Blick zurück in Zuversicht

Es heißt doch, je älter man wird, desto mehr besinnt man sich auf die Kindheit zurück. Aus eigener, unlängst gemachter Erfahrung kann ich dazu nur eins sagen:

Stimmt.

Vor ein paar Tagen habe ich nämlich meinem Mann den Rücken mit einer Salbe eingerieben und kam mir angesichts des dem schmerzlindernden Balsam entströmenden Odeurs plötzlich wieder vor wie vor *nuschelnuschel*-zig Jahren in der Grundschule: Weiterlesen

Wie? Jetzt schon?

Wenn ich an jedem Donnerstag um kurz vor acht für meinen allwöchentlichen medizinischen Termin das Haus verlasse, ist das ein Routinemarsch wie der Weg zum Job: Feste Strecke, festes Ziel, immer die gleichen Leute, immer zur gleichen Zeit. Einziges Zeichen von Veränderung sind die Blätter an den Bäumen im Kreislauf der Jahreszeiten. Selbst der Aufbau des hässlichsten Adventsgesteckes der Welt, also des riesigen Weihnachts-„Baumes“, auf dem Dortmunder Weihnachtsmarkt ab Ende Oktober wird nicht viel anders wahrgenommen. Nämlich gar nicht. Weil es Gewohnheit ist.

Heute Morgen habe ich es dann doch mal wahrgenommen: Weiterlesen

Männer in der Mauser und ein Besuch bei Meta

Selbst der betriebsamste Bahnhof hat Zeiten, in denen er einsame Tristesse ausstrahlt. Zum Beispiel am Sonntagmorgen um Viertel nach sieben. Die große Halle ist bis auf ein paar letzte Nachtschwärmer leergefegt, oben an den Bahnsteigen stehen deutlich weniger Züge. Die paar, die doch auf ihre Abfahrt warten, wirken wie unsereins am Montagmorgen: Muffelig, verschlafen – am liebsten hätten sie sich nochmal umgedreht und unterm kuscheligen „Plümmo“ eingemummelt.

Obwohl es heute zu einem ganz besonderen Termin, den mir ein ganz besonderer Freund möglich gemacht hat (und dem ich dafür gar nicht genug danken kann), nach Hamburg geht, fühle ich mich ein wenig so, wie diese Züge aussehen. Dabei bin ich gestern schon um acht in den Buntkarierten gewesen. Trotzdem war die Nacht zu kurz. Und ein bisschen sind wohl auch die Medikamente schuld, die ich seit einiger Zeit nehmen muss. Aber machen wir uns nix vor: Weiterlesen

Mehr Dinge zwischen Himmel und Erde…

Okay, die Überschrift ist eigentlich ein Zitat aus Hamlet (für die ganz Genauen: 1. Akt, 5. Szene). Trotzdem sind wir bei Shakespeare an der passenden Adresse. Diesmal geht es um das Stück Weiterlesen

Auf Teufels Schubkarre

Vor gut zwei Wochen hat das Ohnsorg Theater in Hamburg den Spielplan für neue Saison 2016/2017 vorgestellt. Es wird die letzte Weiterlesen

Throwback Thursday: Heidi Kabel

Diesen Artikel habe ich vor einem Jahr schon einmal gepostet, aber ich denke zum 101. Geburtstag kann man ihn einfach nochmal bringen.

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Hazel

oder: Bitte nicht noch ein Musical!

Die 1960er-Sitcom Hazel mit Shirley Booth in der Hauptrolle werden die wenigsten hier in Deutschland kennen. Ich selber kenne sie auch nur, weil ich das pure Glück hatte, Verwandte in den Niederlanden zu haben, wo alte US-Sitcoms in meiner Kindheit und Jugend Hochkonjunktur hatten.

20141209-1Kürzlich habe ich gehört, dass die Sitcom Hazel um eine patente Haushälterin mit Herz und Schnauze an den Broadway kommen soll. Als was? Als Musical, natürlich. Schade, und ich hatte mich schon so darauf gefreut, dass ein deutsches Theater das Stück in Übersetzung oder zumindest das English Theatre in Hamburg es in hiesige Breitengrade holen würde.

Zur Erinnerung habe ich mir noch mal ein paar Folgen Hazel bei YouTube angeschaut, und ich sehe durchaus das Potential für ein erfolgreiches Bühenstück. Aber doch bitte, bitte, bitte, ganz lieb bitte ohne die Tatsache, dass die Schauspieler alle paar Minuten ohne ersichtlichen Grund in Gesang ausbrechen!

Warum muss eigentlich inzwischen fast jeder Stoff in ein Musical verwandelt werden? Können die nicht mehr solides, witziges Sprechtheater wie in Joseph Kesselrings Arsen und Spitzenhäubchen (Arsenic and Old Lace), Jack Popplewells Keine Leiche ohne Lily/Frau Pieper lebt gefährlich (Busybody) oder Lawrence Romans Endlich allein (Alone Together) auf die Bühne bringen?

Vielleicht sehen die kreativen Köpfe an den (Manuskript-)Schreibtischen, am Regiepult oder auf der Bühne das anders, aber für mich als begeisterten Theatergänger ist es echt ein grober Mangel an Kreativität und Originalität, wenn man sich nur noch darauf beschränkt, altes Zeug zu nehmen und Musik hinzuzufügen. Der Gipfel der kreativen Unzurechnungsfähigkeit war für mich mit Rocky erreicht. Schon in den Werbetrailern diesen Muskelberg, diesen Testosteronbunker, diesen Schrank von Mann mit Händen wie Rhabarberblätter in einer Mischung aus 50er-Jahre-Crooner und I Want To Know What Love Is-Foreigner-80er-Jahre-Schmalzbandleadsänger singen zu hören und obendrein diese Boxring trifft Ballett-Tanzszenen zu sehen hat mich so zum Lachen gebracht, dass ich beinahe eingenässt hätte. Die Amerikaner müssen wohl selber erkannt haben, wie lächerlich das daherkommt, sonst hätten sie das Stück nicht schon nach nur 188 Vorstellungen wieder abgesetzt.

Ich hab‘ beileibe nichts gegen Musicals, wenn sie gut gemacht sind, aber diese Schwemme kreativitätsfreier Zweitverwertungen bereits bekannter Stoffe (wie etwa auch Aladdin) finde ich nervtötend. Ich würde mich sehr freuen, wenn ein amüsantes Stück einfach mal wieder als pures Sprechtheater auf die Bühne käme.

Walzer für eine Hamburger Deern

HeidiKabel100Jedesmal, wenn ich Ron Goodwins Venus Walzer höre, denke ich nicht an die Ballsaison in englischen Seebädern wie Blackpool oder Torquay, sondern ich sehe eine naseweise Frau mit Hamburger Zungenschlag, die neben einem pensionierten Beamten beim Erklingen dieses Liedes für einen Moment ihre Biestigkeit vergisst und sich selig im Walzertakt wiegt. Das alles im schmucklosen Treppenhaus einer Mietskaserne irgendwo in Hamburg. In Barmbek, auf der Veddel, in Altona, in Wandsbek, selbst auf der Margarineseite (also der nördlichen Seite der Elbchaussee) von Blankenese … es hätte in jeden Stadtteil gepasst.

Ganz sicher geht es vielen anderen genau so, wenn sie zusätzlich drei Begriffe hören: Ohnsorg TheaterTratsch im Treppenhaus – Heidi Kabel.

Aber Heidi Kabel war mehr als eine Volksschauspielerin, die diese, im „seriösen“ Feuilleton eher abfällig gemeinte Titulierung stets als größtes Kompliment empfunden hat. Und recht hatte sie. Ein paar hochnäsige Feuilletonisten zu begeistern ist immer leicht, aber quer durch alle Bevölkerungsschichten einer ganzen Nation Zuneigung und Anerkennung zu finden, dazu bedarf es mehr.

Heute wäre sie hundert Jahre jung geworden, und mir fallen zwei Dinge ein, die mir ganz besonders in Erinnerung geblieben sind.

Von allen Rollen, in denen ich sie erlebt habe, war die der Mudder Mews die ergreifendste. Beim Fernsehpublikum ist sie nahezu unbekannt, denn der NDR hat sich bei den Übertragungen stets nur auf die temporeichen Komödien beschränkt. Mudder Mews hingegen ist ein Drama, in welchem eine verbitterte Matriarchin ihre Schwiegertochter am Ende in den Suizid treibt. Heidi Kabel hat diese Rolle großartig gespielt und gezeigt, dass sie mehr konnte als laut und lustig. Es war auch ihre persönliche Lieblingsrolle.

Auf der anderen Seite war da ihr soziales Engagement. Sie hat es nicht dabei belassen, auf Wohltätigkeitsveranstaltungen mit wohl gewählten Worten an die Anwesenden um Spenden zu werben und selbst mit einem Scheck zu wedeln. Gewedelt hat sie ohnehin nie damit. Etwas wie diese appeldwatsche Ice Bucket Challenge wäre ihr vermutlich zuwider gewesen. Man macht um Wohltätigkeit kein großes Trara – man macht es einfach und gibt nicht noch damit an.

Wie dem auch sei, ihr Engagement ging weiter. Sie hat den Mund aufgerissen, ihre Meinung gesagt, Unbequemes wieder und wieder aufs Tapet gebracht und sich für Projekte eingesetzt, von denen andere aus Sorge um ihren Ruf die Finger gelassen haben, z. B. die Hamburger Babyklappe und das Hospiz Leuchtfeuer. In kalten Winternächten ging sie zu den Hamburger Berbern unter Brücken oder in Hauseingängen, half nicht nur mit Spenden, sondern auch mit menschlicher Wärme. Sie unterhielt sich mit ihnen und hörte ihnen ganz genau zu. Dabei verzichtete sie auf den Presserummel, ohne den die aktuellen Society-Schnepfen scheinbar nicht auskommen. Erfahren hat man von diesen Besuchen erst im Nachhinein, wenn sie sich zum unüberhörbaren Sprachrohr der sonst Überhörten machte. Obwohl sie ausgerechnet in diesem Stück des Ohnsorg Theaters nicht mitspielte, passte dessen Titel doch genau zu ihr: Minsch sien mutt de Minsch (Mensch sein muss der Mensch).

Das Lied In Hamburg sagt man ‚Tschüß‚ gehörte zu ihr, wie sie zu Hamburg gehörte. Obwohl es von Abschied erzählt, ist es ein heiteres Lied, denn schwingt immer mit, dass man zurückkehrt. Ein Lächeln huscht übers Gesicht. Selbst als sie 2010 starb und das Lied auf einmal trauriger denn je daherkam, vor allem bei der Trauerfeier im Michel, ging es nicht ganz weg.

Es ist übrigens auch ein Walzer.

Robin Williams und der Mann von nebenan

KreuzRobin Williams ist tot. Heute morgen, gleich beim Frühstück, als ich die Online-Ausgabe des Hamburger Abendblatt las, schreckte mich diese Nachricht auf. Dieser Verlust wird eine große Lücke in der Welt des puren Entertainments, aber auch der höheren Kultur hinterlassen, weil er einfach beides konnte.

Doch ich will jetzt gar nicht vom folgenden RIP-Storm anfangen, dem man sich ebenso anschließen konnte wie man ihn belächeln oder gar verdammen konnte. Ich will auch nicht davon anfangen, wie sehr Robin Williams, besonders mit Der Club der toten Dichter, mein eigenes Leben berührt und zu einem gewissen Grad auch meine Entwicklung als damals knapp 17jähriger beeinflusst hat.

Das stimmt alles, doch ich muss vor allem spontan an liebe Menschen in meinem Umfeld denken. Menschen, die wie Robin Williams von der Krankheit Depression betroffen sind.


Wichtig:

Falls du unter Depressionen leidest und dich Suizidgedanken verfolgen, gibt es bei der Telefonseelsorge online oder telefonisch unter den Hotlines 0800 – 111 0 111 und 0800 – 111 0 222 rund um die Uhr Hilfe. Diese Anrufe sind kostenlos und anonym. Gespräche, die zu diesen Rufnummern aufgebaut werden, tauchen auch nicht im Einzelverbindungsnachweis der Telefonrechnung auf.


Denn die Medien nennen (derzeit noch als unbestätigte Theorie) Suizid aufgrund dieser Krankheit als Todesursache. Wenn das stimmt (was, wie gesagt, immer noch nicht offiziell bestätigt wurde und daher zum Erstellugngszeitpunkt dieses Artikels reine Vermutung ist), was bedeutet der Tod von Robin Williams dann für seine Fans, die mit ihm im selben Boot gesessen haben? Oder auch das weitere Schicksal von anderen betroffenen Promis, deren Krankheit öffentlich bekannt ist, wie etwa Carrie Fisher oder Owen Wilson.

Psychische Krankheiten werden oft unter den Teppich gekehrt, gerade Depressionen. „Reiß dich zusammen“ und „Stell dich nicht so an“ gehören noch zu den netteren Belehrungen der Unwissenden und Ignoranten. Ächtung und Stigmatisierung von außen, Rückzug und Scham bei den Betroffenen sind Zutaten, die den Kranken neben ihren ohnehin schon schweren Symptomen oft zusätzlich aufgebürdet werden.

Über psychische Krankheiten spricht man nicht. Darum bekommt man auch oft nicht mit wie sich ein Mitmensch aus diesem Loch wieder nach oben arbeitet. Aha-Erlebnisse wie „Ach, du auch? Mir geht’s genau so!“, die einen positiven Einfluss auf Verbesserung der Situation bei Betroffenen haben könnten, bleiben oft aus.

Für diese Betroffenen sind prominente Beispiele durchaus wichtig. Denn erstens zeigen sie, dass ernste Krankheiten nicht nur den Otto Normalverbraucher betreffen, sondern vor niemandem Halt machen.

Zum anderen sind sie natürlich auch ein Vorbild. Sie zeigen: „Der/die hat genau die gleiche miese Krankheit wie ich und hat wegen seiner Prominenz noch viel mehr Druck von außen. Aber der kriegt seinen Alltag mit Auftritten, Interviews und so weiter gewuppt!“ Mit Hilfe von Medikamenten und sonstigen Therapien, ganz klar. Aber nichtsdestotrotz ist da das Zeichen: Man kann es schaffen. Vielleicht wird man nicht geheilt, aber man kann die Krankheit wenigstens im Zaum halten.

Für die einen ist ein Promi einfach ein Vorbild nur wegen seiner Schönheit, der man nacheifern kann. Das ist vollkommen in Ordnung. Aber es ist genauso in Ordnung, dass der Promi für andere eine Art Telekolleg darstellt, die aufzeigen kann, dass es möglich ist, trotz einer schweren Krankheit, das einigermaßen gut zu leben, was im individuellen Mikrokosmos für Normalität steht.

Wie fatal, desillusionierend, in den (ohnehin schon wackligen) Grundfesten erschütternd muss da der Tod des Promis ausgerechnet aufgrund dieser Krankheit sein?

Denn nochmal: Wer im eigenen Umfeld mit der selben Diagnose „Depressionen“ wie man selbst rumläuft und den Kampf gewinnt – oder verliert – bekommt man oft nicht mit. Denn man spricht ja nicht drüber. Krankheit ist bäh. Und Depression erst recht.

Dadurch wird der Tod eines Promis zum Spiegelbild mit Vergrößerungseffekt für jemanden, der selbst von der Krankheit X betroffen ist. Und auch für dessen Angehörige, die von dieser Krankheit genauso in Geiselhaft genommen werden wie der Betroffene selber und die darum am Ende nicht nur um einen geliebten Menschen trauern, sondern auch mit dem quälenden Wissen leben müssen, dass ihre Fürsorge und Liebe nicht gereicht haben, um zu das Los des Kranken genügend zu erleichtern.

Das schafft nicht nur Trauer um einen geschätzten Promi, sondern auch eine verdammte Scheiß-Angst, wie es mit einem selber weitergeht.

Alles Gute, Robin Williams und Familie – und auch allen anderen, die von dieser Krankheit besiegt wurden oder immer noch mit ihr ringen.


Wichtiger Hinweis:

Falls du unter Depressionen leidest und dich Suizidgedanken verfolgen, gibt es bei der Telefonseelsorge online oder telefonisch unter den Hotlines 0800 – 111 0 111 und 0800 – 111 0 222 rund um die Uhr Hilfe. Diese Anrufe sind kostenlos und anonym. Gespräche, die zu diesen Rufnummern aufgebaut werden, tauchen auch nicht im Einzelverbindungsnachweis der Telefonrechnung auf.

Über den Tellerrand geschaut (3)

Fundstücke aus anderen Blogs – Heute: Blogparade – Die besten Hamburg-Tips

Im Blog Typisch Hamburch wurde zu einer Blogparade eingeladen. Ein Katalog von zehn Fragen zu Hamburg soll dabei durch soviele Blogs wie möglich wandern. Da mach‘ ich gerne mit:

1. Wo gibt es das beste Fischbrötchen Hamburgs?

Da habe ich gar keinen Favoriten, der aus allen heraussticht. In der einen Lokalität schmeckt das Brötchen mit Backfisch am besten, in der anderen das  Matjesbrötchen, und wiederum woanders das mit den Bismarckheringen. Kommt halt auch drauf an, worauf man grade Lust hat. Eins kann ich aber mit Bestimmtheit sagen: Er kommt zwar ohne Brötchen daher, dafür aber mit Labskaus dazu – der Gabelrollmops in den Krameramtsstuben am Michel ist genial.

2. In welchem Hamburger Club steigen die coolsten Parties?

O-haue-ha… Schon bei Frage zwei bin ich auf bestem Weg, die Teilnahme an dieser Blogparade komplett zu versauen. Ich bin überhaupt kein Clubgänger. Abendliche Unterhaltung genieße ich am liebsten bei Veranstaltungen wie einem Besuch in meinem Lieblingstheater oder bei Autorenlesungen in Buchhandlungen wie Boysen & Mauke an der Großen Johannisstraße. Aber wenn’s unbedingt eine Location sein soll, die als Club durchgehen kann, dann ist es das Blohm + Voss-Dock, das neben Schiffen auch einem (Jazz-)Club Raum bietet. Zwar nur gelegentlich im Rahmen des Elb Jazz Festivals, aber immerhin.

3. Von wo hat man den besten Blick auf die Alster?

Eigentlich auf dem gesamten Weg rund um die Außenalster. Das sich durch die diversen Bäume, Sträucher und andere Blickfänge immer wieder verändernde Bild wirkt, als würde man von einem lebensgroßen Diorama Hamburger Ansichten zum anderen gehen. Mal sieht man moderne Neubauten, mal Harvestehuder Villen in Uferlage, mal die Türme der Hauptkirchen. Wer auf seinen Alsterrundgang eine gute Spiegelreflexkamera mitnimmt, bekommt seinen 32-GB-Speicherchip spielend an einem Tag voll. Ich hab’s schon mal geschafft…

1. Reihe: Blick von Brücke 3 der Landungsbrücken 2. Reihe: Alsterpanoramen 3. Reihe: Krameramtsstuben 4. Planten un Blomen

1. Reihe: Blick von Brücke 3 der Landungsbrücken
2. Reihe: Alsterpanoramen
3. Reihe: Krameramtsstuben
4. Reihe: Planten un Blomen

 

4. In welchem Park chillt ihr am liebsten?

Da habe ich zwei Lieblinge:

  1. Bei Planten un Blomen, am liebsten im Japanischen Garten der Anlage. Auf einer der Bänke mit Blick auf das japanische Teehaus sind viele Ideen zu meinen Büchern Frag doch das VanilleeisRat mal, wer das Essen kocht und Rummelpott in ersten Skizzen niedergeschrieben worden, eben weil ich so herrlich entspannt war und den Kopf dafür frei hatte.
  2. Parkfriedhof Ohlsdorf. Einer meiner absoluten Lieblingsflecken Erde in Hamburg.  Besonders der Garten der Frauen hat es mir hier angetan. Auch ein friedlicher, kraftspendender Ort, wenn man mal einen meditativen Rückzugsort braucht, um ein paar Herzens- und Seelendinge mit sich selber abzumachen.

5. In welcher Hamburger Kneipe gibt es die geilsten Club-Konzerte?

Auch hier bin ich eher außen vor – ich mag gerne gesellige Abende in schicken Locations… pardon, Lokalen. Aber dann mit unaufdringlicher, kaum wahrnehmbarer Musik im Hintergrund oder vielleicht sogar gar keiner, wodurch die Atmosphäre viel mehr Platz für gute Gespräche mit spannenden Menschen lässt. Hier ist mein Favorit das Café Paris beim Rathaus.

6. Wo kann man in Hamburg am besten shoppen gehen?

Kommt drauf an, worauf man Wert legt. Für Filialisten wie Abercrombie & Fitch bleibt man am besten im Dunstkreis der Mönckebergstraße und des Hanseviertels. Die tollsten individuellen und inhabergeführten Läden habe ich am Eppendorfer Weg, an der Hegestraße in Hoheluft und an diversen Ecken in Ottensen gefunden. Ich empfehle den Einkauf abseits der Filialisten. In den individuellen Läden findet man die bessere Ware, das bessere Ambiente, das spannendere Einkaufserlebnis und das Wissen, wirklich in Hamburg zu sein, was einem bei der langweiligen Uniformität der Filialisten gerne mal verlorengeht. Außerdem sollte der Gentrifizierung durch die Großkonzerne Einhalt geboten werden.

7. Welches Hamburger Event darf man auf keinen Fall verpassen?

Von den jährlichen Events ist die Theaternacht mein Favorit – spannender Blick hinter die Kulissen aller teilnehmenden Theater, Ausblicke auf das, was in der nächsten Zeit auf die Bühnen kommt und spannende Begegnungen mit Leuten aus allen Bereichen vor und hinter den Kulissen. Am 13. September ist es wieder soweit!

Alle zwei Jahre findet zudem das Kreuzfahrtschifffestival Cruise Days statt. Zum Rahmenprogramm gehört stets die Kunstinstallation Blue Port. Bei Einbruch der Dämmerung wird das gesamte Hafenpanorama in ein faszinierendes blaues Licht getaucht, was faszinierende Ansichten eines Panoramas erlaubt, das man zu kennen glaubte und nunmehr doch ganz neu entdeckt.

8. Wo in Hamburg lässt es sich im Sommer am besten baden?

Im Freibad Stadtparksee. Es ist irre cool, wenn im selben Wasser, in dem man selber plantscht, plötzlich ein Alsterdampfer vorbeituckert (natürlich ist man durch eine Absperrung geschützt). Der Blick aufs Planetarium ist ebenfalls sensationell.

9. Wo ist der beste Platz mit Blick auf den Hamburger Hafen?

Da habe ich gleich vier Favoriten:

  1. Auf dem Oberdeck von Brücke 3 der St. Pauli Landungsbrücken
  2. Auf dem Sonnendeck einer Hafenfähre der Linie 62.
  3. Von der Aussichtsterrasse über der Hochbahn-/S-Bahn-Station Landungsbrücken auf dem Stintfang.
  4. Auf dem Dach des Dockland.

Für den nächsten Heimatbesuch in Hamburg Anfang 2017 ist zudem die Begutachtung der Plaza auf dm alten Kaispeicher der Elbphilharmonie geplant. Bericht folgt….

10. Warum ist Hamburg für Euch die schönste Stadt der Welt?

Schon mal versucht, Liebe zu erklären? Um es mit der NDR Radiocomedy-Ikone Stefanie Prigge zu sagen: „Es is‘ ja, wie’s is‘!“

Mehr Hamburg-Impressionen wie Reiseberichte und Momentaufnahmen aus der Hansestadt sind hier zu finden.

„Meine berühmten Freundinnen“

Alkohol und Frauen aus den Pyrenäen haben mich vor kurzem noch davon abgehalten, doch an diesem Wochenende bin ich – neben reichlich Outdoor-Zeit –  endlich dazu gekommen, Meine berühmten Freundinnen des Schauspielers Hubert von Meyerinck aus dem Jahr 1967 zu lesen.

Das Wort „reizend“ als ehrliches Kompliment zu gebrauchen, ist weitgehend aus der Mode geraten. Doch auf die Autobiographie von Hubert von Meyerinck trifft es zu, darum sollte es auch benutzt werden.

„Autobiographie“ ist in diesem Zusammenhang nicht ganz das richtige Wort. „Memoiren“ trifft es eher, denn Hubert von Meyerinck erzählt nicht wirklich viel von sich selbst, wenn man von einigen harmlosen Episoden absieht. Es wäre Ende der 60er Jahre wohl auch etwas gefährlich gewesen, zuviel von sich preiszugeben – der § 175 war schließlich immer noch ein fester Bestandteil des Strafgesetzbuches. Trotzdem klammert er das Thema Homosexualität nicht völlig aus. Wenn er von seiner Zeit im Berlin der 1920er Jahre erählt, lässt er die verruchten alten Lokale, Bars und Spelunken wie die Schnurrbartdiele, das Ciro und das Scherbini wiederauferstehen. Er berichtet von miteinander Walzer tanzenden Männern, von singenden Damen, die eigentlich auch Herren sind, von der Selbstverständlichkeit, mit der einer in einem gediegenen Restaurant plötzlich splitterfasernackt dasitzenden Anita Berber begegnet wurde, und davon, dass das, was später als lasterhaft betrachtet wurde, zur Zeit, als es passierte, gar nicht lasterhaft war. Denn jeder, der es sich finanziell leisten oder sich geschickt aushalten lassen konnte, hat in diesen Lokalen verkehrt, auch der Adel und die Politik. Zwar liegt in der Art, wie Hubert von Meyerinck davon erzählt, eine Beseeltheit, es erlebt zu haben, und ein Bedauern, dass es vorbei ist – dennoch ist da eine gewisse Distanz, als wolle er nicht zu stark zugeben, selber Teil des ganzen Geschehens gewesen zu sein.

Umso ausgiebiger spricht Hubert von Meyerinck über seine rein platonischen Freundschaften zu den großen Kolleginnen seiner Zeit, u. a. Friedel Schuster, Elsa Wagner, Käthe Dorsch, Grethe Weiser und Adele Sandrock. Sie alle haben „Hupsi“, wie er von Freunden genannt wurde, ein Stück auf dem Lebensweg begleitet, und er zollt ihnen als eben diese loyalen Wegkameradinnen seine ganze Anerkennung. Seine Erzählung schwankt dabei zwischen lockerer Plauderei und der typischen Sentimentalität eines am Ende des Lebensweges stehenden Künstlers aus flammender Leidenschaft, wobei er sich für beides eines aus heutiger Sicht eigentümlich antiquierten, bisweilen theatralischen Tonfalls bedient. Doch dabei büßt er nie an Sympathiepunkten ein, denn man merkt jeder Zeile an, wie grundehrlich er es meint und wie sehr jedes Wort aus einem Herzen kommt, das ein sehr großes gewesen zu sein scheint. Kurzum: Es macht Freude, dieses Buch zu lesen.

Hubert von Meyerinck (* 1896, † 1971) war einer der meistbeschäftigten und beliebtesten deutschen Schauspieler seiner Zeit auf Bühne und Leinwand. Im Film war er oft auf die Rolle des komischen Kauzes abonniert (z. B. als inkognito auftretender Reisebürobetreiber in Ferien auf Immenhof oder als verarmter und daher öffentliche Toiletten reinigender Adeliger in Billy Wilders Eins, zwei, drei), doch auf der Bühne konnte er auch mit ernsthafteren Rollen wie etwa in Ferenc Molnárs Liliom oder Molières Tartuffe große Erfolge feiern.

Auch als Schriftsteller war er nicht untalentiert. Meine berühmten Freundinnen mag keine großen Einblicke in Hubert von Meyerincks eigenes Leben bringen und das, was auf den ersten Blick als leicht indiskrete Pikanterien daherkommt, war schon damals aus anderen Biographien und Illustrierten bekannt, doch mit Esprit, Witz und Zuneigung bringt er die Persönlichkeiten hinter großen Namen vergangener Tage noch einmal genauso zum Leben wie den damaligen Zeitgeist. Durch all das ist dieses reizende Büchlein die ideale Unterhaltung für die gepflegte Teestunde am Sonntagnachmittag.