Dinge gibt’s, die gibt’s gar nicht

… und wenn es sie doch gibt, dann hast du sie garantiert im Ruhrpott erlebt.

Irgendwie steckt ja in fast allem Traurigen auch ein kleines bisschen Humoriges. Sogar in Friedhöfen. Zeitgenossen, die neben einem Friedhof wohnen, können über den Spruch „Na, da habt ihr ja ruhige Nachbarn, hahahahaha“ wahrscheinlich längst nicht  mehr lachen, weil er so uralt ist, aber irgendwann war er ja doch  mal originell. Genauso wie ein Evergreen aus der Sprüchekiste meines Vaters. Der – selber alter Gewerkschafter – wird nämlich nie müde zu betonen, dass die „Besatzung“ eines Friedhofes groß genug, um Betriebsratswahlen abhalten zu können

Im Ruhrgebiet mit seiner großen Schnauze erlebt man selbst im Rahmen einer Beerdigung manchmal Dinge, die einem ein breites Grinsen aufs Gesicht kleben. Vorhin kam ich auf meinem Weg an dem Friedhof unserer Stadtteils vorbei. Dort war gerade eine Beisetzung zu Ende gegangen, und die Hinterbliebenen machten sich auf den Weg zu Kaffee und Bienenstich.

Inmitten der kleinen Prozession lief auch eine Frau mit, die von ihrer Erscheinung her sehr an die legendäre „Duse vom Ruhrpott“ Tana Schanzara erinnerte. Sie hatte sich bei einer anderen Frau untergehakt, die auch Ähnlichkeit mit eine bekannten Figur hatte – nämlich dem gestrengen Fräulein Rottenmeier aus Heidi.

Solange sie noch auf dem Grundstück mit den Immobilien für die Ewigkeit waren, bewegte die Trauergemeinde, wie man es allgemein erwartet: Gemessenen Schrittes, die Köpfe gesenkt. Kaum war das Friedhofstor passiert und man befand sich auf dem Parkplatz, wurden Schlipse gelockert, zu enge Kragenknöpfe gelöst, die Handys gezückt.

Und die kleine Frau mit den schwarzen Haaren bewies, dass nicht nur ihre Erscheinung, sondern auch ihr Mundwerk mühelos mit dem von Tana Schanzara mithalten konnte. Denn unvermittelt trompetete sie los: „Kerl, näh, doh, watt is der Albrecht schön unta de Erde gekommen. Näääh, dat Grabb, doh, ich sachet dir, wat hattense dat schön ausgehoben. Dat sah ja wie gemalt aus. Da trinken wa gezz gleich erssma ’n Kurzen drauf, woll, Gissella*? Kommsse?“

Ich will ja nichts sagen, aber dem versteinerte Gesichtsausdruck nach zu urteilen, wäre „Gissella“ offenbar lieber im Boden versunken als noch einen einzigen Schritt weiterzugehen.

 

 

* Name geändert

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