Schiff ahoi!

Kennt ihr noch Butterfahrten? Das war früher bei einem Urlaub an der Ostsee nicht wegzudenken. Sich einmal für ein paar Stunden wie die feinen Leute beim Traumschiff fühlen, mit ’nem schnittigen weißen Schiff zur See fahren und dabei auch noch billig einkaufen, weil das Schiff in Internationalen Gewässern gefahren ist, und da hast du auf deinen Einkauf keinen Zoll und keine Steuern zahlen müssen.

Ich weiß, wovon ich rede – ich bin da in meiner Kinderzeit oft genug mitgefahren!

In den ganzen Kurorten an der Ostsee hat es damals ein zentrales Reisebüro gegeben. Außerhalb der Saison hast du als Einheimischer bloß deinen eigenen Urlaub irgendwo im Süden gebucht. Innerhalb der Saison ist das dickste Geschäft mit den Touris gemacht worden: Weiterlesen

Schip ahoi!

Kennt ji no Butterfohrten? Dat wor freuher nich ut’n Urlaub an de See wegtodinken. Sik eenmol föör’n poor Stünn’n as de feinen Lüüd bi’t Traumschiff feuhlen, mit’n snittiget wittet Schip no See fohrn un dobi ook no billig inköpen, wiel dat Schip in „Internationale Gewässer“ fohrn is, un denn hest du op dien Inkööp keen Toll un keine Steuern tohlen möten.

Ik weet, wovun ik schnack – ik bin do in mien Kinnertiet oft genuch mitfohrn!

In de ganzen Kurorten anne Ostsee hett dat domols een zentrolet Reisbüro geven. Buten de Saison hest du als Inheemischer blots dien eegen Urlaub jichtenswo in’n Süden bucht. Binnen de Saison is dat dickste Geschäft mit de Touris macht worrn: Weiterlesen

Halbe Portion

Als Kind hat man es wirklich nicht leicht, ein gesundes Selbstbewusstein in Bezug auf die Körpergröße zu entwickeln. Sogar jene, die wirklich zu den ordentlichen Kaventsmännern in ihrer Altersklasse gehören, kriegen oft genug einen Spruch zumindest von Onkeln und Tanten gedrückt, die sich mit Sentenzen wie „Na, du Dreikäsehoch?“ oder „Hey, Kurzer!“ für ganz besonders witzig halten.

Lustig wird’s dann noch in der Schule, wenn man einen nicht ganz alltäglichen Nachnamen hat. Weiterlesen

Wie? Jetzt schon?

Wenn ich an jedem Donnerstag um kurz vor acht für meinen allwöchentlichen medizinischen Termin das Haus verlasse, ist das ein Routinemarsch wie der Weg zum Job: Feste Strecke, festes Ziel, immer die gleichen Leute, immer zur gleichen Zeit. Einziges Zeichen von Veränderung sind die Blätter an den Bäumen im Kreislauf der Jahreszeiten. Selbst der Aufbau des hässlichsten Adventsgesteckes der Welt, also des riesigen Weihnachts-„Baumes“, auf dem Dortmunder Weihnachtsmarkt ab Ende Oktober wird nicht viel anders wahrgenommen. Nämlich gar nicht. Weil es Gewohnheit ist.

Heute Morgen habe ich es dann doch mal wahrgenommen: Weiterlesen

In Hamburg sagt man „Tschüß“

Reisetagebuch 2018 – Teil 6

Intercity 2213 Hamburg -> Dortmund, zwischen Bremen und Osnabrück – Freitag, 17.08.2018 – am Nachmittag

Wenn sich da mal nicht ein Kreis schließt. Der Urlaub endet, wie er auch begonnen hat: Geänderte Waggonreihenfolge, aufgehobene Sitzplatzreservierungen, und wieder habe ich meinen bei der Buchung eigens auf dem Waggonplan rausgesuchten Einzelplatz nicht bekommen. Stattdessen teile ich mir ein 1.-Klasse-Abteil mit fünf anderen Reisenden, die von der nicht funktionierenden Klimaanlage genauso „begeistert“ sind wie ich. Aber unsere Konstellation passt: Weiterlesen

Aretha, Amerigo und ein bisschen Arbeit

Reisetagebuch 2018 – Teil 5

Hamburg – Donnerstag, 16.08.2018 – morgens im Hotel

Was für eine Ungerechtigkeit. Da wirst du morgens wach und hörst als erstes in den Radionachrichten, dass Aretha Franklin tot ist. Als ob das nicht schon schlimm genug wäre, bekommst du drei Minuten später den neuesten Schlager der Saison von irgendeinem deutschen Sangesternchen um die Ohren gehauen und damit erstmal so richtig vorgeführt, mit welcher Lücke wir zurückgelassen werden. Im Hintergrund hörst du dabei den großen Vinylius – oder wer immer der Schutzpatron der Popmusik ist – grausam lachen.

Weiterlesen

Frühstück hui, Mittagessen pfui

Reisetagebuch 2018 – Teil 3

Hamburg – Dienstag, 14.08.2018 – frühmorgens im Hotel

Fünf Uhr dreißig. Man muss schon ziemlich bescheuert sein, um im Urlaub so früh aufzustehen. Oder was Tolles vorhaben.

Hab ich auch. Und dazu gehört ein gut fünf Kilometer langer Spaziergang durch das frühmorgendliche Hamburg. Weiterlesen

Liebesgrüße aus Hamburg

Von Christian Morgenstern gibt es einen Spruch, dass das Erste, wonach Herr und Frau Müller fragen, wenn sie in den Himmel kommen, Postkarten sind. Zu seinen Lebzeiten ist das sicherlich so gewesen und auch noch lange Zeit danach. In meinen Kindertagen hat es keinen Urlaub gegeben, ohne dass wir unseren Daheimgebliebenen Unmengen von Postkarten geschrieben hätten: Weiterlesen

Leevetgrööten ut Hamborg

Vun Christian Morgenstern gifft dat een Spruch, datt dat erste, wono Herr un Froo Müller frogen, wenn se in’n Himmel kummen, Postkorten sünd. To sien Levtieten is dat sekerlich so weesen un ook lange Tiet dorno. In mien Kinnerdogens hett dat keen Urlaub geven ohne datt wi uns Dorheembleeven Unmengen vun Postkarten schrieven haarn: Weiterlesen

Foodporn und Osmium

Reisetagebuch 2018 – Teil 2

Hamburg – Montag, 13.08.2018 – gegen 7:00 Uhr im Hotel

Aua! Aua! Aua!

Es gibt nichts bescheuerteres, als mit einem veritablen Muskelkater aufzuwachen. Aber warum habe ich den nur auf der linken Seite im Arm und Schulterbereich? Gut, ich habe gestern viel mit dem Kuli geschrieben, aber das mache ich doch als eine der wenigen Sachen mit rechts? Die Gabel beim Abendessen war nicht aus Osmium, und das Mineralwasser kam auch nur im 0,33er Glas, nicht in einer Dranktonne. Was habe ich denn gestern noch gemacht? Ausgepackt und den Koffer auf den Schrank gewuch…

Alles klar: Weiterlesen

Gruppenkuscheln, Grübeleien und glucksendes Wasser

Reisetagebuch 2018 – Teil 1

Hamburg – Donnerstag,  16.08.2018

Es ist Donnerstagabend. Die Sonne versinkt langsam hinter den Dächern von St. Pauli, der aus Helgoland zurückgekehrte Halunder Jet hat die letzten Fahrgäste ausgespuckt und tuckert die paar Meter zu seinem Liegeplatz für die Nacht rüber, die Touristen verlassen langsam die Landungsbrücken. Nur einmal wird es heute noch richtig drubbelig. Nämlich nachher, wenn die Vorstellungen der Musical-Tempel gegenüber am anderen Elbufer zu Ende sind und tausende Theaterbesucher zurück in ihre Hotels oder noch so richtig auf’n Swutsch gehen wollen.

An meinem letzten Abend in der schönsten Stadt der Welt meint das Wetter es noch einmal gut mit mir. Überhaupt war es eine schöne Zeit – viel besser, als der holperige Start es hatte erahnen lassen. Weiterlesen

Dortmunder Notizen

Die Sommerferien haben begonnen und damit auch die größte Reisewelle des Jahres. Bei mir dauert es noch gut vier Wochen bis zur Sommerfrische – was nicht heißt, dass das Reisefieber nicht bereits ausgebrochen ist. Darum bleibt momentan wieder mal nur Zeit für eine Sammlung kleiner Alltagsnotizen:

Weiterlesen

Falsche Verdächtigung

Es heißt immer, das ständige Starren auf Smartphones, Tablets und dergleichen lässt unsere Fähigkeiten zur realen Kommunikation verkümmern. So’n Tünkram. Einer der Hauptübeltäter hat schon viel eher Einzug in unsere Leben gehalten. Weiterlesen

Männer in der Mauser und ein Besuch bei Meta

Selbst der betriebsamste Bahnhof hat Zeiten, in denen er einsame Tristesse ausstrahlt. Zum Beispiel am Sonntagmorgen um Viertel nach sieben. Die große Halle ist bis auf ein paar letzte Nachtschwärmer leergefegt, oben an den Bahnsteigen stehen deutlich weniger Züge. Die paar, die doch auf ihre Abfahrt warten, wirken wie unsereins am Montagmorgen: Muffelig, verschlafen – am liebsten hätten sie sich nochmal umgedreht und unterm kuscheligen „Plümmo“ eingemummelt.

Obwohl es heute zu einem ganz besonderen Termin, den mir ein ganz besonderer Freund möglich gemacht hat (und dem ich dafür gar nicht genug danken kann), nach Hamburg geht, fühle ich mich ein wenig so, wie diese Züge aussehen. Dabei bin ich gestern schon um acht in den Buntkarierten gewesen. Trotzdem war die Nacht zu kurz. Und ein bisschen sind wohl auch die Medikamente schuld, die ich seit einiger Zeit nehmen muss. Aber machen wir uns nix vor: Weiterlesen

Wuchtbrummen und Hormonwechsel

Als Gay in der Pubertät ist man ja doch ein bisschen anders als die anderen Jungs im Hormonwechsel. Das hat sich damals in den Achtzigerjahren nicht bloß darin gezeigt, dass das beste Pausengesprächsthema für meine Klassenkameraden die Oberweite von Kim Basinger gewesen ist während ich lieber mal den Brustpelz von Pierce Brosnan gekrault hätte. Nein, da ist noch mehr gewesen: Weiterlesen