagen pflegte.

Gestern gab es bei den Little Wittys ein Rätsel in der Reihe Wer bin ich, und meine Wortpüttscherer-Wenigkeit war derjenige, der dieses Rätsel gelöst hat. Gewonnen habe ich dafür mein eigenes Witty nach einem von mir vorgegebenen Stichwort. Ich danke ganz, ganz herzlich für dieses Little Witty. Wer es sich anschauen möchte, kann das -> hier tun. Aber bitte nicht nur bei diesem Witty verweilen, sondern sich einfach mal durch den ganzen Blog durchklicken und sich von den Little Wittys verzaubern lassen. Es lohnt sich!

Schönes Wochenende!

 

Am Tag, als der Regen kam

So schnell kann’s gehen…

Am letzten Freitag habe ich in den Häppchen zum Wochenende noch davon gesprochen, dass unsere geschätzte Untermieterin Thekla einen unbefristeten Mietvertrag bekommen hat.

Heute ist sie nicht mehr da, auch ihr gesamter Hausstand ist weg. Ob sie freiwillig ausgezogen ist oder ob der Dauerregen vom Wochenende alles weggespült hat, weiß ich nicht. Doch ich hoffe, sie hat eine neue Unterkunft gefunden, die wettergeschützter ist, und es geht ihr gut.

Atschüüß, Thekla. Mook dat goot, Deern. Un kiek mol wedder in.

Häppchenweise

Moin!

Zum Start ins Wochenende wieder ein paar Häppchen aus dieser verrückten Sache, die sich Leben nennt.

Nerv-Happen

Die neue Radio-Reklame für Black Forest Mineralwasser mit der plumpen Forrest Gump-Anleihe ist so penetrant nervtötend, dass man sich schon fast freuen würde, wenn stattdessen Seitenbacher käme…

Zitat-Happen

Ich will nicht sagen, dass ich viel Kaffee trinke, aber kolumbianische Bauern haben ein Foto von mir im Portemonnaie. (aus dem Web)

Schreckens-Happen

Aufdruck auf der Tee-Schachtel: „…mit sprudelnd kochendem Wasser aufgießen und mindestens 8 Minuten ziehen lassen! Nur so erhalten Sie ein sicheres Lebensmittel!“ Langsam traut man sich ja gar nicht mehr, noch irgendetwas zu essen oder zu trinken. Was passiert, wenn ich den Beutel schon nach 7 1/2 rausnehme? Kommt dann die leichte Note von Schierling, Belladonna und Fingerhut durch, oder was? Man kann es mit den Warnhinweisen auch übertreiben!

Literatur-Happen

Schon seit einer Woche geplant, aber erst heute Gelegenheit dazu, es umzusetzen (die Autobiographie von Dame Vera Lynn hatte sich noch dazwischengemogelt): Beginn der kompletten DCI Banks-Serie von Peter Robinson, Roman 1 von insgesamt 22. Ich mag diesen Schnüffler einfach. Spannende, abwechslungsreiche Plots und eine glaubhafte Entwicklung über die Jahre beim Hauptcharakter sowie ein wechselndes Ensemble von Nebencharakteren, die dem natürlichen Lauf von Beförderungen und sich wandelnden Lebensplänen folgend in der Serie auftauchen und wieder verschwinden. Für mich aus Laiensicht die glaubwürdigste Darstellung von Polizeiarbeit in den Yorkshire Dales.

Musik-Happen

Heute gibt’s mal wieder einen Vinylabend auf dem Fußboden vor Schwiegeropas alter Musiktruhe, natürlich mit ’nem Gläschen Wein. Auf dem Programm: Jazz-EPs von Count Basie über Ella Fitzgerald und Satchmo bis Caterina Valente. Vielleicht werde ich auch noch ein paar Schellacks von Billie Holiday und Glenn Miller spielen.

Freuden-Happen

Seit sage und schreibe sechs Wochen blüht unsere Orchidee Horst-Kevin (bei uns haben alle Blumen Namen) und denkt gar nicht damit aufzuhören.

Glücks-Happen

Spinnen bringen bekanntlich Glück, und darum wird bei uns nie eine beseitigt, allenfalls umgesiedelt. Aber Thekla (man kennt ja seine Biene Maja) hat den ganzen Sommer über so schön die Wespen aus unserer Küche gehalten, dass sie ihr Single-Apartment vor unserem Fenster behalten darf. Und beide Seiten sind glücklich.

Futter-Happen

Rohe Kohlrabi auf frisch gebackenem Brot zum Abendessen. Ik frei mi nu schon…

Foto-Happen

Ausbesserungsarbeiten an der Queen Mary 2. Es gibt Jobs, die man nicht unbedingt selber ausüben möchte…

Schönes Wochenende!

Sonntagszwischenruf

Messer

Heute: Altes Wissen

Ganz egal, ob man nun Damen wie Carol Brady (Drei Mädchen und drei Jungen) aus den USA als Vorbild nimmt oder sich in heimischen Gefilden bei Angi Schumann (Ich heirate eine Familie) umschaut – in den Serien aus der Frühzeit meiner Generation sind es immer die Mütter, die große und kleine Katastrophen zu aller Zufriedenheit richten.

Aber wo wir grad so nett unter uns sind – ist das nicht ein falsches Bild? Auch wenn unsere Mütter zeitgeisthalber noch hauptsächlich die klassische Rolle der „Nur-Hausfrau“ ausgefüllt haben – und das ganz vorzüglich, wie ich ausdrücklich betonen möchte – die Kniffe des Lebens kennen wir doch eigentlich alle von unseren Großmüttern. Kein Klönschnack über Koch- und sonstige Haushaltstricks, in dem nicht irgendwann der bedeutungsschwangere Satz fällt „Meine Oma hat auch immer…“

Darum fiel mir auch gleich meine eigene Oma ein, als mein mir Angetrauter es heute geschafft hat, sich beim Herausholen des Waffeleisens aus einem höheren Regal unserer RumpelSpeisekammer selbiges auf die Schläfe fallen zu lassen: Schnell zum Besteckkasten gerannt, ein ganz normales Butterbrotmesser rausgeholt und kühlend auf die betroffene Stelle gelegt. Et voilà – von dem Malheur ist nix zu sehen.

Carol Brady und Angi Schumann hätten das grantiert nicht gewusst!

Über den Tellerrand geschaut (1)

Fundstücke aus anderen Blogs – Heute: Freitags-Füller

In anderen Blogs zu stöbern macht unheimlichen Spaß, vor allem jenen, die sich mit Kreativität beschäftigen. In den Scrap-Impulsen habe ich heute den Freitags-Füller gefunden, dem Lückentext im Englisch- oder Deutschunterrricht früher auf der Penne nicht unähnlich. Es gibt sieben Vorgaben, die man nach eigenem Gutdünken ergänzt – und dann natürlich teilt.

Eine schöne Übung für Spontaneität beim Schreiben, und hier ist das, was mir zum Freitags-Füller dieser Woche eingefallen ist (meine Ergänzungen sind  Fett/Kursiv gehalten):

  1. Fußball ist so gar nicht meins.
  2. Trotzdem gönne ich die Fußball-Weltmeisterschaft allen, die’s mögen, von Herzen.
  3. Eigentlich mag ich bei dem schönen Wetter heute so gar nicht zu Feudel und Leuwagen greifen, aber Scheuerwoche im Flur muss sein.
  4. Überteuerte Staubfänger de luxe: Fanartikel.
  5. Brasilien hat uns mit Astrud Gilberto und Antônio Carlos Jobim wunderbare Musiker geschenkt.
  6. Ich werde heute hoffentlich noch (siehe Punkt 3) gegen meinen inneren Schweinehund gewinnen.
  7. Was das Wochenende angeht, heute Abend freue ich mich auf die Fertigstellung eines Kapitels meines neuen Manuskripts, morgen habe ich noch gar nichts geplant und Sonntag möchte ich genauso spontan entscheiden können!

Schönes Wochenende!

Küchengepüttscher

StielmusDas unerwartet gute Wetter hat uns einen extrem frühen Start in die Spargelsaison beschert. Es sind immer noch zwei Wochen bis Ostern, und trotzdem findet man schon die ersten weißen Stangen in den Gemüsekisten – aus hiesiger Ernte, wohlgemerkt. Für die meisten fängt jetzt der Frühling erst richtig an – zumindest der kulinarische.

In unserer Familie ist das anders. Bei uns läutet der Stielmus die Zeit der Frühlings- und Sommergerichte ein. Darum war gestern die Freude entsprechend groß, als wir den ersten Stielmus des Jahres beim Grünhöker unseres Vertrauens entdeckten und damit das heutige Mittagsmahl ohne weitere Überlegung feststand.

Wahrscheinlich müsste es das Stielmus heißen, denn man sagt ja auch das Apfelmus. Aber in meinem Clan sagt man schon seit Generationen eben der Stielmus, weil dieses Gemüse – anderenorts auch Rübstiel oder Streppmaut genannt – bei uns nur als Eintopf auf den Tisch kommt. Und welcher grammatikalische Artikel gehört vor Eintopf? Eben!

Stielmus ist bei uns eines jener typischen Oma-Gerichte, will heißen: Nur die Großmutter bekommt ihn auf diese eine, ganz besondere Weise hin, dass sich alle danach die Finger lecken, und es gibt niemanden, der es auch nur annähernd nachmacht. Gut, das können Omas – wie hier und da schon mal erwähnt – eigentlich bei allen Gerichten, aber bei meinerOma Else war der Stielmus das Gericht, das sie in unserer Familie zur unangefochtenen Königin des Kochlöffels gemacht hat. Selbst an dem Tag, als wir uns für immer von Oma verabschieden mussten, drehte sich das nostalgische Schwelgen in schönen Erinnerungen irgendwann ums Essen: „Wenn ich an den Stielmus von unserer Else denke…“

Es hat Zeiten gegeben, da hatte Oma drei 10-Liter-Töpfe gleichzeitig auf dem Herd stehen, um alle ihre Fans aus der Familie und der Nachbarschaft satt zu bekommen. Und Oma hat sie alle satt bekommen, denn auch das können nur Omas: Es sind noch für fünf Leute Vorräte in der Speisekammer, aber es werden trotzdem locker fünfzehn Leute satt.

Aber das ist eine andere Geschichte; zurück zum Stielmus. Selbst unsere Verwandten aus Wilhelmshaven und Wormerveer bei Amsterdam sind manchmal für das erste Stielmusessen des Jahres hunderte von Kilometern angereist.

Eine verdammt hohe Messlatte, wenn nachfolgende Generationen sich an die Zubereitung wagen. Obwohl man sich genauestens an Omas Überlieferungen gehalten hat, sind zig Versuche danebengegangen. (Tyischer Dialog zu Omas Lebzeiten: „Du musst doch ein Geheimnis haben!“ – „Nein, wirklich nicht“, gefolgt von nochmaliger mündlicher Kochanleitung…)

Aber wenn dann – meist, wenn man keine Lust mehr hat, sich noch ein weiteres Mal vergebens abzumühen – der Tag kommt, an dem man bescheinigt bekommt: „Jetzt hast du’s zu 98 % geschafft“ (die letzten 2 % sind bekanntlich auf ewig unerreichbar), ist Wolke 7 ein Dreck gegen die Freude, die man verspürt.

Jetzt habe ich soviel vom Stielmus geschwärmt – wahrscheinlich wird nun das Rezept erwartet, hm…?

Sorry.

Familiengeheimnis.