Wenn ich das schon höre!

Bei Hanns Dieter Hüsch war es die Mehlschwitze. Er fand diese Saucengrundlage nicht nur an sich grauenhaft, sondern auch das Wort, welches negative Assoziationen bei ihm weckte: „Feine Küche Bad Salzuflen!“

Nun weiß ich nicht, durch was sich die feine Küche von Bad Salzuflen auszeichnet (oder eben nicht) und warum sie dem unvergessenen Kabarettisten so querging. Doch es gibt tatsächlich Worte, gegen die man eine solche Abneigung hat, dass sich nicht nur alle Nackenhaare aufstellen, sondern man auch die abstrusesten Verbindungen herstellt.

Ein solches Wort kommt bei mir verlässlich jeden Sommer im wahrsten Sinne des Wortes auf den Tisch. Es geschieht während dieser ersten richtig heißen Tage, an dem einem jede warme Nahrungsaufnahm nicht als Genuss daherkommt. Einzige Ausnahme ist Kaffee, der geht natürlich immer. Doch der Teller mit der Portion Pommes-Currywurst oder den Bratkartoffeln zu Spiegelei ist zu einer nur schwer lösbaren Aufgabe geworden. Spaghettieis statt Spaghetti Bolognese lautet die Devise.

Am vergangenen Sonnabend war es soweit. Das Balkonthermometer zeigte schon um zehn Uhr 37°, was sicherlich übertrieben war, da wir es einfach wenig strategisch platziert haben und es mitten in der prallen Sonne hängt. Dabei heißt es doch …im Schatten. Aber egal – die Aussage „es war sehr, sehr warm“ ist durchaus zuverlässig. Genau deswegen setzte sich mein Mann mit sichtlichem Wohlbehagen an Tisch, auf dem er zuvor unsere große weiße Dessertschüssel abgesetzt hatte.

„Hach“, seufzte er. „Da habe ich schon den ganzen verregneten Frühling drauf gefreut. Eine richtig schöne, leckere…“

„NEIN!“ fiel ich ihm ins Wort. „Sag es bitte nicht! Du weißt, wie sehr ich es hasse!“

Natürlich wusste er es. Für mich löst dieses Wort zwar nicht den Gedanken an die feine Küche von Bad Salzuflen aus, und das Gericht an sich mag ich sogar selbst ganz gerne. Aber das Wort… dieses schreckliche Wort. Dabei ich denke automatisch an eine Klassenfahrt in ein gottverlassenes Kaff irgendwo im Nirgendwo, unbequeme Etagenbetten, Gemeinschaftsduschen, Wanderungen zu irgendwelchen obskuren Tropfsteinhöhlen, Hagebuttentee, der nach allem schmeckt, bloß nicht nach Hagebutten und das Absingen von drei Vierteln der Mundorgel beim abendlichen Lagerfeuer. Kurz gesagt: Mit diesem einen Wort ist alles verbunden, was ich schon seit der ersten Klassenfahrt in der vierten Grundschulklasse hasse. Ich weiß, dass Jugendherbergen und Klassenfahrten heute längst nicht mehr so daherkommen, aber die mittlerweile fast fünfunddreißig Jahre alte Erinnerung hat sich unauslöschlich in  mein Gedächtnis gebrannt.

Und eben weil mein Mann das weiß, sprach er dieses Wort trotz meiner inständigen Bitte um Unterlassung natürlich doch aus (Merke: Gays werden grundsätzlich nicht älter, sie werden nur gehässiger). Er grinste mich an und sagte mit Gusto:

„Quarkspeise.“

Warum tu‘ ich mir das nur an? 😉

 

 

 


Hinweis: Die Titelgraphik dieses Beitrags stammt aus dem Pool frei verwendbarer Bilder von Pixabay und befindet sich unter dem Vermerk CC0 der Creative Commons in der Public Domain.

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11 Antworten auf “Wenn ich das schon höre!”

  1. Also, damit dich das beruhigt: Ich finde das auch widerlich.
    Ich wiederhole es deswegen auch nicht!
    Und dabei war ich nicht mal auf Klassenfahrt.
    Erst später, zum Abschluss. Da gab es solches XXX nicht, sondern Hotel-Buffet.
    Ich vermute, die haben hinterher niemals wieder Schulklassenbuchungen angenommen. 🙂

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    1. Die Schulklassenfahrt in Grundschule hat mich für diese Art des Reisens regelrecht verdorben. Auf der Realschule musste ich auch noch mit, da ich noch kein Mitspracherecht. Aber mit 18 auf der Handelsschule habe ich dann aus tiefstem Herzen „Ohne mich – ich gehe lieber eine Woche in die Parallelklasse“ gesagt, als es nach Prag und da auch in Hotel gehen sollte. Bin beim Reisen einfach kein Herdentier.

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  2. Eh … dieses Zeugs kommt in meiner Lebenswelt nicht vor, und das ist auch gut so. Das gleiche gilt für Pudding mit oder ohne Wackeln. (Und jetzt gehe ich mir, bei 25 Grad plus um 23 Uhr, mal ein bisschen frisches Obst holen. Das ist Sommernachtisch, wenn wer mich fragt.)

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    1. Frisches Obst geht natürlich immer – auch als Hauptmahlzeit. Aber trotzdem esse ich auch gerne mal ein angerührtes süßes Gericht. Ein schönes Griesflammeri z. B. (einen Pudding darf man ja nur als solchen bezeichnen, wenn er in einer geschlossenen Puddingform im Wasserbad gemacht wird) mit frischer Vollmilch, einem Eidotter für die Farbe und natürlich echtem Vanillemark. Oder Rote Grütze, ebenfalls mit frischer Milch – ganz traditionell aus der Landküche, Sahne oder Vanillesauce ist schon wieder chi-chi von verwöhnten Städtern….

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  3. Quarkspeise lässt sich ja auf verschiedene Arten zubereiten, auch mit Obst. Meine Variante ist mit Ei, viel Vanille und viel Zucker. Wir essen es beide gern. Aber es gibt ja immer Gerichte, die jemand absolut nicht mag.

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    1. Wie ich im Text schrieb: Das Gericht an sich esse ich auch und sogar durchaus gerne. Es ist einfach nur der Name, dieses Wort. Es gibt Worte, bei denen rollen sich ohne dass man weiß, warum es so ist, die Zehennägel hoch. „Pantoffeln“ finde ich z. B. auch ganz grausam, auch wenn ich dafür keinen Grund verorten kann.

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