Zu früh, zu spät

Heute wird an Rhein, Main und anderen Orten Weiberfastnacht gefeiert, und für mich als ausgesprochenen Karnevalsmuffel ist der diesjährige Termin für den Rosenmontag schon viel zu spät im Jahr, zumal mein Mann bereits seit sieben Tagen jeden Abend Prunksitzungen aus den diversen närrischen Hochburgen im Fernsehen schaut. Wenn ich bedenke, dass das noch bis zum Aschermittwoch nächste Woche weitergeht, frage ich mich doch ernsthaft, womit so ein niedliches Kerlchen wie ich es verdient hat, ausgerechnet an einen Karnevalsenthusiasten geraten zu sein. Eines Tages werde ich wohl noch als „ein Verzweifelter in D.“ bei den Briefkastentanten einschlägiger Illustrierter im Arztwartezimmer enden.

Apropos zu spät – Verspätungen sind schon eine ärgerliche Sache. Wenn Zug A etwa so verspätet ist, dass man seinen Anschluss an Zug B verpasst und dann womöglich zu spät zu einem wichtigen Termin erscheint. Dabei hat man mir schon von kleinauf eingebläut, dass Verspätung eine der größten Sünden im menschlichen Miteinander ist. Das hat dazu geführt, dass ich bei besagten wichtigen Terminen immer mindestens eine halbe Stunde zu früh an der Peripherie des Treffpunktes herumkrebse und irgendwie die Zeit totschlagen muss.

Zu früh findet auch jedes Jahr das Auftauchen gewisser Saisonwaren statt. Call me old-fashioned, aber ich finde, Spekulatius und Dominosteine haben im August noch nichts in den Ladenregalen zu suchen. Da steht mir noch der Sinn nach leckeren Eiskreationen und leichten sommerlichen Salaten, ganz bestimmt nicht nach Lebkuchengewürz. Das von mir am meisten gehasste Gemüse kommt schließlich auch erst auf den Tisch, wenn’s knackig kalt geworden ist.

Doch immer, wenn du denkst, noch früher kann’s mit den Vorbereitungen fürs nächste Weihnachtsfest nicht losgehen, wirst du eines Besseren belehrt. Am vergangenen Sonnabend war wirklich herrlichstes Frühlingswetter (auch das war für die Jahreszeit viel zu früh dran), und es wäre Sünde gewesen, diesen Tag drinnen zu verbringen. Also sind mein Mann und ich zu einem langen Spaziergang mit anschließendem Kaffeeklatsch im Lieblingscafé aufgebrochen. Unterwegs machten wir die üblichen Beobachtungen – renovierte Hausfassaden, neu eröffnete Restaurants, von Sturm Sabine umgenietete Bäume und so weiter. Am bemerkenswertesten war jedoch die Entdeckung, die wir an einer Litfaßsäule machten. Denn dort – zur Erinnerung: es war der 15. Februar, an dem sich bereits die erste Osterware (halbwegs im angemessenen Zeitrahmen) in den Läden findet und man zuhause immer noch in die restlichen, sich dem Staubsauger hartnäckig verweigernden Nadeln vom letzten, erst vor sechs Wochen entsorgten Weihnachtsbaum tritt – fanden wir Folgendes:

Ich würde sagen, damit dürfte der Sieger im Rennen um die frühestmögliche Eröffnung der Weihnachtssaison 2020 feststehen.

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