Hey, Taxi!

Wann ich zum ersten Mal einen Mercedes Diesel gestartet habe, weiß ich wirklich nicht mehr. Wahrscheinlich war ich so um die zehn oder elf. In unserem nicht gerade kleinen Clan gab es nämlich ein Taxiunternehmen, und dort hat meine Omma jahrzehntelang jeweils am Wochenende in der Zentrale gesessen und Funkgeräte und Telefone bedient. Für mich als ausgesprochenes Ommakind war es daher völlig normal, dass auch ich mindestens einen Tag meiner Wochenenden vorzugsweise auf dem Gelände der ehemaligen Tankstelle und Autowerkstatt verbrachte. Wenn meine Freunde ins Kino gingen oder gemeinsam mit ihren Vätern die Fußballübertragung im Radio hörten, während sie dabei den Gartenzaun strichen oder ihr Angelzeug putzten, Weiterlesen

Lokalderby (Hochdeutsch)

Nee, was bin ich froh, dass der April vorbei ist. Ich muss dann immer an meine Dreißigerjahre denken: Für das Jungvolk unter dreißig bist du schon der alte Sack gewesen, und von den Leuten über vierzig hat man immer zu hören gekriegt: „Du bist ja noch so jung.“ Das ist wie eine zweite Pubertät gewesen – zu nichts und niemandem hast du wirklich dazugehört. Bloß die Pickel sind mir zum Glück erspart geblieben.

Der April ist genau wie diese zweite Pubertät – Weiterlesen

Lokalderby (op Platt)

Nee, wat bin ik froh, datt de April vörbi is! Ik mutt dann jümmers an mien Dörtigerjohrn dinken: För de Junggäst ünner dörtig büst du al de ole Sack wesen, un vun de Lüüd över veertig hest du jümmers to hörn kriggt: „Du büst jo noch so jung.“ Dat is as ’n tweete Pubertät wesen – to nix und nüms hest du weerklich bihört. Blots de Pickel sünd mi to’n Glück ersport bleven.

De April is jüst as düsse tweete Pubertät – Weiterlesen

Drei Männer und…nee, Baby, besser nicht

A ist Spanier. B ist Deutscher. C ist Schwede mit norwegisch-dänischen Eltern, der in Boston lebt.

Ganz verschiedene Männer, die trotzdem einige Gemeinsamkeiten haben: Alle drei sind verdammt attraktiv. Alle drei kommen viel in der Welt rum. Alle drei zeigen sich vor den atemberaubendsten Kulissen. Alle drei machen Fotos davon. Alle drei machen diese Fotos und auch Videos bei Instagram, Snapchat, YouTube und so weiter öffentlich zugänglich. Alle drei bekommen Geld dafür.

Will heißen: Weiterlesen

Die Steckrübe im Pelzmantel

Wäre es nicht mitten im Januar gewesen, hätte ich die Zeitungsmeldung vor einigen Tagen wahrhaftig für einen Aprilscherz gehalten: In Hamburg haben sich ein Online-Supermarkt und eine Bank (gemeint ist wirklich ein Geldinstitut!) für einen ganz besonderen Service zusammengetan: Weiterlesen

Wahre Liebe für die liebe Ware

Oder auch für die liebste Leidenschaft, aber damit funktioniert das Wortspiel nicht so gut.

Moin erstmal. Ich weiß, ich bin spät dran. Ist immerhin schon nach 22 Uhr. Dafür gibt es mildernde Umstände. Heute habe ich nämlich die Al-Fresco-Saison 2018 eröffnet. Sieben Sonnenstunden und geschmeidige neun Grad auf dem Balkon luden zum ersten Outdoor-Kaffee ein, und das schon am 14. Januar! Nun weiß selbst ich, der irgendwo einen Polarfuchs im Stammbaum sitzen haben muss, sonst wäre ich nicht so wenig kälteempfindlich, dass man bei solchen Temperaturen nicht nur rumsitzen kann. Also habe ich die Blumentöpfe abgeputzt, Spinnweben entfernt und zig andere kleinerere Aufräumarbeiten erledigt, bevor mir dann wirklich den besagten und sogar wohlverdienten Kaffee gegönnt habe. Mein Mann zog es übrigens vor, sich in der wohlgewärmten Küche aufzuhalten. Diese Rheinländer… nix Gutes gewohnt!

Wie dem auch sei – Sonntagskaffee rutscht ohne süße Begleitung immer so schlecht runter, also war ich kurz beim Bäcker ums Eck, etwas Backwerk besorgen. Als ich wieder zurückkam, schob sich gerade eine beachtliche Anzahl von Autos mit auswärtigen Kennzeichen in unser Viertel. Ach, ja – ich hatte es völlig vergessen: Weiterlesen

Es werde Buch!

In weniger als 48 Stunden ist es soweit: Das dritte Abenteuer mit meinen beiden norddeutschen Jungs Holger und Christoph, Ich will dich doch bloß heiraten!, hat seine Metamorphose von einer Sammlung unsortierter Gedankensplitter über ein lange bebrütetes Manuskript zum fertigen eBook und „richtigen“ Buch komplett hinter sich und geht in die Welt hinaus.

An anderer Stelle hatte ich schon mal berichtet, dass es beim Schreiben zu dieser Story gewisse Anlaufschwierigkeiten gab und wie ich diese sehr befriedigend abstellen konnte. Trotzdem war da noch eine kleine Baustelle übrig: Weiterlesen

Großstadtmomente

In letzter Zeit hadere ich immer häufiger mit unserem Viertel: Mehr und mehr Luxussanierungen mit anschließenden exorbitanten Mieterhöhungen, das ehemals so bunte Publikum wird immer hipsteriger (keine Ahnung, ob es das Wort so gibt – wenn nicht, habe ich es soeben erfunden).

Vielleicht liegt es auch gar nicht am Viertel oder der neuen Klientel. Es könnte auch sein, dass es mit meinem Alter zusammenhängt. Nein, es folgt jetzt keine der hinreichend bekannten klagen, dass früher alles besser war. Erstens ist das Humbug, und zweitens versuche ich eigentlich immer die positiven Seiten des Älterwerdens herauszukehren. Die Rolle des Zynikers, der einem Kind den bunten Ball wegnimmt, um ihm die Schlechtigkeit der Welt zu verdeutlichen statt ihrer guten Seiten, liegt mir nicht.

Im Grunde weiß ich gerade selbst nicht so recht, worauf ich eigentlich hinaus will. Weiterlesen

Meine Milch und das Spiel um einen Thron

Moin! Vorgestern war mal wieder Plattdüütschtag hier im Blog – folglich gibt’s heute die Übersetung für alle Nicht-Platten. Viel Vergnügen! Weiterlesen

Mien Melk un dat Speel um een Thron

Moin! Es wird mal wieder Zeit für den allmonatlichen Beitrag op Platt – die hochdeutsche Übersetzung wird wie immer in Kürze nachgereicht. Viel Spaß beim Lesen! Weiterlesen

Tatort Waschküche

„Hausarbeit kann dich nicht umbringen, aber warum was riskieren?“*

Die US-Komödiantin Phyllis Diller hat in ihrer Karriere manch gute Pointe platziert. Aber mit dieser liegt sie völlig daneben. Haushalt kann einen sehr wohl Weiterlesen

Vroom… vroom…

20141118-01Aus rein praktischen Erwägungen haben mein Mann und ich vor sechs oder sieben Jahren unser Auto abgeschafft. Ich habe eh keinen Führerschein, und mein Mann hatte keine Lust mehr auf den täglichen Ärger mit der Parkplatzsuche in unserem Quartier. Pure Mathematik. 100 Parkplätze : 200 Autos = Ärger!

Zum anderen waren da die Kosten. Von wegen pecunia non olet – die Spritpreise stanken zum Himmel!

Last but not least muss man der Stadt bei all meiner (immer augenzwinkernd gemeinten) Lästerei eines lassen: Zumindest unser Quartier ist perfekt erschlossen. Von A über Arzt und Apotheker bis Z wie Zoohandel ist hier alles Lebenswichtige fußläufig in wenigen Schritten zu erreichen, die Haltestellen von sechs verschiedenen Linien des Nahverkehrs liegen quasi in Rufweite, und selbst bis zum Bahnhof und der Fußgängerzone downtown sind es nur fünfzehn Minuten Fußweg. Weiteres K. O.-Kriterium: Keiner von uns muss beruflich pendeln. In so einer Situation braucht man einfach kein Auto.

Wenn wir doch mal eins brauchen, dann wird gemietet, was in unserem Fall wirklich die günstigste Alternative ist. Wir mieten zudem anlassgerecht und hatten so vom Smart über VW Polo und 1er BMW bis zum Volvo V70 inzwischen jede Fahrzeugkategorie. Zudem haben wir dadurch etwa drei Mal pro Jahr ein fast fabrikneues Auto unter dem Pöter, das kann auch nicht jeder von sich behaupten. So macht die ganze Mieterei dann auch noch ein wenig Spaß.

Apropos Volvo V70. Das Ding ist ja echt ein dicker Brummer und saubequem. Wir hatten mal einen für einen Fehmarn-Wochenende gemietet. In unserem eigenen, zum Schluss recht klapperigen Fiat Fiorino durfte mein Mann nie schneller als 120 fahren, und ich achtete genau auf die Tachonadel! Aber im Schweden-Express fühlte ich mich sicher, so dass ich entspannt nach draußen auf die Landschaft blickte und irgendwann beiläufig sagte: „Schatz, kannst heute ruhig schneller als hundertzwanzig fahren.“

Mein Mann verriss fast das Lenkrad vor Lachen. „Schatz“, japste er, „ich fahr schon einer halben Stunde zweihundertzwanzig!“

Ich zuckte nur gleichgültig mit den Achseln.

Wie weicheiig ich beim Autofahren bin hängt also ganz stark von Marke und Stabilität der Karre ab. Sonst wäre ich ja unkompliziert, und wo bleibt da das Abenteuer für die, die mit mir zu tun haben?

Hat sich auch heute wieder gezeigt. Als ich nach dem Einkauf aus dem Supermarkt kam, regnete es. Wie es der Zufall wollte, war unser Nachbar Felix (Name von der Redaktion geändert) ebenfalls einkaufen und bot mir großzügig an, mich mitzunehmen, obwohl es nur ein paar Meter waren. Aber es pladderte wirklich fies.

Nun ja, was soll ich sagen… Auf jeden Fall nicht, dass Felix schlechter fährt als mein Mann. Wirklich nicht. Er hat sein Töff-Töff wirklich im Griff. Aber wie er aufs Gas trat und die Rasanz, mit der seinen klapprigen Opel Astra, Baujahr 1997, in die Kurven jagte, war einfach nix für mich. Beim Aussteigen hatte ich das Gefühl, mit dem Restkörper schon vor unserem Haus zu stehen, während mein Magen noch auf dem Supermarkt-Parkplatz darauf wartete, überhaupt EINsteigen zu können. So nett, sympathisch und hilfsbereit wie Felix auch ist, aber ich glaube, das nächste Mal werde ich lieber nass.

Heiße Reifen, leichte Mädchen

Böse Zungen – genauer gesagt: ich – behaupten, das Leben in dem dörflichen Vorort des Vororts der Stadt, in der ich aufgewachsen bin, wurde nur dann aufregend, wenn jemand ein lebendiges Karnickel vor den Linienbus warf, damit dieser überhaupt anhielt, aber das ist natürlich übertrieben. Ein wenig mehr (Betonung auf wenig) war schon los. Manchmal haben wir nur nichts davon mitbekommen. Meine Familie besteht nämlich aus notorischen Tiefschläfern. Neben uns könnte unbemerkt die sprichwörtliche Bombe explodieren.

In einer bestimmten Nacht vor einem guten Vierteljahrhundert war es allerdings ein Gasofen, der da unbemerkt explodierte. Das war Sensation #1.

Sensation #2 fand sich im Ort des Geschehens wieder: Als das Etablissement in die Räumlichkeiten eines ehemaligen Gasthofs eingezogen war, hatte sich bei uns erstaunlicherweise kein Protest geregt. Mit stoischem Gleichmut wurde registriert, dass es nun op’n Dörp einen Puff gab.

Zwei oder drei Jahre lang lebte man in friedlicher Koexistenz. Die meisten männlichen Pubertierenden in der Nachbarschaft, die sich optische Stimulanz, vielleicht sogar die ersten praktischen Erfahrungen vor Ort erhofft hatten und deshalb wie Kater auf Baldrian um das Haus geschlichen waren (aus bekannten Gründen war meine Wenigkeit hier ziemlich außen vor), wurden rasch bitter enttäuscht. Man bekam von dem Treiben (kein Wortspiel beabsichtigt) in dem Laden wirklich nichts mit. Zeitweise fragte man sich, ob dort überhaupt jemand verkehrte (dito).

Doch dann strebte besagter Gasofen eine neue Karriere als Rakete an. Die Feuerwehr rückte aus und hatte das Feuer bald unter Kontrolle, während verlegene Herren auf der Straße umher liefen, sich in irgendwelche Büsche schlugen, um hektisch ihre Kleidung in Ordnung zu bringen und sich dann so schnell wie möglich vom Acker zu machen. Letzteres wusste die Polizei aus Sorge um ausbleibende Zeugenaussagen natürlich zu verhindern.

Die Damen der Nacht hingegen waren die Ruhe selbst – für sie war das Feuer nicht aufregender als eine Razzia, denn trotz allem Chaos war niemand zu Schaden gekommen.

Mein Clan erfuhr all dies aus zweiter Hand, denn wir hatten rein gar nichts mitbekommen. Und das, obwohl es von unserem Haus keine hundertfünfzig Meter bis zu dem Puff waren. Als die Geschehnisse in der Nachbarschaft die Runde machten, lautete einer der Kommentare dann auch prompt: „Ihr verpennt ja sogar, wenn euer eigenes Haus fast zusammenbricht!“

Schuldig in allen Anklagepunkten… An einem Morgen kurz vorher war ich nämlich aufgestanden und ging aus meinem Dachzimmer nach unten. Ich schlurfte an dem Fenster auf halber Treppenhöhe vorbei, stutzte und kniff die Augen zusammen. Stand da wirklich ein Auto in unserem sonst so gepflegten Vorgarten? Tatsächlich. Der Maschendrahtzaun war geborsten, die beiden Koniferen waren zur Seite genickt, die Begonien plattgewalzt – und mitten auf dem Rasen stand ein Opel Kadett, dessen Fahrt durch unsere Hauswand gestoppt worden war. Vom Fahrer keine Spur.

Bald darauf klingelte unsere Hauswirtin, eine sprichwörtliche alte Jungfer und als solche mit der Situation hoffnungslos überfordert. Sie müsse die Polizei rufen, dabei wisse sie nicht mal, wann der Unfall passiert sei.

Am Ende löste sich alles in Wohlgefallen auf. Die Polizei ermittelte den Halter des Wagens, der reumütig alles zugab. Er erhielt seine Strafe, unsere Hauswirtin einen Schadenersatz und wir den Rat, unsere Ohren doch mal ein wenig mehr auf Wachsamkeit zu trainieren. Denn wäre Fräulein L. beim Prozess als Nebenklägerin aufgetreten, hätte ihr Anwalt uns als Belastungszeugen glatt abgelehnt…