Kuddelmuddel (hochdeutsch)

Ein Kuddelmuddel ist meist… naja, ein Kuddelmuddel. Also etwas, das man nicht wirklich so gern haben möchte. Packst du einen roten Strumpf zu deiner weißen Kochwäsche, hast du hinterher ein Kuddelmuddel in deinem Wäscheschrank. Kaufst du mehr ein, als du dir leisten kannst, hast du ein Kuddelmuddel auf deinem Konto. Das ist dann eher ein schlechtes Kuddelmuddel.

Es gibt aber auch gutes Kuddelmuddel. Wenn ein Wurf junger Welpen im Hundekorb rumwuselt, ist das doch zu und zu schön. Oder beim Kochen, wenn du Eintopf kochst. Da schmeißt du deine Zutaten zusammen, rührst alles durch und am Ende hast du das leckerste Kuddelmuddel, das du dir denken kannst.

Bloß – was machst du, wenn gutes und schlechtes Kuddelmuddel zusammenfallen? Auch das kann in der Küche passieren.

Es ist nun eine ganze Reihe von Jahren her, da wollte mein Mann mir zum ersten Mal sein Lieblingsessen aus Kindertagen vorstellen. Was hat er da für ein Theater drum gemacht, das glaubt ihr nicht. Er hat mich sogar aus der Küche geworfen, damit er sich voll konzentrieren konnte. Ich habe natürlich mit etwas ganz edlem gerechnet, so etwas wie Bœuf Stroganoff oder ein französisches Soufflße. Aber was er mir dann vorgesetzt hat, ist zumindest optisch, naja, sagen wir mal „suboptimal“ dahergekommen. Auf meinem Teller habe ich nämlich bloß eine gelbe und grüne Pampe gesehen. In meinen Augen definitiv kein gutes Kuddelmuddel.

„Oh“, sagte ich, „das tut mir leid.“

„Was tut dir leid?“, fragte er.

„Dass das mit deinem Lieblingsessen in die Grütze gegangen ist.“

„Von wegen! Das muss so.“

„Echt?“

„Echt! Hau rein, das ist lecker.“

Was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht – so heißt ein alter Kalenderspruch. Nun bin ich aber kein Bauer, darum gilt das für mich nicht. Also habe ich mich überwunden und probiert.

Tja, was soll ich sagen? An diesem Tag habe ich gelernt, dass etwas, das wie ein schlechtes Kuddelmuddel aussieht, manchmal auch ein gutes Kuddelmuddel sein kann.

Ach so, nun wollt ihr ja auch noch wissen, was das für ein Kuddelmuddel gewesen ist, das mein Mann da zurechtgepüttschert hat.

Ganz einfach: Er hat zuerst einen Kartoffelbrei gekocht, dann hat er eine große Schüssel Endiviensalat mit einer süß-sauen Sauce gemacht, und dann hat er beides zusammengeschmissen und tüchtig durchgerührt. „Endivien untereinander“ nennt sich das, kommt aus dem Rheinland – und ich sage euch… Wenn man sich erstmal überwunden und probiert hat, ist dieses Endivien untereinander wie ein Eintopf: Das leckerste Kuddelmuddel, das du dir denken kannst. Seit diesem Tag ist das nämlich auch eins von meinen Lieblingsessen.

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