Einfach nur verbinden…

Was verbindet die folgenden vier Zahlen miteinander?

  • 80
  • 373,15
  • 212
  • 100

Keine Ahnung?

Keine Sorge, würde mir genau so gehen.

Seit ich mir den Zugang zum Live-Fernsehen aus Großbritannien gegönnt habe, schaue ich tatsächlich wieder mehr fern, wobei sich dann auch tatsächlich der ein oder andere Schatz heben lässt.

Der neueste Fund gehört zum Programm von BBC Two und heißt Only Connect, präsentiert von Victoria Coren Mitchell. Die Sendung gilt als das härteste Quiz im britischen Fernsehen, was ich nach einer Staffel aus dem Archiv und der gestern nach siebenunddreißig Folgen mit einem nervenaufreibenden Finale zu Ende gegangenen zwölften Staffel nur bestätigen kann: Wenn ich es bei einer Folge schaffe, auch nur eine einzige Aufgabenstellung richtig zu beantworten, ist das fast schon ein Grund, den Champagner zu öffnen. Und ich bilde mir ein, nun wirklich nicht auf den Kopf gefallen zu sein.

Bei Only Connect gibt es keine Multiple Choice-Antworten, und mit reinem Allgemeinwissen kommt man auch nicht weiter. Hier ist bei jedem Mitspieler eine gesunde Mischung aus überdurchschnittlichem Allgemeinwissen, Fachwissen und einer guten Portion Nerdism gefragt, die ihm aber nur dann etwas bringt, wenn er obendrein lateral denken und kombinieren kann. Es sollen nämlich nicht wie einer gewöhnlichen Wald- und Wiesen-Quizshow Fragen beantwortet werden, sondern Verbindungen hergestellt.

Dazu werden in der ersten Runde einem der Teams sechs Aufgaben gestellt, jeweils drei pro Team. Bei jeder Aufgabe werden innerhalb von 30 Sekunden bis zu vier Hinweise gezeigt. Die Zeit läuft mit dem ersten Hinweis, per Buzzer kann der Countdown angehalten werden, aber Vorsicht – es ist die einzige Möglichkeit.

Die drei debattieren, worin die Verbindung bestehen könnte. Kommen Sie mit dem ersten Hinweis allein nicht auf die Lösung, können sie um den nächsten Hinweis bitten. Dabei verringert sich mit jedem Hinweis die Zahl der zu erreichenden Punkte: Bei Hinweis 1 gibt es noch fünf Punkte, bei Hinweis 2 gibt es drei Punkte, bei Hinweis 3 immerhin noch zwei Punkte, und bei allen vier Hinweisen gibt es nur noch einen Punkt. Ist die Lösung falsch, kann das gegnerische Team immerhin noch einen Punkt abstauben, indem es selber die korrekte Antwort gibt.

Anhand der Eingangsfrage bedeutet das: Die Kandidaten würden nur die vier Zahlen 80 – 373,15 – 212 – 100 als Hinweise zu sehen bekommen. Die zu findende Verbindung wäre Es sind die Siedetemperaturen für Wasser, und zwar in alphabetisch absteigender Reihenfolge nach ihren Benennern sortiert:

  • 80° – Réaumur,
  • 373,15° – Kelvin
  • 212° – Fahrenheit
  • 100° – Celsius.

Das ist übrigens noch eine der einfachen Fragestellungen…

Die Runden zwei und drei sind Variationen der ersten Runde mit beständig steigendem Schwierigkeitsgrad. Die langwierige Erklärung der genauen Modalitäten erspare ich dem interessierten Leser und verweise darauf, dass alte Staffeln von Only Connect auch bei YouTube zu finden sind.

Zum Schluss gibt es noch die Schnellraterunde der fehlenden Vokale. Victoria Coren Mitchell gibt eine Kategorie vor, etwa Berühmte untergegangene Schiffe, worauf die Schiffsnamen eingeblendet werden, jedoch ohne Vokale und mit falsch gesetzten Leerzeichen, was etwa so aussehen könnte:

N DRD R

Die Teams dürfen sich dann per Buzzer nach dem Motto Wer zuerst kommt, mahlt zuerst das Recht auf Antwort sichern. Hier haben wir es natürlich mit der ANDREA DORIA zu tun. Nach vier solcher Aufgaben wird die Kategorie gewechselt.

Diese Runde läuft gegen die Zeit, darum ist schnelles Antworten gefragt, um möglichst viele Punkte abzustauben. Doch Vorsicht: Anders als in den vorherigen Runden sorgen falsche Antworten hier für Punktabzug, darum ist diese Runde meist die alles entscheidende.

Die Ausstrahlung einer Staffel Only Connect zieht sich über mehr als ein halbes Jahr und ist wie ein Turnier mit Hinrunden, Rückrunden, Viertel- und Halbfinale sowie Endspiel aufgebaut. Man beginnt mit vierundzwanzig Teams zu je drei Mitspielern, bis am Ende nur noch die beiden Teams für das Endspiel übrig bleiben. Produziert wird das ganze innerhalb von etwas mehr als einer Woche mit bis zu sieben aufgezeichneten Episoden pro Tag.

Was mir an der Sendung besonders gut gefällt, ist ihre Schlichtheit. Es gibt kein Studiopublikum, das mit Applaus die Konzentration und Spannung stören könnte. Die Kandidaten donnern sich nicht großartig auf, sondern erscheinen in ganz normaler Straßenkleidung, dem Lieblings-T-Shirt etwa. Es gibt keinen elend langen Smalltalk über das, was die Teams im Privatleben machen. Jeder glänzt einfach mit der Leistung beim Spiel. Am Ende geht es nur um den Titel. Das Siegerteam erhält kein Geld, keine Reise, kein Auto – sondern lediglich einen kleinen Pokal, auf dem so etwas wie Sieger der Only Connect-Staffel 2016/2017 steht.

So einfach (und doch so kompliziert), so unprätentiös, so glamourfrei – genau deswegen so genial. Eins ist sicher: Wenn in gut vier Monaten Staffel dreizehn beginnt, bin ich wieder dabei!

 

 

 


Hinweis: Die Titelgraphik dieses Beitrags stammt aus dem Pool frei verwendbarer Bilder von Pixabay und befindet sich unter dem Vermerk CC0 der Creative Commons in der Public Domain.

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4 Antworten auf “Einfach nur verbinden…”

    1. O ja, Only Connect ist wirklich verdammt kompliziert. Aber genau das mag ich – auch, dass die Kandidaten ihre Antworten selber formulieren müssen. Es gibt für mich nichts langweiligeres bei einem Quiz als diese Multiple Choice-Vorgaben wie bei diesen ganzen furchtbaren deutschen Shows à la Wer weiß denn sowas.

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